feat(ui): complete Avalonia UI port with 7 main pages, tool settings & top MenuBar

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Richard
2026-08-10 10:48:34 +02:00
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# Agentenkommunikation — Erfassung, Ansicht, Auswertung
Ziel: Die **gesamte** Kommunikation zwischen Agenten wird erfasst, ist im WhatsApp-Stil
paarweise nachlesbar und lässt sich von einem Agenten automatisiert auswerten — um zu
finden, wo die Zusammenarbeit klemmt.
Abgegrenzt davon: Rocket.Chat (siehe [RocketChat-Nextcloud-Konzept](RocketChat-Nextcloud-Konzept.md))
trägt **ausschließlich** das, was ein Mensch wissen soll. Interne Absprachen der Agenten
gehen dort nie hin.
Aufbauend auf [Audit-Konzept](Audit-Konzept.md) (A3) und [Taskboard-Konzept](Taskboard-Konzept.md) (A1).
---
## 1 — Beschlüsse (August 2026)
| # | Beschluss |
|---|---|
| 1 | **Korrelation**: `ParentRunId` + `RootRunId` in Audit-Log und Receipts. Eine Delegationskette wird damit zu einer Abfrage. |
| 2 | **Nachrichtenspeicher**: eigene Tabelle `AgentMessages`, die alle Wege gleich behandelt und beide Richtungen festhält. |
| 3 | **Rocket.Chat bleibt außen vor** — kein Spiegeln der Agentenkommunikation dorthin. Ein Gruppenchat mit allem drin wäre unlesbar. |
| 4 | **Ansicht**: Paar auswählen (Agent A / Agent B), Verlauf im Chat-Stil scrollen. |
| 5 | **Auswertung**: ein Analyse-Tool, das ein dafür vorgesehener Agent bekommt. |
---
## 2 — AgentComm behalten oder durch das Taskboard ersetzen?
Das war die offene Frage. Der Befund zuerst, die Empfehlung danach.
### 2.1 Was heute passiert
`AgentComm.send_message` ist ein **synchroner Aufruf**: A ruft, `SendMessageAsync` startet
`ChatAsync(B)`, wartet auf den vollständigen Lauf von B und gibt dessen Schlussnachricht
als Tool-Ergebnis an A zurück. Drei Eigenschaften folgen daraus:
- **Es gibt keine Tiefenbegrenzung** (B8). A→B→A→B… läuft, bis ein Timeout greift.
- **Es kann echt verklemmen.** Seit B2 serialisiert ein Gate je Agent alle Läufe. A hält
sein Gate, während es auf B wartet. Ruft B nun `send_message(A)`, wartet B auf As Gate —
das A hält, während es auf B wartet. Das löst nur der Timeout auf. Der Selbstaufruf
A→A wurde damals abgefangen, der Zweierzyklus nicht.
- **Der Fehler ist teuer**: Jeder Hop ist ein vollständiger, bezahlter Lauf.
### 2.2 Was ein Task nicht kann
Trotzdem ist „einfach alles über Tasks" nicht ohne Verlust. Zwei Dinge kann der
asynchrone Weg strukturell nicht:
- **Antwort im selben Lauf.** Bei `send_message` kommt die Antwort als Tool-Ergebnis
zurück, und A arbeitet damit sofort weiter. Über einen Task endet As Lauf; die Antwort
kommt später als neuer Weckvorgang, und A muss seinen Gedankengang neu aufnehmen. Für
eine Rückfrage sind das **zwei Läufe statt einem** — der asynchrone Weg ist hier also
nicht nur langsamer, sondern *teurer*.
- **Antwortzeit.** Der Scanner tickt im Minutentakt. Eine Rückfrage „hast du die Datei
schon abgelegt?" braucht damit im Mittel eine halbe Minute plus den Lauf des anderen.
### 2.3 Empfehlung: nach Zweck trennen, nicht beides parallel führen
Der Fehler in der jetzigen Lage ist nicht, dass es zwei Mechanismen gibt — es ist, dass
**beide dasselbe können**. Ein Agent kann Arbeit sowohl per Task delegieren als auch per
`send_message` „mal eben" abschieben, und der zweite Weg ist der gefährliche.
Vorschlag:
> **Delegation gehört ausschließlich ins Taskboard.** `AgentComm` verliert diese Rolle
> vollständig — kein „mach du mal", kein Auftrag, kein Arbeitspaket.
>
> **Die kurze Rückfrage bleibt**, aber als eigenes, eng gefasstes Werkzeug: `ask_agent`.
`ask_agent` mit harten Grenzen:
| Grenze | Begründung |
|---|---|
| **Tiefe 1** — wer gerade eine Rückfrage *beantwortet*, darf selbst keine stellen | Beendet die Rekursion an der Wurzel. Prüfbar, sobald `ParentRunId` steht (Punkt 1) — die Synergie ist der Grund, warum das jetzt fast umsonst zu haben ist |
| **Zyklusprüfung** — Ziel darf nicht im aktuellen Aufrufpfad liegen | Schließt den Deadlock aus 2.1 aus, statt auf den Timeout zu hoffen |
| **Kurzer Timeout + kleines Schrittbudget** (z. B. 60 s, 5 Schritte) | Eine Rückfrage, die fünf Schritte braucht, war keine Rückfrage, sondern ein Auftrag |
| **Eigene Beschreibung im Prompt**: „für kurze Fragen an einen Kollegen, nicht um Arbeit abzugeben" | Der häufigste Missbrauch ist der falsche Griff, nicht die böse Absicht |
Damit gibt es weiterhin zwei Wege, aber sie überschneiden sich nicht mehr: Der eine ist
ein Auftrag (dauerhaft, nachvollziehbar, mit Abnahme), der andere eine Frage
(flüchtig, sofort, begrenzt).
**Die Gegenposition, fairerweise:** Man kann `AgentComm` auch ersatzlos streichen und die
Rückfrage über einen Task mit hoher Priorität abbilden. Das wäre die konsequentere
Umsetzung des „alles ist ein Task"-Prinzips und spart ein Tool. Der Preis sind die zwei
Läufe je Rückfrage und die Minute Wartezeit. **Meine Empfehlung ist die Trennung**, weil
Rückfragen im Mehr-Agenten-Betrieb häufig sind und der Aufpreis sich dann summiert — aber
das ist eine Abwägung, keine technische Notwendigkeit.
`AgentSpawn` geht in beiden Varianten im Taskboard auf (`assignee: @new:<agent>` ist genau
das) und wird zurückgebaut.
---
## 3 — Korrelation: `ParentRunId` und `RootRunId`
Heute erzeugt jeder Lauf eine frische `runId`; der Lauf des Empfängers weiß nichts vom
Lauf des Absenders. Eine Kette A→B→C ist deshalb nur über Zeitstempel zu erraten.
Zwei Felder auf `AuditEntry` und `RunReceipt`:
- **`ParentRunId`** — der Lauf, aus dem dieser hervorging. `null` bei einem Lauf, den ein
Mensch oder der Scanner auslöst.
- **`RootRunId`** — die Wurzel der Kette. Das ist faktisch die **Vorgangs-Id**: Alles, was
aus einer Anweisung entstand, trägt denselben Wert.
Regeln:
- **Die Engine stempelt.** Wie beim Audit gilt: Herkunft wird nie vom Agenten behauptet.
- Ein Lauf ohne Vorgänger ist seine eigene Wurzel (`RootRunId = RunId`).
- Weitergereicht wird über die Aufrufstellen, an denen ein Lauf einen anderen auslöst:
`ask_agent`, Task-Dispatch, Staging-Folgetask.
- **Migration**: Bestandszeilen bekommen `RootRunId = RunId` und `ParentRunId = NULL`.
Das ist nicht rückwirkend korrekt, aber ehrlich — alte Ketten bleiben unbekannt, statt
falsch zusammengesetzt zu werden.
Der Nutzen reicht über die Analyse hinaus: Was eine Delegationskette insgesamt gekostet
hat, ist danach ein `SUM` über `RunReceipts` gruppiert nach `RootRunId`. Damit fällt ein
Teil von C7 nebenbei ab.
---
## 4 — Der Nachrichtenspeicher
### 4.1 Tabelle
Neue Tabelle in der Instanz-DB, neben `AuditLog` und `RunReceipts`:
```sql
CREATE TABLE IF NOT EXISTS AgentMessages (
Id INTEGER PRIMARY KEY AUTOINCREMENT,
PairKey TEXT NOT NULL, -- sortiertes Paar: "agentA|agentB"
FromAgentId TEXT NOT NULL,
ToAgentId TEXT NOT NULL,
Channel TEXT NOT NULL, -- ask | task | task_comment | task_result
Direction TEXT NOT NULL, -- request | response
Content TEXT NOT NULL, -- vollständig, nach Scrubbing
RunId TEXT NOT NULL,
ParentRunId TEXT,
RootRunId TEXT NOT NULL,
TaskId TEXT,
Status TEXT NOT NULL, -- delivered | failed | timeout | denied
OccurredAt TEXT NOT NULL
);
CREATE INDEX IX_AgentMessages_Pair ON AgentMessages(PairKey, OccurredAt);
CREATE INDEX IX_AgentMessages_Root ON AgentMessages(RootRunId, OccurredAt);
```
Dazu ein FTS5-Index auf `Content` — dieselbe Technik wie beim geplanten Historien-Umzug
(K6), damit die Suche in der Ansicht und im Analyse-Tool nicht über `LIKE` läuft.
### 4.2 Die Entscheidungen dahinter
**`PairKey` als sortiertes Paar.** Die geforderte Ansicht („A und B auswählen, scrollen")
wird damit zu `WHERE PairKey = ? ORDER BY OccurredAt` — eine Abfrage auf einem Index,
unabhängig davon, wer gerade wen anspricht.
**Beide Richtungen als eigene Zeilen.** Eine Rückfrage erzeugt zwei Zeilen (`request`
A→B, `response` B→A) mit derselben `RootRunId`. Nur so entsteht ein Verlauf, der sich wie
ein Chat liest. Das Audit-Log kann das nicht leisten: Es speichert nur `Arguments`, die
Antwort landet dort nirgends.
**Inhalt ungekappt.** Das Audit kappt bei 4.000 Zeichen — richtig, denn es dient der
Nachvollziehbarkeit. Für die Auswertung braucht es den vollen Text. Gekappt wird erst
dort, wo Text in einen LLM-Kontext zurückfließt (Abschnitt 6).
**Alle Wege in einer Tabelle.** `ask_agent`, Task-Delegation, `task_comment` und das
Ergebnis eines Tasks landen im selben Format. Sonst müsste die Auswertung drei Quellen
zusammensuchen — und genau daran scheitert sie heute.
**Fan-out statt Sammelzeile.** Eine Nachricht an mehrere Empfänger wird zu mehreren
Zeilen. Etwas redundant, dafür bleibt jede Zeile paarweise auswertbar.
### 4.3 Wer schreibt
Ein `IAgentMessageLog` im Core, aufgerufen an genau den Stellen, an denen eine Nachricht
eine Agentengrenze überschreitet:
| Aufrufstelle | Zeilen |
|---|---|
| `AgentEngine``ask_agent` | `request` beim Absenden, `response` beim Rückgabewert (auch bei Fehler/Timeout, mit passendem `Status`) |
| Taskboard — `task_create` mit fremdem Assignee | `request` |
| Taskboard — `task_comment` | `request` bzw. `response`, je nach Richtung |
| Taskboard — Task abgeschlossen/geblockt | `response` mit Ergebnis oder Blocker-Grund |
Drei bis vier Stellen, alle im Core. Kein Tool schreibt selbst — sonst könnte ein Agent
seine eigene Kommunikationsakte färben.
**Fehlschläge werden mitgeschrieben.** Eine nicht zugestellte Nachricht ist für die
Analyse wertvoller als eine erfolgreiche.
### 4.4 Was hier nicht hineingehört
- **Mensch↔Agent-Chat.** Das ist die Chat-Historie, ein anderer Gegenstand mit anderem
Umzugsplan (K6). *Ausnahme mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis:* Tasks mit
`assignee: @human` durchlaufen dieselben Aufrufstellen — man kann sie als Paar
(Agent, `@human`) mitschreiben und bekommt die Ansicht dafür geschenkt. Vorschlag: ja,
aber als Nachzügler, nicht als Teil der ersten Fassung.
- **Tool-Aufrufe.** Die stehen im Audit-Log und gehören nicht in einen Gesprächsverlauf.
- **Rocket.Chat-Nachrichten.** Anderer Gegenstand, andere Vertrauensgrenze.
### 4.5 Zwei Pflichten
- **Output-Scrubbing vor dem Schreiben.** Nachrichteninhalte enthalten Tool-Ergebnisse.
Ohne Maskierung bekannter Geheimnisse wird dieser Speicher zur zweiten Fundstelle für
Zugangsdaten — und über den MySQL-Spiegel (A6) verlässt er sogar die Maschine. Der
Roadmap-Punkt „Output-Scrubbing" ist damit **Voraussetzung**, nicht Beiwerk.
- **Aufbewahrung.** Die Tabelle wächst unbegrenzt. Ein Instanz-Wert
(`agentMessageRetentionDays`, 0 = unbegrenzt) plus ein Aufräum-Task gehören von Anfang
an dazu, nicht erst, wenn die DB groß ist.
---
## 5 — Die Ansicht
Neuer Reiter im Hauptfenster: **Agentenkommunikation**.
**Bedienung**: zwei Auswahlfelder (Agent A, Agent B) — dazu „alle" für einen Agenten, um
zu sehen, mit wem er überhaupt spricht. Zeitraum, Kanalfilter, Freitextsuche.
**Darstellung**: Chat-Stil, A rechts, B links, Zeitstempel, Tagestrenner. Jede Blase
trägt eine kleine Kennzeichnung des Kanals (`Rückfrage` / `Auftrag` / `Kommentar` /
`Ergebnis`) und, wo vorhanden, die anklickbare Task-Id.
**Technisch**: über den vorhandenen **WebView2**-Unterbau, wie ihn `frm_chat` schon nutzt
(inkl. Virtual-Host-Mapping auf einen lokalen Ordner). Der Verlauf wird als HTML
gerendert. Handgezeichnete Sprechblasen in WinForms wären ein Vielfaches an Aufwand für
ein schlechteres Ergebnis.
**Paging**: die jüngsten ~200 Nachrichten, „ältere laden" nach oben. Ein Paar mit 50.000
Zeilen darf die Oberfläche nicht am Start blockieren.
**Der eigentliche Mehrwert** liegt über dem flachen Verlauf: Ein Klick auf eine Nachricht
zeigt die ganze Kette zu ihrer `RootRunId` — also den Vorgang von der auslösenden
Anweisung bis zum letzten Beitrag, über alle beteiligten Agenten hinweg, mit den Kosten
aus den Receipts. Das ist die Ansicht, die die Frage „warum hat das drei Stunden und
vier Dollar gekostet" tatsächlich beantwortet.
---
## 6 — Automatisierte Auswertung
Ein Tool `AgentCommAnalysis`, das **bewusst nur einem dafür vorgesehenen Agenten**
zugewiesen wird (die Zuweisung je Agent gibt es ohnehin).
| Aktion | Zweck |
|---|---|
| `list_pairs` | Wer spricht mit wem, wie oft, seit wann — der Einstieg |
| `stats` | Kennzahlen je Paar/Kanal/Zeitraum (siehe unten) |
| `read_conversation` | Verlauf eines Paares, gekappt und seitenweise |
| `chain` | Ein kompletter Vorgang über `RootRunId`, inkl. Kosten |
| `search` | Volltext über FTS5 |
**Fragen, die das beantworten soll** — sie sind der Grund für den Schnitt des Schemas:
- Wie viele Delegationen führen zu einem Ergebnis, und wie viele versanden?
- Wie tief werden Ketten, und ab welcher Tiefe steigt die Fehlerquote?
- Welche Paare stellen sich wiederholt dieselbe Rückfrage? (Ein Hinweis auf unklare
Zuständigkeit oder einen fehlenden Skill — genau die Art Problem, die man sucht.)
- Was kostet ein Vorgang von der Anweisung bis zum Ergebnis?
- Wo häufen sich `failed`/`timeout`?
**Drei Sicherungen**, weil ein Agent hier fremde Kommunikation liest:
1. Ergebnisse werden als `<untrusted_content>` gerahmt. Der Inhalt stammt aus anderen
Läufen und kann Anweisungen enthalten — auch ohne böse Absicht.
2. Standardmäßig liefert das Tool **Kennzahlen**, Rohtext nur auf ausdrückliche Anfrage
und mit harter Obergrenze. Ein unbedachtes „lies mir alles vor" ist sonst ein
Kontext-Überlauf mit Rechnung.
3. Das Tool ist **lesend**. Es gibt keine Schreibaktion.
---
## 7 — Verhältnis zu Rocket.Chat
Klargestellt, weil es die vorherige Überlegung ablöst:
- Agentenkommunikation wird **nicht** nach Rocket.Chat gespiegelt. Ein Raum, in dem jede
interne Absprache mitläuft, ist nach einer Woche unlesbar und verdeckt genau das, was
man sehen soll.
- Nach Rocket.Chat geht nur, was ein Mensch wissen soll oder muss — über den
`ChannelRouter` bzw. eine bewusste Handlung des Agenten.
- Wer den internen Verlauf sehen will, nimmt die Ansicht aus Abschnitt 5. Die ist dafür
gebaut; ein Gruppenchat ist es nicht.
---
## 8 — Schnitt
| Phase | Inhalt | Abhängigkeit |
|---|---|---|
| **1** | `ParentRunId` + `RootRunId` in `AuditLog`/`RunReceipts`, Migration, Stempelung in der Engine | — |
| **2** | `AgentMessages` + FTS5 + `IAgentMessageLog`, Schreiben an den Aufrufstellen | 1 |
| **3** | `ask_agent` (Tiefe 1, Zyklusprüfung), Rückbau von `AgentComm`/`AgentSpawn` | 1 — die Tiefe kommt aus der Kette |
| **4** | Ansicht (WebView2-Reiter) | 2 |
| **5** | `AgentCommAnalysis`-Tool | 2 |
| **—** | Output-Scrubbing | **vor** 2 |
Phase 1 zuerst, weil Phase 3 die Kette braucht und Phase 2 die Felder mitschreibt. Das
Scrubbing muss vor Phase 2 stehen — sonst legen wir einen Speicher an, der erst
nachträglich bereinigt werden müsste.
Zur Einstufung: Phasen 1, 2, 4 und 5 sind gut spezifizierbar. Phase 3 fasst das
Agent-Gate an, an dem schon einmal ein Deadlock lauerte (B2/B8) — dafür gehören die Tests
aus der [Teststrategie](Teststrategie.md) mit dazu, insbesondere der dort vorgesehene,
bis heute fehlende Fall **A13** (`A→B→A` wird begrenzt statt zu verklemmen).
---
## 9 — Offene Punkte
1. **`ask_agent` behalten oder ersatzlos streichen?** Meine Empfehlung steht in 2.3
(behalten, eng gefasst) — die Gegenposition ist dort ebenfalls notiert.
2. **`@human`-Tasks mitschreiben?** Gibt die Paar-Ansicht auch für Mensch↔Agent, fast
ohne Zusatzaufwand. Vorschlag: ja, aber nach Phase 4.
3. **Aufbewahrungsdauer** — Vorgabewert? (Vorschlag: unbegrenzt, bis der Spiegel aus A6
steht; dann 180 Tage lokal.)
4. **Wer bekommt `AgentCommAnalysis`?** Ein eigener Analyse-Agent oder ein bestehender?
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@@ -0,0 +1,91 @@
# Audit-Log & Receipts — Nachvollziehbarkeit
Setzt A3 aus der [Roadmap](Roadmap.md) um (F-A2). Zwei zusammengehörige Dinge:
- **Audit-Log** — ein Eintrag je Tool-Aufruf: wer, wann, welches Tool, mit welchem
Ausgang.
- **Receipts** — ein Abschluss-Beleg je Lauf: Ergebnis, Schritte, Tokens, Kosten,
verknüpft mit dem Task.
A3 ist das Fundament für A2 (jede Staging-Entscheidung wird als Datensatz verankert)
und für C7 („Kosten pro Ergebnis", fällt aus den Receipts ab). Die Tool-Fehlerquote aus
der Leistungsanalyse liest sich direkt aus dem Log.
## Warum eigene Tabellen, nicht der State-Store
Dieselbe Überlegung wie bei Gedächtnis und Taskboard: `IStateStore` ist Schlüssel-Wert.
Ein Log, das man nach Lauf, Task oder Tool filtern und dessen Fehlerquote man auswerten
will, braucht typisierte Spalten. Zwei Tabellen auf dem vorhandenen
[`SqliteStorage`](../src/ClawdDotNet.Core/Storage/SqliteStorage.cs): `AuditLog` und
`RunReceipts`.
## Provenienz — von der Engine gestempelt, nie vom Agenten behauptet
Die entscheidende Regel (aus dem OpenAlice-Provenance-Konzept):
- **Herkunft stempelt die Engine.** `AgentId`, `Model` und `Source` kommen aus dem
Wissen der Engine über den Lauf, nicht aus dem Tool-Ergebnis. Ein Tool kann seine
Herkunft nicht fälschen, weil es sie gar nicht schreibt.
- **Einträge sind unveränderlich.** Das Repository hat kein Update und kein Delete —
eine Korrektur ist ein neuer Eintrag. Das ist die eigentliche Zusage, keine fehlende
Funktion.
- **Unbekanntes wird als unbekannt markiert, nicht geraten.** Fehlt die Quelle, steht
`unknown`, nicht ein plausibel geratener Kanal.
- **Worker-Typ und Session sind getrennt.** `Model` (das ausführende Modell) und
`Source` (die verantwortliche Session: `webview`, `telegram`, `task`, `agentcomm`,
`job`, `direct`) sind verschiedene Begriffe und stehen in eigenen Spalten.
## Audit-Log
Gestempelt an genau einer Stelle: `AgentEngine.ExecuteToolCallAsync` — dort, wo jeder
Tool-Aufruf durchläuft. Je Aufruf ein Eintrag mit Ausgang:
| Status | Wann |
|---|---|
| `Ok` | Tool lief und lieferte ein Ergebnis |
| `Error` | Tool meldete einen Fehler oder warf |
| `Denied` | das `PermissionGate` hat abgelehnt |
| `NotFound` | Tool dem Agenten nicht zugewiesen/unbekannt |
Ein Abbruch (Cancellation) wird **nicht** protokolliert — der Aufruf kam nicht zum
Abschluss. Die Argumente werden roh, aber gekappt abgelegt (4 000 Zeichen); die
Ausgangsnotiz kurz (500).
**Best effort:** Ein Fehler beim Schreiben des Audits darf den Lauf nie scheitern
lassen — dieselbe Linie wie bei der Verbrauchserfassung. Der Eintrag wird geschrieben,
nachdem die eigentliche Arbeit getan ist.
## Receipts
Je Lauf ein Beleg, geschrieben beim Abschluss von `RunAsync`/`ChatAsync` (neben der
vorhandenen `RunUsage`-Erfassung). Er trägt Status, Schritte, Prompt-/Completion-/
Cached-Tokens, geschätzte Kosten (aus dem `ModelPricingCatalog`, mit
`CostIsKnown`-Flag) und einen kurzen Ergebnis-Verweis.
**Verknüpfung `RunUsage` ↔ Task:** Der Receipt trägt die `TaskId`, wenn der Lauf aus dem
Taskboard kam — der `EngineTaskDispatcher` reicht sie (samt `source: task`) durch. Damit
ist „Kosten pro Ergebnis" (C7) ein Abfallprodukt: `ListReceiptsForTaskAsync` liefert
alle Belege zu einem Task.
## RunId — die Klammer
Jeder Lauf bekommt zu Beginn eine `RunId` (GUID). Alle Audit-Einträge **und** der
Receipt eines Laufs tragen sie. So lässt sich ein Lauf lückenlos rekonstruieren:
`ListForRunAsync(runId)` gibt die Aufrufe in Reihenfolge, `GetReceiptForRunAsync(runId)`
den Abschluss.
## Verdrahtung
`IAuditRepository` ist optional (wie Gedächtnis und Taskboard): ohne Repo läuft die
Engine unverändert. In `Program.cs` wird ein `SqliteAuditRepository` auf der Instanz-DB
erzeugt und der Engine übergeben.
## Offen
- **Output-Scrubbing** — die `Arguments` können Secrets enthalten. Das zentrale
Maskieren bekannter Secret-Werte (eigener beschlossener Roadmap-Punkt) greift, sobald
es steht; der Andockpunkt (`ExecuteToolCallAsync`) ist derselbe.
- **Review-Oberfläche** — die Anzeige/Durchsicht des Logs und der Receipts gehört zu A2
(Staging-Review im Hauptfenster); die Abfragemethoden dafür stehen bereit.
- **Export** — ein JSONL-Export des Logs wäre für externe Auswertung nützlich (später,
passt zum A6-Spiegel).
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@@ -0,0 +1,186 @@
# Avalonia-Portierung — Leitfaden
Für alle, die weitere Ansichten von WinForms nach Avalonia übertragen.
Stand: 2026-08-07.
---
## 1. Auftrag
Drei Bereiche des Hauptfensters sind noch Platzhalter. In dieser Reihenfolge portieren —
sie steigen im Umfang, und jede baut auf dem Muster der vorigen auf:
| # | Bereich | WinForms-Vorlage | Daten aus |
|---|---|---|---|
| 1 | **Info** | `frm_main.Designer.cs`, Suchwort `tabPage_Info` | `AppHost.AppVersion`, `AppHost.BuildSummary`, `host.Instance` |
| 2 | **Sicherung** | `UI/BackupPanel.cs` + `UI/BackupPanel.Designer.cs` | `host.InstancePath`, `host.Settings`, `Core.Backup.BackupService` |
| 3 | **Aufgaben** (Jobs/Services/Verlauf) | `frm_main.cs`, Abschnitt `WORKER TAB` ab Zeile 932 | `host.Instance.Agents`, `App.Services.JobHistoryService` |
**Nicht anfassen:** Chat und Einstellungen. Beide sind Entwurfsarbeit, nicht Übersetzung,
und werden gesondert gemacht.
Die WinForms-Dateien liegen noch im Repository, sind aber **nicht mehr Teil des Builds**
(siehe Kommentar in `ClawdDotNet.slnx`). Sie sind Vorlage zum Lesen — nicht zum Kompilieren,
nicht zum Reparieren.
---
## 2. Drei Regeln, die nicht verletzt werden dürfen
### 2.1 Der Schichtschnitt
```
src/ClawdDotNet.App ← Fachlogik. KEIN Verweis auf Avalonia. Niemals.
src/ClawdDotNet.Desktop ← Oberfläche. Darf App und Core verwenden.
```
`ClawdDotNet.App` muss ohne Fenster laufen — darauf setzt der geplante systemd-Dienst auf.
Sobald dort ein `using Avalonia…` steht, ist der Schnitt kaputt und fällt erst Wochen
später auf.
**Faustregel:** Alles, was Dateien liest, rechnet oder mit der Engine spricht, gehört nach
`App`. Alles, was etwas anzeigt, nach `Desktop`.
### 2.2 Fäden
Ereignisse aus `AgentEngine`, `TaskScanner`, `OpenRouterStatusService` und
`BackupScheduler` kommen auf **Hintergrundfäden**. Eine `ObservableCollection` von dort aus
zu ändern wirft entweder oder beschädigt still die Anzeige.
```csharp
// Aus einem Ereignis der Fachschicht heraus:
Dispatcher.UIThread.Post(() => Lines.Add(neu));
// Wenn ein Rückgabewert gebraucht wird:
await Dispatcher.UIThread.InvokeAsync(() => );
```
Ein `DispatcherTimer` läuft dagegen bereits auf dem Oberflächenfaden — dort ist kein
Wechsel nötig (siehe `LogPageViewModel`).
### 2.3 Avalonia **12**, nicht 11
Praktisch alle Anleitungen im Netz sind für Avalonia 11 und lassen sich hier nicht
übernehmen. Bekannte Unterschiede:
- `BindingPlugins` ist nicht mehr öffentlich. Das übliche
`DisableAvaloniaDataAnnotationValidation()` aus den 11er-Vorlagen **entfällt ersatzlos**
nicht nachbauen.
- `ShutdownMode` voll qualifizieren: `Avalonia.Controls.ShutdownMode`.
Diese Fehler brechen den Build. Das ist gut — sie fallen sofort auf.
---
## 3. Das Muster
Der Logs-Bereich ist als vollständiges Beispiel gebaut. Drei Dateien, drei Aufgaben:
**`src/ClawdDotNet.App/Services/LogTail.cs`** — die Fachlogik. Liest Dateien, kennt keine
Oberfläche, wäre ohne Fenster lauffähig.
**`src/ClawdDotNet.Desktop/ViewModels/LogPageViewModel.cs`** — das Ansichtsmodell. Erbt von
`PageViewModel`, hält Zustand und Befehle. Kennt keine Steuerelemente.
**`src/ClawdDotNet.Desktop/Views/LogPageView.axaml`** — die Ansicht. Nur Aufbau und
Bindungen.
### Ein neuer Bereich in vier Schritten
**1.** Ansichtsmodell anlegen, von `PageViewModel` erbend:
```csharp
public sealed partial class InfoPageViewModel : PageViewModel
{
public InfoPageViewModel(AppHost? host) : base("Info") { }
}
```
`AppHost?` ist **nullbar** — der Entwurfsmodus des Editors erzeugt das Ansichtsmodell ohne
laufenden Aufbau. Bei `null` einfach nichts starten und Beispielwerte zeigen.
**2.** Ansicht anlegen: `Views/InfoPageView.axaml` + `.axaml.cs`. Der Name muss der
Konvention folgen — `ViewLocator` sucht `…ViewModels.FooViewModel``…Views.FooView`.
Passt der Name nicht, steht der gesuchte Typ im Fenster statt der Ansicht.
**3.** In `MainWindowViewModel` den Platzhalter ersetzen:
```csharp
new PlaceholderPageViewModel("Info", "…") // vorher
new InfoPageViewModel(host) // nachher
```
**4.** `x:DataType` in der AXAML setzen. Ohne das greifen die kompilierten Bindungen nicht
und Tippfehler in Bindungspfaden fallen erst zur Laufzeit auf.
### Werkzeugkasten
- Zustand: `[ObservableProperty] private string _text = "";` → erzeugt `Text` samt
Benachrichtigung.
- Befehle: `[RelayCommand] private void Speichern() { … }` → bindbar als
`SpeichernCommand`.
- Formatierung gehört in `Styles/Shell.axaml`, nicht an einzelne Steuerelemente.
Vorhandene Klassen: `heading`, `caption`, `toolbar`, `card`, `statusbar`.
- Ordner öffnen: `Core.Storage.SystemShell.OpenFolder(pfad)`. **Kein** `explorer.exe`.
- Dateinamen erzeugen: `Core.Storage.PortableFileName.Sanitize(name)`.
---
## 4. Prüfliste für die leisen Fehler
Diese Klasse bricht weder den Build noch die Tests. Vor jeder Abgabe durchgehen:
- [ ] **Fenster-Schließen behandelt?** Wartet der Code auf eine Antwort aus einem Fenster
(`TaskCompletionSource`), muss `window.Closed` als Abbruch gelten. Sonst hängt der
Ablauf lautlos für immer.
- [ ] **Sammlungen nur vom Oberflächenfaden geändert?** Siehe 2.2.
- [ ] **Wächst etwas unbegrenzt?** Listen, die im Betrieb volllaufen, brauchen eine
Obergrenze (`LogPageViewModel.MaxLines = 2000` als Vorbild).
- [ ] **Timer beendet?** `DispatcherTimer` in einem Ansichtsmodell läuft weiter, auch wenn
der Bereich nicht sichtbar ist. Bei teuren Abfragen anhalten.
- [ ] **Farben aus dem Thema?** Keine festen Farbwerte — die Anwendung läuft hell und
dunkel. `{DynamicResource …}` verwenden.
- [ ] **Keine relativen Pfade.** `./Backups` und Ähnliches hängt vom Arbeitsverzeichnis ab
und zeigt unter Linux ins Leere. `AppPaths.DataDirectory` verwenden.
- [ ] **Kein `MessageBox`, kein `System.Windows.Forms`, kein `System.Drawing`.**
---
## 5. Abnahme
```bash
dotnet build ClawdDotNet.slnx
```
```bash
dotnet test tests/ClawdDotNet.Core.Tests/ClawdDotNet.Core.Tests.csproj
```
Beide müssen fehlerfrei sein — 567 Tests, keine neuen Fehlschläge.
**Und dann tatsächlich starten.** Die Oberfläche hat keine Testabdeckung; die Fehler aus
Abschnitt 4 fallen ausschließlich beim Laufen auf.
```bash
dotnet run --project src/ClawdDotNet.Desktop
```
Hinweis: Ein Starttest hinterlässt unter Windows einen Prozess, der die `.exe` sperrt und
den nächsten Build mit `MSB3021` scheitern lässt. Aufräumen mit:
```bash
powershell -Command "Get-Process ClawdDotNet -EA SilentlyContinue | Stop-Process -Force"
```
---
## 6. Wenn etwas unklar ist
Lieber nachfragen als raten. Zwei Dinge sind besonders leicht falsch zu machen:
- **Was gehört in welche Schicht?** Im Zweifel nach `App` — von dort kann die Oberfläche
es holen, umgekehrt nicht.
- **Wie kommen Daten aus der Engine in die Ansicht?** `AppHost` gibt `Engine`, `Scanner`,
`Staging`, `Status` und `Usage` heraus; alle sind **nullbar**, wenn kein
OpenRouter-Schlüssel hinterlegt ist. Diesen Fall mitdenken — die Anwendung läuft dann
bewusst ohne Agenten.
+8 -3
View File
@@ -523,6 +523,11 @@ Siehe K3.
## 6. Vorgeschlagene Reihenfolge
> **Abgelöst durch die [Roadmap](Roadmap.md)** (Juli 2026). Die offenen Punkte
> werden dort weitergeführt; dieser Abschnitt bleibt als Stand der Bestandsaufnahme
> eingefroren. F-A1/S4, F-A2, F-A5, T6, T7 sowie B6B8 sind in den Roadmap-Vorhaben
> A1A4 aufgegangen.
**Sofort — es blockiert oder gefährdet den Betrieb**
1. ~~B1 Compaction-Paarung (bricht produktiv ab)~~ ✅ behoben
2. ~~B3 `maxTokens`-Semantik (bricht produktiv ab)~~ ✅ behoben
@@ -535,9 +540,9 @@ Siehe K3.
6. ~~T1 Prompt-Caching~~ ✅ umgesetzt (inkl. T9 `cached_tokens`)
7. ~~T2 Tool-Ergebnisse kappen (= B5)~~ ✅ umgesetzt
8. ~~T3 Günstiges Compaction-Modell~~ ✅ umgesetzt
9. ~~B4 Kostenerfassung korrigieren~~teilweise: Prompt/Completion werden jetzt
getrennt erfasst statt 50/50 geschätzt. Offen bleibt die veraltete, hartcodierte
Preistabelle (`ModelPricing`) — Preise sollten vom `/models`-Endpoint kommen.
9. ~~B4 Kostenerfassung korrigieren~~vollständig: Prompt/Completion getrennt
erfasst, Preise kommen live vom `/models`-Endpunkt (`ModelPricingCatalog`),
Modelle ohne Preisdaten werden sichtbar gemeldet statt still mit 0 gerechnet.
10. ~~B12 Retry/Backoff~~ ✅ umgesetzt
11. T4 Proaktiv statt reaktiv kompaktieren
+308
View File
@@ -0,0 +1,308 @@
# Deploymentcenter-Anbindung — Durchsicht
> **Nachtrag 2026-08-08 — die Anbindung ist umgestellt, Server und SDK stehen auf 2.1.**
> Abschnitt 4 und 5 sind abgearbeitet; wie es jetzt aussieht, steht in
> [Deploymentcenter-Integration](Deploymentcenter-Integration.md).
>
> Mit **SDK 2.1 erledigt** (waren Befunde aus Abschnitt 3 bzw. aus der Durchsicht der
> 2.0-Anbindung):
>
> - `HttpClient` ohne Zeitgrenze → intern 15 s. Unsere Umgehung (eigener Client mit
> 8 s) ist zurückgebaut.
> - HTTP 429/5xx entzogen die Lizenz, ohne den Zwischenspeicher zu befragen → jeder
> Nicht-Erfolg führt jetzt in denselben Offline-Zweig, `IsTransient` macht den
> Unterschied sichtbar. Unsere Behelfsprüfung auf `unknown_error` ist entfernt.
> - `cache_ttl_hours` wurde ignoriert, die Gnadenfrist war faktisch unbegrenzt.
> - `app_version` fest `"1.0.0"` → kommt jetzt aus `ReleaseInfo.Version`.
> - `BuildInfo.targets` war nicht einbindbar (CS0433/CS0103) → erzeugt die Klasse im
> eigenen Namensraum, ist eingebunden.
> - `UpdateClient`: API-Zweig las snake_case in ein camelCase-Modell → eigenes Modell
> `ApiReleaseInfo`, `is_critical` von der obersten Ebene.
> - `DeactivateAsync` schickte den Shared Key zusätzlich als `X-Watchdog-Key`.
> - Kein `CancellationToken` in der Lizenz-API.
>
> **Weiterhin offen** — betrifft das Deploymentcenter, nicht ClawdDotNet:
>
> - **2.1 (keine Signaturprüfung)** — unverändert. `LicenseInfo.PublicKeyBase64` ist
> gestrichen, damit nichts Totes stehenbleibt und niemand Schutz vermutet, wo keiner
> ist. Kommt die Signatur, kommt das Feld mit ihr zurück.
> - **2.2 (v1-Ersatzhash)** und **2.3 (Klartext-Rückfall)** — unverändert, beides im
> SDK zu beheben.
> - **3 (HW-ID bei jedem Aufruf neu)** — clientseitig umgangen: einmal berechnet und
> behalten.
> - **`parent_source` ist nur eine `source`, kein Paar** — damit schließen sich „ein
> Monitor je Instanz" und instanzweise Alarmunterdrückung gegenseitig aus.
Stand: 2026-08-06. Geprüft: `J:\Softwareprojekte\Deploymentcenter` (Client, Server,
Schema, beide Integrationsleitfäden) gegen den
[HW-ID-v2-Vorschlag](Lizenz-HardwareId-v2-Implementierungsvorschlag.md) und die
[Linux-Analyse](Linux-Portierung-Analyse.md).
**Ergebnis vorweg: Die Lizenz blockiert den Linux-Umzug nicht mehr.** Alles, was
an Hardware-ID v2 plattformrelevant war, ist da und richtig. Was hier steht, sind
Punkte aus derselben Durchsicht — drei davon würden beim Ausrollen wehtun.
---
## 1. Was erledigt ist
| Punkt aus dem Vorschlag | Umsetzung |
|---|---|
| Format `2:<plattform>:<hex>` | [HardwareId.cs:125](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/HardwareId.cs) |
| **Kein `MachineName` im Hash** | `ComputeV2Hash`, `:138` — der wichtigste Punkt, sauber umgesetzt |
| Quellenkette Windows/Linux | `:42107`, inklusive `dmi-uuid` |
| `IsPlausibleMachineId` (Länge, `uninitialized`, nur Nullen) | `:161` |
| MAC-Filter über locally-administered-Bit | `:224` |
| `/sys/class/net/<name>/device`-Prüfung | `:228` |
| Erweiterte Stoppwortliste | `:23` — inkl. `br-`, `virbr`, `cni`, `cali` |
| `machine.key` mit `0600` | `:290`, `SetUnixPermissions` mit `#if NET8_0_OR_GREATER` |
| Vorgabe per Umgebungsvariable | `LicenseConfig.HardwareIdOverride`, beide Namen |
| XDG-Auflösungskette, nie leerer Pfad | [LicenseConfig.cs:28](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/LicenseConfig.cs), mit `ValidateNonEmpty` |
| Mehrfachziel `netstandard2.0;net8.0` | csproj, BouncyCastle nur im netstandard-Zweig |
| `LLS2`-Hülle, AES-GCM, HKDF | [StateStore.cs:169](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/StateStore.cs) — Schlüssel aus HW-ID abgeleitet, bindet den Cache also echt an die Maschine |
| `ILicensePrompt` + Konsolenfassung | vorhanden — genau das, was der kopflose Host braucht |
| Servermigration v1→v2 | [LicenseService.php:108](../../Deploymentcenter/src/Modules/License/LicenseService.php), mit Prüfprotokolleintrag `hwid_migrated` |
| Schema `hwid_version`/`hwid_source`/`platform` | `sql/migrations/v2_hardware_id.sql`, rückwärtskompatibel |
| Verwaltungsansicht zeigt Quelle/Plattform | `public/index.php:1227` |
`OperatingSystemHelpers` nutzt jetzt `RuntimeInformation`. Der Client hat auf dem
Linux-Pfad keine Windows-Laufzeitabhängigkeit — `ProtectedData` wird nur unter
`IsWindows()` aufgerufen.
**Für die Portierung heißt das:** Punkt 4 aus der Entscheidungsliste der
Linux-Analyse („Erlaubt LicenseLabrador den Wechsel der Hardware-ID?") ist
beantwortet. Der Aufwandsblock „Lizenz" schrumpft von 35 PT auf **23 PT**
das ist jetzt reine Anschlussarbeit in ClawdDotNet, keine Konzeptarbeit mehr.
---
## 2. Drei Befunde, die vor dem Ausrollen geklärt sein sollten
### 2.1 Es wird nichts signiert — die Lizenzprüfung ist eine Vertrauensfrage an DNS
[LicenseClient.cs:62](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/LicenseClient.cs):
```csharp
string status = root.TryGetProperty("status", out var sProp) ? sProp.GetString() ?? "unknown" : "unknown";
if (status.Equals("valid", StringComparison.OrdinalIgnoreCase))
{
// → gültig
}
```
Das ist die vollständige Prüfung. Es gibt im neuen Client **kein `Signature.cs`,
keinen hinterlegten öffentlichen Schlüssel, keine Hüllenprüfung** — die Dateien
`Signature.cs`, `LicenseResult.cs` und `LicenseState.cs` aus dem alten
LicenseLabrador-SDK sind beim Umzug nicht mitgekommen.
Folge: Wer die HTTP-Anfrage umlenken kann, hat eine gültige Lizenz. Ein Eintrag
in `/etc/hosts`, ein Proxy, ein eigener DNS — die Antwort `{"status":"valid"}`
genügt. Auf einem Linux-Server, den der Betreiber ohnehin vollständig
kontrolliert, ist das kein Kunststück.
Serverseitig sieht es passend dazu aus. `public/index.php:45`:
```php
'signature' => 'ED25519_SIG_' . base64_encode(hash('sha256', $lic['license_key'] . 'DC_OFFLINE_SECRET', true))
```
Das ist ein SHA-256 über den Lizenzschlüssel plus eine fest verdrahtete
Zeichenkette — keine Signatur, sondern ein Wert, der jeder erzeugen kann, der den
Quelltext kennt. Und `public/index.php:1993` im JavaScript:
```javascript
"ED25519_SIG_" + btoa(key + hwId).substring(0, 32)
```
Base64 der Eingabe, abgeschnitten. Auch kein Hash.
Das ist erkennbar ein Platzhalter — nur trägt er einen Namen, der nach fertigem
Verfahren klingt, und darauf verlässt sich [LicenseGate](Services/LicenseGate.cs)
mit seiner harten Startsperre. **Es ist keine Portierungsfrage** (unter Windows
gilt heute dasselbe) und auch kein Grund, den Linux-Umzug aufzuhalten — aber es
sollte eine bewusste Entscheidung sein und nicht in dem Glauben untergehen, die
Signaturprüfung sei bereits da.
Wenn das Verfahren zurückkommen soll: Ed25519 über die kanonisch serialisierte
Antwort, öffentlicher Schlüssel im Client einkompiliert, `nonce` aus der Anfrage
in der signierten Nutzlast gegenprüfen (gegen Wiedereinspielung). Der alte
`Signer.php` und `Signature.cs` sind im LicenseLabrador-Repo noch vorhanden und
lassen sich als Vorlage nehmen.
### 2.2 Der v1-Ersatzhash trifft die alten Aktivierungen nicht
Der Migrationsweg ist auf beiden Seiten korrekt gebaut — er wird nur nie
auslösen, weil der Client eine andere v1-ID berechnet als die, die in der
Datenbank steht.
Alt ([LicenseLabrador/HardwareId.cs:20](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/HardwareId.cs)):
```csharp
rawBuilder.Append(machineId); // MachineGuid, sonst MAC
rawBuilder.Append(Environment.MachineName); // direkt angehängt, kein Trenner
sha256(machineGuid + machineName)
```
Neu ([HardwareId.cs:149](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/HardwareId.cs)):
```csharp
string raw = $"{Environment.MachineName}:{firstMac}";
sha256(machineName + ":" + mac)
```
Andere Reihenfolge, anderer Trenner, und **MAC statt MachineGuid**. Auf jedem
Windows-Rechner, auf dem `MachineGuid` lesbar war — also praktisch allen —
stimmen die Hashes nicht überein. Der Server sucht die Altaktivierung, findet
nichts und legt eine neue an: **genau der Platzverbrauch, den die Migration
verhindern sollte.** Bei `max_activations = 2` ist danach ein Platz für den
Linux-Server weniger da.
Auch `GetFirstPhysicalMacLegacy` (`:254`) weicht ab: keine Stoppwortfilterung,
keine Sortierung, erste Schnittstelle in Aufzählungsreihenfolge. Die alte
Fassung nahm die alphabetisch erste *gefilterte* MAC.
Zu tun: `GetLegacyHardwareId()` muss den v1-Algorithmus zeichengenau
nachbilden — inklusive der alten Stichwortliste (`virtual`, `veth`, `docker`,
`hyper-v`, `wsl`, `mullvad`, `wireguard`, `tap`, `tun`, `vpn`, `bluetooth`,
`vmware`, `box`, `pseudo`, `loopback`, `npcap`, `pcap`), `OrderBy(…, Ordinal)`
und `FirstOrDefault()`. Der Code steht im LicenseLabrador-Repo noch da und kann
weitgehend übernommen werden.
Am besten mit einem Test absichern, der einen bekannten Eingabewert gegen den
erwarteten v1-Hash prüft — sonst fällt eine Abweichung erst auf, wenn die
Aktivierungsplätze schon verbraucht sind.
### 2.3 Der Klartext-Rückfall ist noch da, nur woanders
[StateStore.cs:79](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/StateStore.cs) —
„Legacy Migration Check":
```csharp
string legacyJson = Encoding.UTF8.GetString(payloadBytes);
var legacyData = JsonSerializer.Deserialize<LocalCacheData>(legacyJson);
if (legacyData != null)
{
legacyData.SchemaVersion = 2;
Save(productSlug, hardwareId, legacyData);
return legacyData;
}
```
Der LLS2-Zweig darüber ist genau richtig — Entschlüsselung fehlgeschlagen heißt
Cache-Fehltreffer, kein Klartext. Der Zweig darunter hebt das wieder auf: Jede
Datei ohne `LLS2`-Kennung wird als JSON gelesen und, wenn sie sich deserialisieren
lässt, **übernommen und anschließend verschlüsselt neu geschrieben**.
Durchgespielt: Eine von Hand angelegte `state.dat` mit
```json
{"SchemaVersion":2,"Status":"valid","ExpiresAt":99999999999,"MaxSeenTime":0}
```
wird angenommen. In `ValidateAsync` greift bei fehlender Verbindung der
Cache-Zweig (`:110`): `Status == "valid"` ✓, `now < MaxSeenTime` ✗, `now >
ExpiresAt` ✗ → **`IsValid = true`**. Die Bindung an die Hardware, die
`DeriveKey(hardwareId, …)` sonst herstellt, ist auf diesem Weg umgangen; die
Datei ist zwischen Maschinen übertragbar.
Der Zweig hilft dabei nicht einmal beim eigentlichen Zweck. Die alte
`LocalCacheData` hieß `last_envelope`, `max_seen_time`, `endpoints`,
`last_license_key`; die neue `SchemaVersion`, `Status`, `ExpiresAt`, … Kein
gemeinsames Feld, und `JsonSerializer` ist ohne
`PropertyNameCaseInsensitive`/`JsonPropertyName` bei den Namen streng. Eine echte
v1-Datei ergibt also ein Objekt mit lauter Vorgabewerten (`Status = "invalid"`)
und ist als Cache wertlos.
**Empfehlung: den Zweig ersatzlos streichen.** Er kostet Sicherheit und leistet
nichts. Alte Cachedateien sollen verworfen werden — eine einmalige
Online-Prüfung ist der ganze Preis.
Nebenbei: `Checksum = hwInfo.HardwareId` ([LicenseClient.cs:79](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/LicenseClient.cs))
ist keine Prüfsumme, sondern eine Kopie der HW-ID. Das Feld ist damit ohne
Funktion — entweder mit einem HMAC über die übrigen Felder füllen oder entfernen,
damit niemand später Schutz vermutet, wo keiner ist.
---
## 3. Kleinere Punkte
| Fundstelle | Sache |
|---|---|
| [LicenseClient.cs:26](../../Deploymentcenter/client-dotnet/Deploymentcenter.Client/LicenseClient.cs) | Eigener `HttpClient` je Instanz, nie freigegeben, **ohne Zeitgrenze** (Vorgabe 100 s). Der alte `LicenseConfig.HttpTimeout` war 6 s. In `LicenseGate.RunStartupCheck` bedeutet das bis zu 100 s Standbild beim Start, wenn der Server nicht antwortet. |
| `:107` | `catch (Exception ex)` um den gesamten Block: Auch ein Fehler beim Auswerten einer *erfolgreichen* Antwort landet im Offline-Zweig. Ein defekter Server gilt dann als „offline". |
| `:47` | `app_version = "1.0.0"` fest verdrahtet. ClawdDotNet hat `BuildInfo.Build` — sollte Parameter sein, sonst steht in der Verwaltungsansicht bei jeder Instanz dasselbe. |
| `:32`, `:172` | `HardwareId.GetHardwareId()` bei jedem Aufruf neu: liest unter Linux Dateien und zählt Netzwerkschnittstellen auf. Einmal berechnen und halten. |
| `HardwareId.cs:205` | MAC-Auswahl überspringt Schnittstellen, die nicht `Up` oder `Unknown` sind. Ein Kabel, das beim Start nicht steckt, ändert damit die Hardware-ID. Für die Ausweichlösung sollte der Betriebszustand keine Rolle spielen — sonst ist sie genau in dem Moment instabil, in dem sie gebraucht wird. |
| `HardwareId.cs:231` | `/sys/class/net/<name>/device` ist ein Symlink. `Directory.Exists`/`File.Exists` folgen ihm — funktioniert, ist aber Zufall und sollte kommentiert sein. |
---
## 4. Watchdog: die Anbindung passt noch nicht
Kein Linux-Thema, fällt aber in dieselbe Umbauarbeit.
[WatchdogClient.cs](src/ClawdDotNet.Core/Watchdog/WatchdogClient.cs) sendet an:
| ClawdDotNet | Deploymentcenter |
|---|---|
| `POST /api/heartbeat` | `POST /api/watchdog/v1/ping` (nimmt auch `/heartbeat`) |
| `POST /api/event` | `POST /api/watchdog/v1/event` |
| `POST /api/register` | **existiert nicht** |
Die Pfade sind also alle um `/watchdog/v1` zu ergänzen. Der Kopfzeilenname passt:
`public/api/watchdog/v1/index.php:30` akzeptiert `X-Watchdog-Key`,
`Authorization` und `X-Agent-Token`.
Der Selbstregistrierungsweg aus [Program.cs:334](Program.cs:334) — mit dem
Master-Token einen eigenen Agent-Token holen und in der Instanzkonfiguration
zwischenspeichern — hat serverseitig kein Gegenstück mehr. Zu klären: Tokens
künftig von Hand in der Verwaltung anlegen und in die Instanzkonfiguration
eintragen, oder `/register` im Deploymentcenter nachziehen. Für den ersten Weg
spricht, dass er den Master-Token gar nicht erst auf die Instanzen verteilt.
Die Feldnamen des Ping-Rumpfs (`source`, `instance`, `type`, `status`, `message`,
`interval`, `group`, `os`) sind gegen
[InstanceHealthProvider](src/ClawdDotNet.Core/Watchdog/InstanceHealthProvider.cs)
abzugleichen.
---
## 5. Was in ClawdDotNet zu tun ist
| Datei | Was |
|---|---|
| [ClawdDotNet.csproj](ClawdDotNet.csproj) | Projektverweis von `..\LicenseLabrador\client-dotnet\…` auf `..\Deploymentcenter\client-dotnet\Deploymentcenter.Client\…` umhängen. Langfristig als Submodul unter `external/` — der Kommentar dazu steht schon im csproj. |
| [Services/LicenseGate.cs](Services/LicenseGate.cs) | Neu gegen `LicenseValidationResult` schreiben. `LicenseState` gibt es nicht mehr, `Status` ist jetzt eine Zeichenkette — `DescribeProblem` (`:125`) muss auf `revoked`/`expired`/`activation_limit`/`not_found` umgestellt werden. `MessageBox` durch `ILicensePrompt` ersetzen; die Konsolenfassung bringt der Client mit. |
| [Services/LicenseInfo.cs](Services/LicenseInfo.cs) | `PublicKeyBase64` hat ohne Signaturprüfung keine Funktion mehr — entweder mit 2.1 zurückholen oder streichen, damit nichts Totes stehenbleibt. |
| [Program.cs:112](Program.cs:112) | Lizenzprüfung so verlagern, dass sie ohne Fenster auskommt (kopfloser Host). |
| Host (neu) | `--license-status`, `--license-set-key`, `--license-deactivate` — der Client bringt alles Nötige mit. |
| [WatchdogClient.cs](src/ClawdDotNet.Core/Watchdog/WatchdogClient.cs) | Pfade auf `/api/watchdog/v1/…`; Registrierungsweg klären (Abschnitt 4). |
| `docs/Integrationsplan-WatchDog-LicenseLabrador.md` | Abgelöst durch [Deploymentcenter-Integration](Deploymentcenter-Integration.md). |
---
## 6. Antwort auf die Ausgangsfrage
**Ja — Avalonia und Linux sind damit machbar.** Die einzige Frage, die ich als
möglicher Blocker außerhalb unserer Hand markiert hatte, ist geklärt: Der Client
läuft auf beiden Plattformen, zielt auf `net8.0` (von net10.0 problemlos
verwendbar), löst seinen Ablageort auch ohne `HOME` auf, und die HW-ID ist
container- und umbenennungsfest.
Der Lizenzblock in der Aufwandsschätzung fällt von 35 PT auf **23 PT**. Die
Gesamtspanne bleibt bei **5080 PT**, weil die Lizenz nie der große Posten war —
das sind PropertyGrid und Chat-Ansicht.
Zwei Dinge sollten aber vor dem Ausrollen erledigt sein, unabhängig von Linux:
- **2.2 (v1-Ersatzhash)** — klein, aber wenn es beim Ausrollen falsch ist, sind
Aktivierungsplätze verbraucht und man bekommt sie nur einzeln über die
Verwaltung zurück. Das ist der Punkt mit dem schlechtesten Verhältnis von
Aufwand zu Schaden.
- **2.3 (Klartext-Rückfall)** — eine Zeile weniger Code, dafür wieder das
Verhalten, das der `LLS2`-Umbau eigentlich herstellen sollte.
**2.1 (keine Signaturprüfung)** ist eine eigene Entscheidung mit eigenem Umfang
und hält den Umzug nicht auf. Sie sollte nur getroffen und nicht übersehen
werden — der Name `ED25519_SIG_` im Serverquelltext legt sonst nahe, dass die
Sache erledigt sei.
+338
View File
@@ -0,0 +1,338 @@
# Deploymentcenter-Integration
Stand: 2026-08-08, Deploymentcenter **2.1**. Ersetzt den früheren
`Integrationsplan-WatchDog-LicenseLabrador.md`.
ClawdDotNet spricht das [Deploymentcenter](../../Deploymentcenter/docs/README.md) als
**eine** Gegenstelle an. Vorher waren es zwei Fremdprojekte mit je eigenem Server,
eigenem Schlüssel und eigener Anleitung:
| Vorher | Jetzt |
|---|---|
| WatchDog (`watchdog.mhdf.de`, `X-Watchdog-Key`) | Deploymentcenter-Modul Watchdog, `Authorization: Bearer` |
| LicenseLabrador (`license.mhdf.de`, Ed25519-Public-Key) | Deploymentcenter-Modul Lizenz |
| — | Update-Prüfung |
| — | Fehler-Stream (ungefangene Ausnahmen) |
| — | Bugtracker |
Eine Adresse, ein Token. Beides steht in den Anwendungseinstellungen.
---
## 1. Was der Betreiber einzutragen hat
| Ort | Wert |
|---|---|
| Einstellungen → Deploymentcenter → **Server-URL** | `https://dc.mhdf.de` (Vorgabe) |
| Einstellungen → Deploymentcenter → **Token** | Master-Token mit `watchdog:ping` + `bugtracker:report` |
| Einstellungen → Lizenz → **Lizenzschlüssel** | Der Schlüssel für das Projekt `clawddotnet` |
| Worker-Tab → Dienst **Instanz-Watchdog** | einschalten, greift beim nächsten Start der Instanz |
Das Token entsteht im WebUI unter **Token-Verwaltung → Master-Token erstellen**. Es
wird verschlüsselt (DPAPI) in `Settings.json` abgelegt.
> **Bis die Avalonia-Einstellungsansicht steht**, gibt es für diese Felder noch keine
> Oberfläche — die Seite „Einstellungen" ist ein Platzhalter. Die Werte kommen
> vorläufig von Hand in `Settings.json` (Ort steht beim Start im Protokoll:
> `%APPDATA%\ClawdDotNet\Settings.json`, unter Linux `$XDG_CONFIG_HOME`) bzw. in die
> `instance.json` der Instanz. Das Token wird beim ersten Speichern durch die Anwendung
> verschlüsselt; im Klartext eingetragen funktioniert es ebenfalls, weil der
> `SecretProtector` beide Richtungen verträgt.
**Serverseitig ist eine Sache Pflicht**, sonst ist die Überwachung wertlos: der
Evaluator-Cron. Ohne ihn ändert sich ein Monitor-Zustand nur beim Eintreffen eines
Heartbeats — eine abgestürzte Instanz bliebe dauerhaft grün.
```bash
* * * * * curl -fsS -H "Authorization: Bearer <SHARED_KEY>" https://dc.mhdf.de/api/watchdog/v1/evaluate > /dev/null
```
---
## 2. Watchdog — ein Monitor je Instanz
Das war die Vorgabe und ist jetzt sauber abgedeckt: Der Server führt Monitore über das
Paar `source` + `instance` (`UNIQUE KEY uq_monitor (source, instance)` in
`sql/schema.sql`). Alle Instanzen melden unter `source = "clawddotnet"` und tragen ihre
eigene `instance`. Fällt eine von dreien aus, fällt genau deren Monitor — und nur der
schlägt Alarm.
`instance` ist standardmäßig die `InstanceId` (stabil, aber im Dashboard nichtssagend).
In den Instanz-Einstellungen lässt sich stattdessen ein Name eintragen
([`WatchdogConfig.Instance`](../src/ClawdDotNet.Core/Config/WatchdogConfig.cs)); ein
späterer Wechsel legt allerdings einen neuen Monitor an.
**Eine Registrierung vorab gibt es nicht mehr.** Der Monitor entsteht beim ersten
Heartbeat von selbst (`INSERT … ON DUPLICATE KEY UPDATE`). Der frühere Weg über
`POST /api/register` hatte im Deploymentcenter nie ein Gegenstück — die alte Anbindung
lief in dieser Form also gegen einen Endpunkt, den es nicht gibt.
### Was der Heartbeat trägt
```
POST /api/watchdog/v1/ping
Authorization: Bearer <Instanz-Token>
```
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| `source` / `instance` | `clawddotnet` / InstanceId bzw. eingestellter Name |
| `status` | `ok`, `warning`, `error` — beim Beenden `stopped` |
| `interval` | 60 s (Vorgabe). Daraus leitet der Evaluator ab: 2×`warning`, 4×`down` |
| `message` | Instanzname + Kurzbegründung |
| `os` | Betriebssystem + .NET-Version |
| `version` | Produktversion (2.1). Landet in `watchdog_monitors.app_version` — bei mehreren Instanzen der Unterschied zwischen „läuft" und „läuft noch auf der alten Fassung" |
| `checks` | `agents`, `scheduler`, `budget` — siehe unten |
| `metrics` | `agentCount`, `runningChats`, `todayCostUsd`, `todayTokens` |
### `checks` — der eigentliche Gewinn
Ein Heartbeat beweist nur, dass ein Faden läuft. Deshalb geht der selbst ermittelte
Zustand je Teilbereich mit; schlägt eine Prüfung fehl, stuft der Server einen als `ok`
gemeldeten Beat auf `warning` herab und nennt in der Antwort die betroffene.
| Prüfung | Fehlschlag bedeutet |
|---|---|
| `agents` | Kein OpenRouter-Key — die Instanz läuft, arbeitet aber nichts ab |
| `scheduler` | Die Taktschleife des Aufgaben-Scanners ist ausgestiegen |
| `budget` | Tagesgrenze für Kosten oder Token erreicht |
„Scanner noch nicht gestartet" gilt **nicht** als Fehlschlag: Er läuft erst nach der
Startabgleichung an, der erste Heartbeat geht sofort raus. Sonst gäbe es bei jedem
Start ein `warning_raised` und kurz darauf ein `recovered` — zwei Einträge im
Ereignisprotokoll für einen Normalvorgang.
### Metriken sind nur Zahlen
Der Server legt numerische Werte mit Zeitstempel ab (14 Tage) und vergleicht den
aktuellen Wert mit dem Sieben-Tage-Schnitt desselben Monitors. Nicht-numerische Werte
verwirft er dabei stillschweigend — `instanceId`, `instanceName` und `buildVersion`
standen früher in den Metriken und waren dort wirkungslos. Beschreibendes steht jetzt
in `message` und `os`.
### Angekündigtes Ende
Beim Herunterfahren geht ein Heartbeat mit `status: "stopped"` raus, danach das Ereignis
`stopped_graceful`. Der Evaluator lässt einen so gemeldeten Monitor in Ruhe. Ohne das
erzeugte jedes geplante Beenden wenige Minuten später einen Fehlalarm.
Nebenbei korrigiert: Die alte Anbindung schickte die Ereignisarten `start` und `stop`
beide stehen nicht auf der Liste des Servers und landeten stillschweigend als `started`.
Jetzt sind es `started` und `stopped_graceful`.
### Token je Instanz
Beim ersten Start tauscht die Instanz das anwendungsweite Token über
`POST /api/tokens/v1/provision` gegen ein eigenes, auf `watchdog:ping` und
`bugtracker:report` beschränktes Sub-Token und legt es verschlüsselt in der
Instanzkonfiguration ab. Danach liegt auf der Instanz nicht mehr das Master-Token, und
ein einzelner Zugang lässt sich widerrufen, ohne die anderen mitzunehmen.
Das ist derselbe Zweck, den die frühere Selbstregistrierung hatte. Scheitert es (etwa
weil das hinterlegte Token selbst ein Sub-Token ist und keine weiteren ausstellen darf),
wird mit dem hinterlegten Token gemeldet — Monitoring, das nur bei perfekter Rechtelage
läuft, ist genau dann still, wenn man es braucht.
---
## 3. Lizenz
Startprüfung in [`LicenseGate`](../src/ClawdDotNet.App/Services/LicenseGate.cs). Die
Offline-Gnadenfrist steckt im SDK: Es legt nach jeder erfolgreichen Prüfung einen mit
AES-GCM verschlüsselten, an die Hardware gebundenen Zwischenspeicher an (`LLS2`,
seit 2.1 Schema 3) und trägt damit über Ausfälle hinweg.
### Urteil und Fehlversuch sind zwei verschiedene Dinge
Das ist der Kern der 2.1-Anpassung. `LicenseValidationResult.IsTransient` unterscheidet:
| | Statuswerte | Folge |
|---|---|---|
| **Urteil des Servers** | `revoked`, `expired`, `not_found`, `activation_limit`, `suspended`, `clock_rollback` | Anwendung startet nicht bzw. beendet sich |
| **Kein Urteil erhalten** | `server_unavailable`, `cache_expired` | Warnung, Betrieb läuft weiter |
Nur das Urteil sperrt. Ein Serverausfall darf nicht jede Installation gleichzeitig
aussperren — und eine Drosselung (`429`) oder ein `500` sind Aussagen über den Server,
nicht über die Lizenz. Das gilt an beiden Stellen gleich: Startprüfung und laufende
Nachprüfung fragen dasselbe Merkmal ab.
> **Bewusst in Kauf genommen:** Ein Rechner, der die Gegenstelle nie erreicht, läuft
> damit auf Dauer mit Warnung weiter — auch nach Ablauf der Gnadenfrist
> (`cache_expired` ist laut SDK-Vertrag vorübergehend). Wer das anders will, prüft in
> [`LicenseGate`](../src/ClawdDotNet.App/Services/LicenseGate.cs) zusätzlich auf
> `cache_expired` und behandelt es als Urteil. Es sollte eine Entscheidung sein, nicht
> ein Nebeneffekt.
### Offline-Gnadenfrist ist echt begrenzt
Seit 2.1 wertet der Client `cache_ttl_hours` des Projekts aus (Vorgabe 168 h). Vorher
galt faktisch das Ablaufdatum der Lizenz — bei einer Lizenz bis 2040 also unbegrenzt.
Der verbleibende Rest steht in `CacheExpiresAt` und wird beim Start angezeigt, wenn die
Prüfung aus dem Zwischenspeicher kam.
`state.dat` steigt auf Schema 3; Schema 2 wird weiter gelesen. Ein Rückschritt auf ein
älteres SDK verwirft den Zwischenspeicher — dann ist einmal eine Online-Prüfung nötig.
### Kein Public-Key mehr
Die frühere Fassung führte einen Ed25519-Public-Key als „Vertrauensanker". Im
Deploymentcenter gibt es dazu keine Gegenseite — der Client liest ausschließlich das Feld
`status`. Ein Schlüssel, der nichts prüft, ist schlimmer als keiner: Er lässt Schutz
vermuten, wo keiner ist. Details in
[Deploymentcenter-Anbindung-Review](Deploymentcenter-Anbindung-Review.md), Abschnitt 2.1.
### Der Projekt-Slug ist `clawddotnet`
[`LicenseInfo.ProductSlug`](../src/ClawdDotNet.App/Services/LicenseInfo.cs) gilt für
**alle** Module — Lizenz, Bugtracker, Fehler-Stream und Update-Prüfung greifen auf
dieselbe Tabelle `dc_projects` zu.
Bis zur Umstellung stand hier `clawd`, der Name aus dem LicenseLabrador-Backend. Das
ist eine Falle mit langer Zündschnur: Der Server beantwortet ein unbekanntes Projekt mit
demselben `not_found` wie einen unbekannten Schlüssel — der Unterschied steht
ausschließlich in `message` (`"Project not found"` gegen `"Invalid license key"`). Wer
den Text nicht durchreicht, sucht den Fehler beim Lizenzschlüssel, während das Projekt
gar nicht existiert. Der Torwächter gibt die Serverantwort deshalb mit aus und schreibt
sie ins Protokoll.
### Deaktivieren läuft über das WebUI
`POST /api/license/v1/deactivate` verlangt den `shared_key` des Servers. Der gehört nicht
in eine ausgelieferte Anwendung, deshalb ist der Weg die Hardware-Liste im WebUI
(Schaltfläche „Freigeben").
### Laufende Nachprüfung
[`LicenseWatch`](../src/ClawdDotNet.App/Services/LicenseWatch.cs) prüft alle zwölf
Stunden nach — dieselbe Unterscheidung wie oben. Ohne das wirkt ein Widerruf erst beim
nächsten Start, bei einem wochenlang laufenden Dienst also praktisch nie.
---
## 4. Version und Updates
### Eine Stelle für die Version
`<Version>` in [Directory.Build.props](../Directory.Build.props) ist die Wahrheit.
`Deploymentcenter.BuildInfo.targets` (seit 2.1 einbindbar) erzeugt daraus zur
Übersetzungszeit `ClawdDotNet.App.ReleaseInfo` mit `Version`, `GitCommit`,
`GitCommitShort`, `BuildDateUtc`, `Channel` und `Summary`.
Der Wert geht an vier Stellen nach draußen, die vorher alle geraten haben:
| Stelle | Vorher |
|---|---|
| Aktivierungsliste (`app_version`) | fest `"1.0.0"` im SDK — jede Installation gleich |
| Heartbeat (`version`) | gab es nicht |
| Fehlermeldungen (`build`) | — |
| Versionsvergleich der Update-Prüfung | `0.0.<BuildInfo.Build>`, behelfsweise |
Die Klasse heißt bewusst `ReleaseInfo`, nicht `BuildInfo`: Diesen Namen trägt in
`ClawdDotNet.Core` schon ein von Hand geführter Zähler mit Änderungstext. Zwei
gleichnamige Klassen mit verschiedener Bedeutung wären eine Falle. Umgestellt über
`DeploymentcenterBuildInfoClass` in der csproj.
### Prüfung
Einmalig beim Start gegen `GET /api/updateservice/v1/check`, über
`Deploymentcenter.Client.UpdateClient`. Läuft nebenher und blockiert nichts; liegt eine
neuere Version vor, erscheint ein Hinweis mit Changelog. Ob und wann aktualisiert wird,
entscheidet der Benutzer — eine Anwendung, die sich beim Start selbst beendet, um sich zu
erneuern, ist genau dann im Weg, wenn man sie braucht.
Seit 2.1 liefern beide Wege vollständige Daten: die statische `latest.json` in camelCase,
die API in snake_case, jeweils über ein eigenes Modell (`VersionInfo` bzw.
`ApiReleaseInfo`). Vorher kam über den API-Zweig außer der Versionsnummer nichts an — und
der ist genau der Rückfall, wenn die `latest.json` fehlt. Die Download-Adresse wird
mitgeführt (`UpdateAvailability.DownloadUrl`), damit der `update-agent` später ohne
weitere Änderung anschließen kann.
Der `update-agent` ist noch **nicht** eingebunden, und solange kein Release über
`pack-and-deploy` veröffentlicht wird, hat die Prüfung nichts zu finden.
---
## 5. Fehler-Stream
Ungefangene Ausnahmen gehen an `POST /api/errors/v1/report`. Verdrahtet in
[`App.axaml.cs`](../src/ClawdDotNet.Desktop/App.axaml.cs) an drei Stellen:
`AppDomain.UnhandledException`, `TaskScheduler.UnobservedTaskException` und
`Dispatcher.UIThread.UnhandledException`.
Erst nach dem Aufbau verdrahtet, nicht in `Main`: Vorher gibt es weder Einstellungen
noch Token. Die Kehrseite ist bewusst in Kauf genommen — ein Absturz *während* des
Starts erreicht das Deploymentcenter nicht, steht aber im Protokoll.
**Eigene Drosselung** in
[`ErrorReporter`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/ErrorReporter.cs): Derselbe
Fehler (Typ + oberste Stelle im Stacktrace) geht höchstens einmal alle fünf Minuten
raus. Der Server drosselt auch, aber erst, nachdem die Anfragen über die Leitung waren.
Die Fehlermeldung selbst gehört nicht zum Kennzeichen — sie enthält oft wechselnde
Werte, und dann wäre jeder Aufruf ein neuer Fehler.
Bekannte, harmlose Fehler lassen sich serverseitig unter **Bugtracker → Ignore-Regeln**
stummschalten. Sie werden weiter gezählt; der Zähler ist der Zweck: Dass ein bekannter
Fehler auftritt, ist normal — dass er plötzlich hundertmal so oft auftritt, bedeutet,
dass sich etwas geändert hat.
---
## 6. Bugtracker
[`BugtrackerClient`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/BugtrackerClient.cs) für
bewusst formulierte Einträge (Fehler, Wunsch, Idee) mit Titel und Beschreibung, gegen
`POST /api/bugtracker/v1/report`. Der Absender wird serverseitig aus dem Token
abgeleitet und lässt sich nicht frei wählen.
Der Client ist da und über `AppHost.Deploymentcenter.Bugtracker` erreichbar; **eine
Oberfläche dafür fehlt noch** („Fehler melden"-Schaltfläche). Ein Agenten-Tool wäre der
nächste sinnvolle Schritt — Agenten könnten dann selbst Wünsche und Fehler eintragen,
und der Agenten-Workflow des Deploymentcenters (Claim/Lease über
`manage?action=next`) würde sie abarbeiten.
---
## 7. Wo was liegt
| Datei | Inhalt |
|---|---|
| [`Deploymentcenter/DeploymentcenterApi.cs`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/DeploymentcenterApi.cs) | Gemeinsamer Unterbau: Bearer-Header, HTTPS-Pflicht, Umschlag auspacken, `DeploymentcenterException` mit stabilem `Code` |
| [`Deploymentcenter/Watchdog/`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/Watchdog) | Heartbeat-Client, Zustandsermittlung, Takt-Dienst |
| [`Deploymentcenter/ErrorReporter.cs`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/ErrorReporter.cs) | Fehler-Stream mit Drosselung |
| [`Deploymentcenter/BugtrackerClient.cs`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/BugtrackerClient.cs) | Bugtracker-Einträge |
| [`Deploymentcenter/TokenProvisioner.cs`](../src/ClawdDotNet.Core/Deploymentcenter/TokenProvisioner.cs) | Sub-Token je Instanz |
| [`Services/DeploymentcenterService.cs`](../src/ClawdDotNet.App/Services/DeploymentcenterService.cs) | Verdrahtung: Token beschaffen, Heartbeat starten, Update prüfen |
| [`Services/LicenseGate.cs`](../src/ClawdDotNet.App/Services/LicenseGate.cs) | Startprüfung |
| [`Services/LicenseWatch.cs`](../src/ClawdDotNet.App/Services/LicenseWatch.cs) | Laufende Nachprüfung |
Die Lizenz läuft bewusst **nicht** über `DeploymentcenterApi`: Sie hat ein eigenes
Antwortformat (kein `status`/`error`-Umschlag — `status` trägt dort den Lizenzzustand),
einen eigenen Zwischenspeicher und muss vor allem anderen laufen.
Watchdog, Fehler-Stream und Bugtracker deckt das SDK `Deploymentcenter.Client` nicht ab;
dafür ist der eigene Unterbau da. Hardware-ID v2, Lizenz-Zwischenspeicher und
Update-Prüfung kommen aus dem SDK — die nachzubauen wäre Verdopplung.
---
## 8. Tests
[`tests/ClawdDotNet.Core.Tests/Deploymentcenter/`](../tests/ClawdDotNet.Core.Tests/Deploymentcenter):
Bearer-Header, Fehlerumschlag → Ausnahme mit Code (auch bei HTTP 200), HTTPS-Pflicht mit
Localhost-Ausnahme, Heartbeat-Pfad und -Rumpf, zwei Instanzen → zwei Monitore, Checks
und Metriken, Antwort-Auswertung, Drosselung des Fehler-Streams, Sub-Token-Bezug.
---
## 9. Offen
1. **Oberfläche für den Bugtracker** — Client vorhanden, Schaltfläche fehlt.
2. **Agenten-Tool für den Bugtracker** — würde den Agenten-Workflow des
Deploymentcenters nutzbar machen.
3. **Release-Strecke**`pack-and-deploy` aufrufen und `<Version>` dabei mitgeben,
danach `update-agent` einbinden. Die Versionsnummer selbst ist mit 2.1 erledigt.
4. **SDK als Git-Submodul** unter `external/` statt Cross-Repo-Pfad.
5. **Hierarchie** (`parent_source`): Läuft die Instanz auf einem Host, der selbst als
Monitor geführt wird, sollte sie ihn als übergeordnete Entität eingetragen bekommen —
sonst erzeugt ein Hostausfall eine Meldung je Instanz. Das ist im WebUI zu pflegen,
nicht im Client (siehe aber Anmerkung 2 in den Rückmeldungen).
+6 -2
View File
@@ -278,10 +278,14 @@ Rohzahlen.
# Vorgeschlagene Reihenfolge
> **Abgelöst durch die [Roadmap](Roadmap.md)** (Juli 2026). Die offenen Punkte
> laufen dort als C1C8 weiter; S4 + K2 sind in den Vorhaben A2/A3
> (Staging-Freigabe, Audit-Log) aufgegangen.
| # | Was | Warum zuerst |
|---|---|---|
| 1 | Atomares Schreiben | Datenverlust ist bereits eingetreten |
| 2 | Backup + Restore mit Test | Schützt alles Folgende |
| 1 | ~~Atomares Schreiben~~ ✅ | umgesetzt (`File.Replace`-Muster) |
| 2 | ~~Backup + Restore mit Test~~ ✅ | umgesetzt inkl. Oberfläche im Settings-Tab |
| 3 | Marktkalender | Spart sofort Kosten, verbessert Datenlage |
| 4 | `Indicators` | Qualität hoch, Tokens runter |
| 5 | Ergebnisregister (Stufe 2) | Grundlage jeder Bewertung |
+574
View File
@@ -0,0 +1,574 @@
# Linux-Portierung — Analyse
Stand: 2026-08-06. Reine Bestandsaufnahme und Aufwandsschätzung, **kein** Umbau.
Frage: Was ist nötig, damit ClawdDotNet unter Linux läuft, und was kostet das?
---
## 0. Kurzfassung
Die gute Nachricht zuerst: **Der Kern ist bereits portabel.** Alle 16 Bibliotheks-
und beide Testprojekte zielen auf `net10.0` (nicht `net10.0-windows`), es gibt im
gesamten Repository **kein einziges `DllImport`, keinen Registry-Zugriff und keine
`System.Drawing`-Nutzung** in `src/`. Windows steckt an genau drei Stellen im Kern:
DPAPI-Verschlüsselung, Groß-/Kleinschreibung bei Pfadvergleichen und die
Zeitzonen-IDs.
Die schlechte Nachricht: Die gesamte Bedienoberfläche — rund **8.900 Zeilen** in
`frm_*.cs`, `UI/`, `Models/` und `Services/` — hängt an Windows Forms, an WebView2
und, am unangenehmsten, an vier `PropertyGrid`-Instanzen, die praktisch die
komplette Einstellungsverwaltung ausmachen. Dafür gibt es in Avalonia keine
Eins-zu-eins-Entsprechung.
**Empfehlung: den Umzug in zwei Schnitte teilen.** Ein kopfloser Host (ohne GUI)
auf Linux ist in etwa **1218 Personentagen** erreichbar und liefert den
eigentlichen Nutzen — Agenten laufen auf einem Server, nicht auf einem
Windows-Desktop. Die Avalonia-Oberfläche ist ein davon unabhängiges Vorhaben
von **3252 Personentagen**, das man danach in Ruhe angehen kann.
Gesamt für „alles auf Linux, mit GUI": **5080 Personentage.**
---
## 1. Bestandsaufnahme
### 1.1 Was bereits portabel ist
| Bereich | Zeilen | Zielframework | Windows-Abhängigkeit |
|---|---:|---|---|
| `src/ClawdDotNet.Core` | 8.959 | `net10.0` | nur DPAPI (1 Datei) |
| 15 Tool-Projekte | 6.415 | `net10.0` | nur `.exe`-Pfade im SocialMediaManager |
| `tests/` (348 Tests, 39 Dateien) | 6.888 | `net10.0` | 3 Testfälle mit `C:\`-Pfaden |
Alle NuGet-Pakete laufen unter Linux: `Microsoft.Data.Sqlite` (bringt
`e_sqlite3` nativ für linux-x64/arm64 mit), `MySqlConnector`, `Npgsql`,
`Microsoft.Data.SqlClient`, `MongoDB.Driver`, `MailKit`, `FluentFTP`,
`Telegram.Bot`, `WTelegramClient`, `SharpCompress`, `Snappier`,
`Microsoft.Extensions.Logging`. Kein Paket muss ersetzt werden — mit zwei
Ausnahmen (siehe 2.1 und 2.3).
Auch die Dinge, bei denen man Ärger erwarten würde, sind sauber gelöst:
- [AtomicFile.cs:167](src/ClawdDotNet.Core/Storage/AtomicFile.cs:167) — `Commit`
prüft `File.Exists` und weicht auf `File.Move` aus. `File.Replace` verlangt
unter Unix ebenfalls eine vorhandene Zieldatei; der Fall ist also schon
abgedeckt. Die Wiederholschleife ist unter Linux überflüssig, aber harmlos.
- [TaskFrontmatter.cs:27](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/TaskFrontmatter.cs:27) —
normalisiert `\r\n` und `\r` vor dem Zerlegen. Task-Dateien von einem
Windows-Rechner werden unter Linux korrekt gelesen.
- Textdateien werden durchgängig als **UTF-8 ohne BOM** geschrieben
(`AtomicFile`, `FileLogWriter`, `AgentEditorTool`). Kein `Encoding.Default`,
keine Codepage-Fallen.
- Zeitstempel gehen als `DateTime.UtcNow` in die Datenbank und werden mit
`DateTimeStyles.RoundtripKind` gelesen.
### 1.2 Was am Windows-Teil hängt
| Bereich | Zeilen | davon Designer |
|---|---:|---:|
| `frm_*.cs` (6 Formulare + Dialoge) | 4.946 | 1.865 |
| `UI/` (BackupPanel, WebViewBridge, EmbeddedUiManager) | 1.087 | 428 |
| `Models/` (PropertyGrid-ViewModels) | 1.257 | — |
| `Services/` (4 Dienste, an WinForms-Timer gekoppelt) | 1.501 | — |
| `Properties/` | 123 | — |
| **Summe** | **8.914** | **2.293** |
Dazu drei `.resx`-Dateien à ~272 KB (eingebettete Symbole/Bilder) und eine
`frm_main.en.resx` für die englische Lokalisierung über den
WinForms-Resx-Mechanismus.
Steuerelement-Inventar aus den Designer-Dateien: 24 `Label`, 19
`ToolStripButton`, 12 `TabPage`, 12 `Button`, 9 `TextBox`, 6 `DataGridView`, 6
`ToolStrip`, 5 `ComboBox`, **4 `PropertyGrid`**, 4 `TableLayoutPanel`, 4
`FlowLayoutPanel`, 3 `TabControl`, 3 `SplitContainer`, 1 `RichTextBox`, 1
`ListView`, 1 `NotifyIcon`, 1 `DateTimePicker`, 1 `NumericUpDown`.
Tabs in `frm_main`: Chat, Logs, Settings (mit Unter-Tabs App-Settings,
Instance-Settings), Agent Settings, Jobs/Services (mit Unter-Tabs Jobs,
Services, Job History), Info, Backup.
---
## 2. Die harten Brocken
### 2.1 WebView2 → kein Linux (Chat- und Übersichts-Ansicht)
`Microsoft.Web.WebView2` ist die einzige Windows-only-Paketabhängigkeit des
Hauptprojekts und trägt die zwei sichtbarsten Ansichten:
[frm_main.cs:235](frm_main.cs:235) und [frm_chat.cs:44](frm_chat.cs:44) laden
`overview.html` bzw. `chat.html` aus `EmbeddedUI/` über
`SetVirtualHostNameToFolderMapping` unter `https://ui.clwd.internal/`. Die
Kommunikation läuft über [WebViewBridge.cs](UI/WebViewBridge.cs) —
`WebMessageReceived` in die eine, `ExecuteScriptAsync` in die andere Richtung.
Drei Wege, jeder mit einem eigenen Preis:
| Variante | Was passiert | Aufwand | Risiko |
|---|---|---:|---|
| **A — Avalonia.WebView** | HTML/JS bleiben. Unter Linux rendert WebKitGTK, unter Windows weiterhin WebView2. Die Bridge wird auf die Abstraktion der Bibliothek umgeschrieben. | 46 PT | Bibliothek ist deutlich weniger reif als WebView2; WebKitGTK-Abhängigkeit muss auf dem Zielserver vorhanden sein; Verhalten unterscheidet sich je Plattform. |
| **B — nativ neu in Avalonia** | Chat als echte Avalonia-Ansicht mit `ItemsControl` und einem Markdown-Renderer. `EmbeddedUI/` entfällt. | 812 PT | Kein Fremdrisiko, aber Neuentwicklung. Am Ende deutlich wartbarer als HTML-in-Container. |
| **C — lokaler HTTP-Server + Systembrowser** | Die App liefert `EmbeddedUI/` über `http://localhost:port` aus, der Nutzer öffnet den Browser. | 34 PT | Bricht die Ein-Fenster-Anmutung. Passt aber ausgezeichnet zum kopflosen Betrieb — dort **ist** der Browser die Oberfläche. |
**Empfehlung:** C für den kopflosen Host (fällt dort ohnehin an), B für die
Desktop-Oberfläche. Variante A koppelt uns an eine Bibliothek, die weniger stabil
ist als alles andere im Projekt.
### 2.2 PropertyGrid → es gibt keinen Ersatz von der Stange
Vier `PropertyGrid`-Instanzen in [frm_main.Designer.cs](frm_main.Designer.cs)
bilden App-Settings, Instance-Settings, Agent-Settings und Tool-Settings ab. Sie
werden vollständig durch Attribute gesteuert — **246 `[Category]`,
`[DisplayName]`, `[Description]`-Angaben** verteilt auf vier Dateien:
- [Models/ToolSettingsViewModels.cs](Models/ToolSettingsViewModels.cs) — 108
- [Models/AgentSettingsViewModel.cs](Models/AgentSettingsViewModel.cs) — 54
- [Models/AppSettings.cs](Models/AppSettings.cs) — 51
- [Models/InstanceSettingsViewModel.cs](Models/InstanceSettingsViewModel.cs) — 33
Dazu kommen `[TypeConverter(typeof(ExpandableObjectConverter))]` für
verschachtelte Objekte, `[PasswordPropertyText(true)]` für Geheimnisse und ein
eigener [ModelTypeConverter](Models/ModelTypeConverter.cs), der das
Modell-Auswahlfeld dynamisch aus der OpenRouter-Modellliste füllt.
Avalonia hat kein `PropertyGrid`. Zwei Möglichkeiten:
1. **`Avalonia.PropertyGrid`** (Community, MIT). Versteht `Category`,
`DisplayName`, `Description`, `Browsable`, `ReadOnly` und
`ExpandableObjectConverter`. Die ViewModels und ihre Attribute könnten
weitgehend unverändert bleiben — das spart am meisten. Zu prüfen ist, ob der
dynamische `ModelTypeConverter` mit `GetStandardValues` unterstützt wird; das
ist der Punkt, an dem so etwas erfahrungsgemäß hakt. **Aufwand 68 PT**, plus
dauerhafte Abhängigkeit an ein Ein-Personen-Projekt.
2. **Von Hand gebaute Einstellungsformulare.** Mehr Arbeit, aber wir bekommen
eine Oberfläche, die man Nutzern zumuten kann — das `PropertyGrid` ist
ehrlicherweise eine Entwickleransicht. Passwörter, Verzeichnisauswahl,
Validierung und die Modell-Auswahl werden dabei richtig statt behelfsmäßig.
**Aufwand 1014 PT.**
Das ist der größte Einzelposten der GUI-Portierung. Die Entscheidung kann und
sollte man verschieben, bis das Grundgerüst steht.
### 2.3 DPAPI → Geheimnisse liegen unter Linux im Klartext
[SecretProtector.cs:42](src/ClawdDotNet.Core/Security/SecretProtector.cs:42):
```csharp
if (!OperatingSystem.IsWindows())
return plainText;
```
Unter Linux verschlüsselt `Protect` **stillschweigend nicht**. OpenRouter-Key,
Datenbank-Verbindungszeichenfolgen mit Passwort, Mail-Zugangsdaten und das
Telegram-2FA-Passwort lägen im Klartext in `InstanceConfig.json` und
`AgentSettings.json` — genau der Zustand, den S7 behoben hat. Auf einem Server,
der per SSH erreichbar ist und gesichert wird, ist das schlechter als auf einem
Einzelplatz-Windows.
Dasselbe gilt für den Lizenz-Zustandsspeicher:
`LicenseLabrador/client-dotnet/.../StateStore.cs:92` schützt seine Datei ebenfalls
nur unter Windows per DPAPI.
Zu klären ist also ein plattformübergreifendes Verfahren. Realistisch:
- **AES-GCM mit Schlüssel aus einer Datei mit `0600`** neben der Konfiguration
(Linux) bzw. weiterhin DPAPI (Windows). Einfach, wirkt gegen versehentliche
Weitergabe und Backups, nicht gegen einen Angreifer mit demselben Benutzer —
dieselbe Schutzstufe wie DPAPI heute.
- Optional zusätzlich `libsecret`/Schlüsselbund, wenn eine Desktop-Sitzung da
ist. Auf einem Server gibt es die nicht, also braucht es den Dateiweg ohnehin.
Nebenwirkung, die man einplanen muss: **Konfigurationen sind nicht mehr zwischen
Betriebssystemen austauschbar.** Ein `enc:v1:`-Wert von Windows ist unter Linux
nicht lesbar und umgekehrt. `Unprotect` wirft dann korrekterweise eine
`SecretProtectionException` ([SecretProtector.cs:81](src/ClawdDotNet.Core/Security/SecretProtector.cs:81)) —
für den Umzug einer Instanz braucht es einen Migrationsweg (Präfix `enc:v2:`,
Werte neu eintragen oder ein Export/Import-Kommando).
**Aufwand 35 PT** inklusive Tests und Migration.
### 2.4 Zeitzonen → das ist die stillste Fehlerquelle
[TaskSchedule.cs:161](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/TaskSchedule.cs:161):
```csharp
try { return TimeZoneInfo.FindSystemTimeZoneById(id); }
catch { return TimeZoneInfo.Utc; }
```
Und [SchedulerTaskMigration.cs:32](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/SchedulerTaskMigration.cs:32)
schreibt `TimeZoneInfo.Local.Id` in die Task-Frontmatter. Auf dem
Entwicklungsrechner ergibt das `"W. Europe Standard Time"`, unter Linux
`"Europe/Berlin"`.
Task-Dateien sind Markdown im `SharedWorkspace` und wandern zwischen Rechnern.
Trifft eine Windows-ID auf ein System ohne die Umsetzungsdaten, greift das
`catch` — und der Task läuft ab sofort nach **UTC statt Ortszeit**, also im
Sommer zwei Stunden zu früh. Ohne Fehlermeldung, ohne Logeintrag. Ein Task, der
um 08:00 die Marktübersicht holen soll, läuft um 06:00.
.NET 6+ kann Windows-IDs unter Linux über ICU auflösen, aber nur wenn ICU
vorhanden ist. In einem schlanken Container (Alpine ohne `icu-libs`, distroless)
oder bei `InvariantGlobalization=true` ist es das nicht — dann schlägt jede
Auflösung fehl und alles fällt auf UTC.
Was zu tun ist:
- Beim Schreiben auf **IANA normalisieren**
(`TimeZoneInfo.TryConvertWindowsIdToIanaId`), beim Lesen beide Formen
akzeptieren.
- Das `catch` **nicht mehr still schlucken** — eine unbekannte Zeitzone muss
protokolliert werden, besser noch den Task als fehlerhaft markieren.
- Das Zielsystem muss `tzdata` haben. Für Container explizit installieren.
Verwandt: **82 Vorkommen von `DateTime.Now`/`UtcNow`**. Die meisten sind
unkritisch, zwei fallen auf:
[TaskboardService.cs:80](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/TaskboardService.cs:80)
schreibt `DateTime.Now`-Zeitstempel in Task-Dateien, und
[LiveLogViewerService.cs:98](Services/LiveLogViewerService.cs:98) sucht die
Logdatei des Tages über `DateTime.Now`. Server laufen üblicherweise mit `TZ=UTC`
— dort wechselt die Logdatei dann um 02:00 Ortszeit statt um Mitternacht, und
Task-Zeitstempel bekommen eine andere Bedeutung als bisher. Kein Fehler, aber
eine Verhaltensänderung, die man kennen sollte.
**Aufwand 23 PT.**
### 2.5 Groß-/Kleinschreibung bei Pfaden → sicherheitsrelevant
Linux-Dateisysteme unterscheiden Groß- und Kleinschreibung, Windows nicht. An
vier Stellen wird das Gegenteil angenommen — und drei davon bewachen eine
Sandbox-Grenze:
- [WorkspacePath.cs:72](src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/WorkspacePath.cs:72) —
`normalizedCandidate.StartsWith(normalizedRoot, OrdinalIgnoreCase)`. Das ist
die Prüfung, die Agenten daran hindert, aus ihrem Arbeitsverzeichnis
auszubrechen.
- [FileRWTool.cs:174](src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs:174) —
Abgleich gegen die Liste geschützter Pfade.
- [FtpTool.cs:155](src/ClawdDotNet.Tools.FTP/FtpTool.cs:155) — dieselbe
Einschließungsprüfung.
- [BackupService.cs:384](src/ClawdDotNet.Core/Backup/BackupService.cs:384).
Unter Linux sind `/home/x/Workspace` und `/home/x/workspace` **zwei
verschiedene Verzeichnisse**. Der Vergleich mit `OrdinalIgnoreCase` würde einen
Pfad im zweiten als „innerhalb" des ersten durchwinken. Genauso liefe die
Sperrliste in `FileRWTool` ins Leere, sobald jemand die Schreibweise ändert.
Nötig ist ein Vergleichsverfahren, das die Plattform berücksichtigt — ein
`PathComparer`, der unter Windows `OrdinalIgnoreCase` und unter Unix `Ordinal`
verwendet, konsequent an allen vier Stellen.
Ebenfalls betroffen, aber harmlos:
[AtomicFile.cs:35](src/ClawdDotNet.Core/Storage/AtomicFile.cs:35) schlüsselt
seine Sperren mit `fullPath.ToLowerInvariant()`. Unter Linux teilen sich damit
zwei verschiedene Dateien eine Sperre — das serialisiert zu viel, gefährdet aber
nichts.
**Aufwand 23 PT**, davon der größere Teil Tests.
### 2.6 Prozessaufrufe und `.exe`-Annahmen
- **`Process.Start("explorer.exe", …)`** — 4 Stellen
([frm_main.cs:1552](frm_main.cs:1552), [frm_main.cs:1557](frm_main.cs:1557),
[frm_main.cs:1562](frm_main.cs:1562), [BackupPanel.cs:338](UI/BackupPanel.cs:338)).
Ersatz: `Process.Start(new ProcessStartInfo(path) { UseShellExecute = true })`
bzw. `xdg-open`. Die Variante `explorer.exe /select,"…"` hat unter Linux kein
Gegenstück — dort öffnet man nur den Ordner.
- **`Microsoft.VisualBasic.Interaction.InputBox`** — 3 Stellen
([Program.cs:280](Program.cs:280), [Program.cs:291](Program.cs:291),
[frm_main.cs:658](frm_main.cs:658)), zwei davon für den interaktiven
Telegram-Login (Code und 2FA-Passwort). Braucht einen eigenen Dialog. Für den
kopflosen Betrieb ohnehin problematisch: **ein Login, der ein Eingabefenster
öffnet, blockiert einen Dienst.** Dort muss der Telegram-Login anders gelöst
werden (vorab per CLI, oder über die Weboberfläche).
- **`yt-dlp.exe` / `ffmpeg.exe`** —
[SocialMediaManagerTool.cs:782](src/ClawdDotNet.Tools.SocialMediaManager/SocialMediaManagerTool.cs:782)
und `:825`. Die PATH-Suche davor funktioniert unter Linux bereits; nur die
Ausweichpfade sind fest auf `.exe` verdrahtet und laufen dort ins Leere.
Kleine Änderung, aber sie fällt sonst erst zur Laufzeit auf.
**Aufwand zusammen 12 PT.**
### 2.7 WinForms-Timer in der Dienstschicht
`Services/` ist logisch kein UI-Code, hängt aber an
`System.Windows.Forms.Timer`:
- [BackupScheduler.cs:41](Services/BackupScheduler.cs:41)
- [LiveLogViewerService.cs:38](Services/LiveLogViewerService.cs:38) — schreibt
zusätzlich direkt in eine `RichTextBox`
- [OpenRouterStatusService.cs:43](Services/OpenRouterStatusService.cs:43)
- [frm_main.License.cs:41](frm_main.License.cs:41)
Der Backup-Zeitplan und die Lizenzprüfung gehören in den kopflosen Host und
müssen dafür auf `System.Threading.PeriodicTimer` umgestellt werden. Der
Log-Betrachter ist echte Oberfläche und wird ohnehin neu gebaut.
**Aufwand 23 PT.**
### 2.8 Lizenzierung — erledigt (Stand 2026-08-06)
> **Nachtrag.** LicenseLabrador und WatchDog sind im **Deploymentcenter**
> zusammengefasst, Hardware-ID v2 ist dort umgesetzt. Der Client
> (`Deploymentcenter.Client`, `netstandard2.0;net8.0`) läuft auf beiden
> Plattformen, die HW-ID ist container- und umbenennungsfest, der Ablageort
> löst sich auch ohne `HOME` auf, und der Zustandsspeicher ist mit AES-GCM
> plattformübergreifend verschlüsselt.
>
> **Damit ist die einzige potenziell blockierende Frage dieser Analyse
> beantwortet.** Details und offene Punkte der Anbindung:
> [Deploymentcenter-Anbindung-Review.md](Deploymentcenter-Anbindung-Review.md).
Es bleibt reine Anschlussarbeit in ClawdDotNet: Projektverweis umhängen,
[LicenseGate](Services/LicenseGate.cs) gegen die neue Ergebnisklasse schreiben
(`LicenseState` ist entfallen, `Status` ist jetzt eine Zeichenkette), `MessageBox`
durch das mitgelieferte `ILicensePrompt` ersetzen und die Lizenzprüfung aus
[Program.cs:112](Program.cs:112) fensterfrei machen.
**Aufwand 23 PT** (vorher 35).
---
## 3. Kleinere Punkte, die trotzdem beißen
### 3.1 Kultur- und Zahlenformatierung
Nur 16 Stellen im gesamten Projekt nennen eine Kultur explizit. Das heißt
umgekehrt: fast alles formatiert mit `CurrentCulture`. Auf dem
Entwicklungsrechner ist das `de-DE`, auf einem Server mit unbesetztem `LANG`
ist es `InvariantCulture`. Aus `1,25` wird `1.25`.
Wo das folgenlos bleibt:
- **JSON** — `System.Text.Json` schreibt Zahlen immer invariant. Alle
Konfigurationen, Zustandsdateien und API-Aufrufe sind sicher.
- **SQLite** — Werte gehen typisiert über Parameter, nicht als Text.
Wo hinzuschauen ist:
- Zeichenkettenverkettung in Logeinträgen und Prompts (`$"{cost:F4}"`). Wenn
eine Zahl mit deutschem Dezimalkomma in einen Prompt gerät, muss das Modell
raten.
- Anzeigewerte in der Oberfläche — dort ist Ortsformat gewünscht, aber es sollte
bewusst gesetzt sein, nicht zufällig.
**Empfehlung:** einmal alle Formatierungen durchgehen und trennen — invariant
für alles Maschinenlesbare, `CurrentCulture` nur für die Anzeige. Am besten mit
einem Analyzer (`CA1305`, `CA1304`, `CA1310`) als Warnung im Build, damit es so
bleibt.
**Aufwand 23 PT.**
### 3.2 Globalisierungsmodus festlegen
`InvariantGlobalization=true` macht das Publikat kleiner und ICU überflüssig —
kostet aber `TimeZoneInfo.FindSystemTimeZoneById` (siehe 2.4), kulturabhängige
Vergleiche und korrektes `ToLower()` für Umlaute. Für dieses Projekt mit
zeitzonenabhängiger Planung ist das **keine Option**; die Entscheidung sollte im
Projekt dokumentiert und ICU/tzdata als Voraussetzung festgehalten werden.
Nebenbemerkung: `COLLATE NOCASE` in
[SqliteMemoryRepository.cs:143](src/ClawdDotNet.Core/Memory/SqliteMemoryRepository.cs:143)
und [SqliteTaskRepository.cs:105](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/SqliteTaskRepository.cs:105)
ist ASCII-beschränkt — `Ä` und `ä` gelten SQLite als verschieden. Das ist heute
schon so und ändert sich beim Umzug nicht, ist also kein Portierungsthema,
sondern eine bestehende Eigenheit.
### 3.3 Zeilenenden
1.230 Stellen verwenden `Environment.NewLine` oder `\r\n`. Für Logdateien ist
das egal. Bei **Task-Dateien** und Agenten-erzeugten Dateien im geteilten
Arbeitsverzeichnis führt es zu Rauschen: Eine Datei, die unter Windows
geschrieben und unter Linux angefasst wird, ändert komplett ihre Zeilenenden.
Wenn der Arbeitsbereich unter Git liegt oder synchronisiert wird, sieht jede
Änderung wie eine Vollumschreibung aus. Der Parser kommt damit klar (siehe 1.1)
— es ist eine Frage der Ordnung, kein Fehler. Empfehlung: für Task- und
Konfigurationsdateien fest `\n` schreiben.
### 3.4 Dateinamen
`Path.GetInvalidFileNameChars()` liefert unter Windows 41 Zeichen, unter Linux
genau zwei (`\0` und `/`). [FileLogWriter.cs:95](src/ClawdDotNet.Core/Logging/FileLogWriter.cs:95)
säubert Modulnamen damit — unter Linux entstehen also Dateinamen, die auf
Windows nicht mehr lesbar sind. Betrifft Sicherungen, die zwischen Systemen
wandern. Ebenso die Windows-Sonderfälle `CON`, `PRN`, `AUX` und Namen mit
abschließendem Punkt: unter Linux erlaubt, beim Rückspielen auf Windows nicht.
Für den Sicherungs-/Wiederherstellungsweg über Systemgrenzen hinweg relevant.
### 3.5 Ablageorte
[SettingsManager.cs:24](Services/SettingsManager.cs:24) legt `AppSettings.json`
neben die Programmdatei (`AppDomain.CurrentDomain.BaseDirectory`). Unter Windows
in einem Benutzerverzeichnis geht das; unter Linux liegt die Anwendung typisch
in `/opt/…` oder `/usr/lib/…` und ist für den Dienstbenutzer **nicht
schreibbar**. Dasselbe gilt für die Zielordner `tools/`, `Logs/` und
`Instances/`, die die Build-Ziele in `ClawdDotNet.csproj` neben der
Programmdatei anlegen.
Nötig ist eine Trennung von Programm und Daten nach XDG-Konvention:
`$XDG_CONFIG_HOME` bzw. `/etc/clawddotnet` für die Konfiguration,
`$XDG_DATA_HOME` bzw. `/var/lib/clawddotnet` für Instanzen und Datenbanken,
`/var/log/clawddotnet` für Logs. Dazu Dateirechte: Instanzverzeichnisse mit
Geheimnissen gehören auf `0700`, Konfigurationsdateien auf `0600` — unter
Windows regelt das die ACL des Benutzerprofils, unter Linux muss man es setzen.
**Aufwand 23 PT.**
### 3.6 Tests
Von 348 Tests sind fast alle portabel. Auffällig ist
[WorkspacePathTests.cs:49](tests/ClawdDotNet.Tools.Tests/FileRW/WorkspacePathTests.cs:49):
```csharp
[InlineData(@"C:\Windows\System32\config\SAM")]
[InlineData(@"\\server\share\evil.txt")]
[InlineData(@"C:\temp\datei.txt")]
```
Unter Linux liefert `Path.IsPathRooted(@"C:\temp\datei.txt")` **`false`** — das
ist ein gewöhnlicher relativer Dateiname mit Doppelpunkt und Backslashes darin.
Der Test prüft dort also etwas anderes als beabsichtigt. Und da er die
Sandbox-Grenze absichert, ist das keine Kleinigkeit: Er muss
betriebssystemabhängig aufgeteilt werden, mit einer eigenen Linux-Fassung
(`/etc/passwd`, `../../etc/passwd`, Symlinks). Symlinks sind überhaupt ein
Prüfpunkt, den es unter Windows so nicht gab — `Path.GetFullPath` löst sie
**nicht** auf, `File.ResolveLinkTarget` schon. Ein Agent könnte im
Arbeitsverzeichnis einen Symlink nach `/etc` anlegen und die Prüfung ginge
durch.
Ebenso in [YouTubeUrlTests.cs:118](tests/ClawdDotNet.Tools.Tests/SocialMedia/YouTubeUrlTests.cs:118)
(harmlos, nur Beispieldaten).
**Aufwand 24 PT**, inklusive Symlink-Absicherung in `WorkspacePath` selbst.
### 3.7 Bau und Auslieferung
[Deploy-Build.ps1](Deploy-Build.ps1) setzt PowerShell 5.1 voraus, verwendet
Backslash-Pfade und den festen Ausgabepfad `bin\Release\net10.0-windows`. Für
Linux braucht es entweder eine `pwsh`-taugliche Fassung oder — besser — einen
schlichten `dotnet publish -r linux-x64 --self-contained` mit einer
systemd-Unit-Datei. Dazu:
- systemd-Unit mit eigenem Dienstbenutzer, `Restart=on-failure`
- Prüfen, ob der bestehende Watchdog-Heartbeat
([Program.cs:367](Program.cs:367)) mit `systemd-notify` zusammenspielen soll
- optional `.deb` oder AppImage für den Desktop-Fall
**Aufwand 35 PT.**
---
## 4. Der empfohlene Schnitt
Der entscheidende Befund dieser Analyse: **Die Oberfläche ist nicht der Grund,
warum wir Linux wollen.** Der Grund ist, dass Agenten auf einem Server laufen
sollen. [Program.cs](Program.cs) baut bereits alles — Speicher, Engine,
Taskboard-Scanner, Watchdog, Lizenzprüfung — vollständig auf, **bevor**
`frm_main` überhaupt entsteht (Zeilen 36385 gegen 388401). Diese Trennung
existiert faktisch schon; sie muss nur formalisiert werden.
### Stufe 1 — Kern Linux-fest und kopfloser Host (1218 PT)
| Schritt | PT |
|---|---:|
| Geheimnisse plattformübergreifend (2.3) | 35 |
| Zeitzonen normalisieren, Fehler nicht mehr schlucken (2.4) | 23 |
| Pfadvergleiche plattformabhängig + Symlink-Prüfung (2.5, 3.6) | 35 |
| Prozessaufrufe, `.exe`-Pfade (2.6) | 12 |
| Ablageorte und Dateirechte nach XDG (3.5) | 23 |
| `ClawdDotNet.Host` — Startlogik aus `Program.cs` herauslösen, `PeriodicTimer` statt WinForms-Timer, Telegram-Login ohne Dialog | 46 |
| Tests auf Linux grün, CI-Lauf für linux-x64 | 23 |
**Ergebnis:** Die Anwendung läuft als systemd-Dienst auf einem Linux-Server. Die
Windows-GUI bleibt unverändert bestehen und wird weiter benutzt. Das ist der
Punkt, an dem der Nutzen anfällt.
### Stufe 2 — Avalonia-Oberfläche (3252 PT)
| Schritt | PT |
|---|---:|
| Grundgerüst: Avalonia-Projekt, DI, Dispatcher, Shell mit Tabs, MVVM-Schicht | 57 |
| Logs-Tab (`RichTextBox``SelectingItemsControl` mit Filterung) | 23 |
| Agent-Settings: Liste, Werkzeugauswahl, Aktionsschaltflächen | 58 |
| Einstellungs-Tabs — PropertyGrid-Ersatz (2.2) | 610 |
| Jobs / Services / Job History (4 `DataGridView`) | 46 |
| Backup-Panel | 34 |
| Instance-Manager und die fünf Dialoge | 46 |
| Chat-Ansicht (Variante B, siehe 2.1) | 812 |
| Info, Statusleiste, Werkzeugleisten, Menü, Lokalisierung de/en | 34 |
Die Spanne ist breit, weil zwei Entscheidungen noch offen sind (PropertyGrid-Ersatz
und Chat-Variante). Sind die getroffen, lässt sich das auf etwa ±15 % genau
angeben.
### Stufe 3 — Auslieferung und Härtung (610 PT)
Publish-Pipeline, systemd-Unit, Paketierung, Abnahme auf echter Hardware,
Dokumentation, Umzugsweg für bestehende Instanzen.
### Gesamt
| | PT | bei Vollzeit |
|---|---:|---|
| Stufe 1 | 1218 | 2,53,5 Wochen |
| Stufe 2 | 3252 | 6,510,5 Wochen |
| Stufe 3 | 610 | 1,52 Wochen |
| **Summe** | **5080** | **1016 Wochen** |
---
## 5. LiveCharts2
Zur Einordnung: **Das Projekt enthält heute keine einzige Diagrammdarstellung.**
Die Suche nach `Chart`, `Series` oder `Plot` findet nur JSON-Feldnamen der
Yahoo-Finance-Abfrage in
[DirectAPITool.cs:126](src/ClawdDotNet.Tools.DirectAPI/DirectAPITool.cs:126).
LiveCharts2 ist damit **keine Portierung, sondern neue Funktionalität** — sie
gehört zum Trading-Teil, nicht zum Linux-Umzug, und ist in den 5080 PT oben
nicht enthalten. Wenn die Kursansichten kommen, sind dafür grob 510 PT
zusätzlich zu rechnen. Das passt zu dem, was in
[docs/Roadmap.md](docs/Roadmap.md) und der Notiz „Basis vor Trading härten"
festgehalten ist: Erst die Basis, dann die Handelsansichten.
Ein Punkt, der jetzt schon zählt: LiveCharts2 setzt auf SkiaSharp, genau wie
Avalonia. Das spricht zusätzlich dafür, die Diagramme erst **nach** der
Avalonia-Portierung zu bauen — sonst entstehen sie zweimal.
---
## 6. Was vor dem ersten Handgriff zu entscheiden ist
1. **Ist das Ziel Server oder Desktop?** Bei „Server" reicht Stufe 1, und Stufe 2
kann entfallen oder durch eine Weboberfläche ersetzt werden. Das ändert die
Schätzung um den Faktor drei.
2. **Chat-Ansicht: HTML behalten oder nativ neu bauen?** (2.1)
3. **PropertyGrid: Fremdbibliothek oder eigene Formulare?** (2.2)
4. ~~**Erlaubt LicenseLabrador den Wechsel der Hardware-ID?**~~**geklärt**,
siehe 2.8 und
[Deploymentcenter-Anbindung-Review.md](Deploymentcenter-Anbindung-Review.md).
5. **Bleibt Windows als Zielplattform bestehen?** Wenn ja, muss alles doppelt
getestet werden, und die Geheimnis-Verschlüsselung braucht beide Wege plus
Umzugspfad. Wenn nein, wird 2.3 deutlich einfacher.
Frage 1 und 5 beantworten sich vermutlich schnell; 2 und 3 kann man bis zum
Beginn von Stufe 2 offenlassen, ohne Stufe 1 zu blockieren. Damit liegt nichts
mehr außerhalb unserer Hand — **Stufe 1 kann beginnen.**
---
## Anhang — Vollständige Fundstellenliste
| Thema | Datei:Zeile |
|---|---|
| DPAPI | [SecretProtector.cs:42](src/ClawdDotNet.Core/Security/SecretProtector.cs:42), `:66`, `:90`, `:94` |
| DPAPI (Lizenz) | `LicenseLabrador/client-dotnet/.../StateStore.cs:43`, `:92` |
| Zeitzone | [TaskSchedule.cs:161](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/TaskSchedule.cs:161), [SchedulerTaskMigration.cs:32](src/ClawdDotNet.Core/Tasks/SchedulerTaskMigration.cs:32) |
| Pfad-Groß-/Kleinschreibung | [WorkspacePath.cs:72](src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/WorkspacePath.cs:72), [FileRWTool.cs:174](src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs:174), [FtpTool.cs:155](src/ClawdDotNet.Tools.FTP/FtpTool.cs:155), [BackupService.cs:384](src/ClawdDotNet.Core/Backup/BackupService.cs:384), [AtomicFile.cs:35](src/ClawdDotNet.Core/Storage/AtomicFile.cs:35) |
| `explorer.exe` | [frm_main.cs:1552](frm_main.cs:1552), `:1557`, `:1562`, [BackupPanel.cs:338](UI/BackupPanel.cs:338) |
| `VisualBasic.InputBox` | [Program.cs:280](Program.cs:280), `:291`, [frm_main.cs:658](frm_main.cs:658) |
| `.exe`-Werkzeugpfade | [SocialMediaManagerTool.cs:782](src/ClawdDotNet.Tools.SocialMediaManager/SocialMediaManagerTool.cs:782), `:825` |
| WinForms-Timer | [BackupScheduler.cs:41](Services/BackupScheduler.cs:41), [LiveLogViewerService.cs:38](Services/LiveLogViewerService.cs:38), [OpenRouterStatusService.cs:43](Services/OpenRouterStatusService.cs:43), [frm_main.License.cs:41](frm_main.License.cs:41) |
| WebView2 | [frm_main.cs:235](frm_main.cs:235), [frm_chat.cs:44](frm_chat.cs:44), [WebViewBridge.cs](UI/WebViewBridge.cs), [ClawdDotNet.csproj](ClawdDotNet.csproj) |
| PropertyGrid | [frm_main.Designer.cs](frm_main.Designer.cs) (4×), [Models/](Models/) (246 Attribute) |
| Datenablage | [SettingsManager.cs:24](Services/SettingsManager.cs:24), [ClawdDotNet.csproj](ClawdDotNet.csproj) (Build-Ziele) |
| Testdaten mit Windows-Pfaden | [WorkspacePathTests.cs:49](tests/ClawdDotNet.Tools.Tests/FileRW/WorkspacePathTests.cs:49) |
| Build-Skript | [Deploy-Build.ps1](Deploy-Build.ps1) |
@@ -0,0 +1,520 @@
# Hardware-ID v2 — Implementierungsvorschlag
Stand: 2026-08-06. Betrifft `LicenseLabrador` (Client + Server) und die
Aufrufseite in ClawdDotNet ([Services/LicenseGate.cs](Services/LicenseGate.cs)).
Anlass: Für den [Linux-Umzug](Linux-Portierung-Analyse.md) muss die
Hardware-Bindung auf beiden Plattformen funktionieren. Bei der Durchsicht sind
dabei zwei Probleme aufgefallen, die **nichts mit Linux zu tun haben**, aber
denselben Code betreffen — die sollten in einem Zug mit erledigt werden.
---
## 1. Befund
### 1.1 Der Rechnername steckt im Hash — das ist das eigentliche Problem
[HardwareId.cs:43](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/HardwareId.cs):
```csharp
rawBuilder.Append(Environment.MachineName); // "for system isolation"
```
Folge: **Ein umbenannter Rechner ist eine neue Maschine.** Er verbraucht einen
weiteren Aktivierungsplatz, und der alte bleibt für immer belegt
(`max_activations` ist standardmäßig 2 — nach zwei Umbenennungen ist die Lizenz
dicht). Das gilt bereits heute unter Windows.
Unter Linux wird daraus ein Totalausfall: In einem Container ist der Hostname
standardmäßig die gekürzte Container-ID, also **bei jedem Start ein anderer**.
Die Lizenz wäre nach dem zweiten `docker run` verbraucht.
Die Absicht („system isolation") ist auch nicht erfüllt: Der Rechnername steht
ohnehin im Feld `hostname`, das der Server bei jeder Prüfung mitschreibt
([LicenseService.php:112](../../LicenseLabrador/server/src/LicenseService.php)).
Diagnostisch verlieren wir nichts, wenn er aus dem Hash verschwindet.
### 1.2 Die MAC-Ausweichlösung ist unter Linux instabil
[HardwareId.cs:86](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/HardwareId.cs)
nimmt die alphabetisch erste physische MAC. Unter Linux:
- Die Stoppwortliste kennt `docker` und `veth`, aber **nicht** `br-` (Bridges),
`virbr` (libvirt), `cni`, `flannel`, `cali` (Kubernetes), `zt` (ZeroTier).
- `NetworkInterfaceType` meldet unter Linux für die meisten virtuellen Geräte
schlicht `Ethernet` — die Typprüfung greift also nicht.
- Bridge- und veth-MACs werden von systemd **je Boot neu zufällig** vergeben.
Sortiert man solche Adressen mit, wechselt die Hardware-ID beim Neustart. Die
Ausweichlösung ist damit unter Linux schlimmer als keine.
### 1.3 Der Zustandsspeicher fällt still auf Klartext zurück
[StateStore.cs:41](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/StateStore.cs)
beim Lesen und `:90` beim Schreiben:
```csharp
try { decryptedData = ProtectedData.Unprotect(rawData, null, ...); }
catch { decryptedData = rawData; } // ← Klartext wird akzeptiert
```
Unter Linux wirft DPAPI immer, also läuft alles über den Klartextzweig. Zwei
Folgen:
- `SECURITY.md` behauptet, der Cache sei „strikt an die `hardware_id` gebunden".
Das stimmt für die *Hülle* (die Prüfung in
[LicenseClient.cs:198](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/LicenseClient.cs)),
nicht für die Cache-Datei selbst.
- Ernster: `max_seen_time` ist die Uhr-Rückdreh-Sperre
([StateStore.cs:107](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/StateStore.cs)).
Wer eine `state.dat` von Hand schreiben kann, setzt den Wert auf 0 und stellt
die Systemuhr zurück. Der Klartext-Rückfall beim **Lesen** macht das möglich,
und zwar auf jeder Plattform, auf der DPAPI nicht greift.
### 1.4 Ablageort bricht bei einem systemd-Dienst weg
[LicenseConfig.cs:22](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/LicenseConfig.cs)
verwendet `Environment.GetFolderPath(SpecialFolder.ApplicationData)`. Läuft der
Dienst unter `User=clawd` ohne Heimatverzeichnis, ist `HOME` nicht gesetzt und
`GetFolderPath` liefert einen **leeren String**. `Path.Combine("", slug,
"license")` ergibt einen relativen Pfad — die Lizenz landet im Arbeitsverzeichnis
oder gar nicht.
### 1.5 Kein Formatkennzeichen, keine Plattformangabe
Die Hardware-ID ist heute ein nackter SHA-256-Hex-String. Es gibt keine
Möglichkeit, im Server zu erkennen, aus welcher Quelle oder von welchem
Betriebssystem eine Aktivierung stammt — und keinen Weg, das Format je zu
wechseln, ohne alle bestehenden Aktivierungen zu verlieren.
**Randnotiz:** `OperatingSystemHelpers.IsWindows()` nutzt
`Environment.OSVersion.Platform == PlatformID.Win32NT`. Das funktioniert
zufällig richtig (Linux liefert `Unix`), ist aber die veraltete API.
`RuntimeInformation.IsOSPlatform(OSPlatform.Windows)` ist in netstandard2.0
verfügbar und der korrekte Weg.
---
## 2. Zielbild: das Format
```
2:<plattform>:<64 Hex-Zeichen>
Beispiele:
2:win:9f3ab7c1… (Windows, MachineGuid)
2:lin:41e0d5aa… (Linux, /etc/machine-id)
2:lin:7c9182ff… (Linux, Vorgabe per Umgebungsvariable)
```
68 Zeichen — passt in `activations.hardware_id VARCHAR(128)` ohne
Schemaänderung. Der Doppelpunkt ist unproblematisch, die Spalte ist
`utf8mb4_unicode_ci` und wird nur verglichen.
Der Hash selbst:
```
sha256( "LicenseLabrador-HWID-v2" ‖ "\n" ‖ plattform ‖ "\n" ‖ quelle ‖ "\n" ‖ rohwert )
```
- **Kein `MachineName`.** (1.1)
- Die Domänenzeichenkette verhindert, dass derselbe Rohwert in anderem
Zusammenhang wiederverwendbar ist.
- `quelle` geht mit in den Hash: Findet der Client später eine bessere Quelle,
ändert sich die ID bewusst und nachvollziehbar, statt zufällig.
Zusätzlich gehen drei neue Felder mit in die Anfrage — **nicht** in den Hash,
nur zur Diagnose und für die Migration:
| Feld | Beispiel | Zweck |
|---|---|---|
| `hwid_version` | `2` | Formaterkennung serverseitig |
| `hwid_source` | `machine-id` | Admin sieht, wie stabil die Bindung ist |
| `legacy_hardware_id` | `<v1-Hash>` | Migration ohne Platzverlust (Abschnitt 4) |
---
## 3. Quellen je Plattform
Reihenfolge = Priorität. Die erste Quelle, die einen nichtleeren, plausiblen Wert
liefert, gewinnt.
### 3.1 Vorgabe (alle Plattformen, höchste Priorität)
```
LicenseConfig.HardwareIdOverride (Code)
LICENSELABRADOR_HWID (Umgebungsvariable)
```
Quelle: `override`. Der Rohwert wird trotzdem gehasht, damit das Format
einheitlich bleibt.
**Das ist der ehrliche Weg für Container und Serverbetrieb.** Heuristik kann dort
nicht gewinnen — in einem Container gibt es keine Hardware, an die man binden
könnte. Der Betreiber setzt einen stabilen Wert, hinterlegt ihn im
Deployment-Geheimnis, und die Bindung ist so verlässlich wie dieser Wert. Eine
Zeile in der systemd-Unit statt eines Ratespiels.
### 3.2 Windows
| # | Quelle | `hwid_source` |
|---|---|---|
| 1 | `HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Cryptography\MachineGuid` (Registry64) | `machine-guid` |
| 2 | Stabile physische MAC (Abschnitt 3.4) | `mac` |
| 3 | Erzeugte Datei (Abschnitt 3.5) | `keyfile` |
Unverändert zu heute — nur ohne `MachineName` im Hash.
### 3.3 Linux
| # | Quelle | `hwid_source` | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 1 | `/etc/machine-id` | `machine-id` | Von systemd bei der Installation erzeugt, überlebt Neustarts und Kernel-Updates. Die richtige Wahl auf einem echten System. |
| 2 | `/var/lib/dbus/machine-id` | `dbus-machine-id` | Ältere Systeme ohne systemd. |
| 3 | `/sys/class/dmi/id/product_uuid` | `dmi-uuid` | SMBIOS-UUID, echte Hardware-Bindung. **Meist nur für root lesbar** (`0400`) — Versuch in `try` einpacken, kein Fehler wenn nicht lesbar. Bei VMs vom Hypervisor gesetzt und dort stabil. |
| 4 | Stabile physische MAC (Abschnitt 3.4) | `mac` | |
| 5 | Erzeugte Datei (Abschnitt 3.5) | `keyfile` | |
Zwei Fallen bei `/etc/machine-id`, die geprüft werden müssen:
- **Leer oder nur Zeilenumbruch.** Auf Systemen mit `systemd-firstboot` oder in
manchen Images existiert die Datei, ist aber leer. Muss als „nicht vorhanden"
behandelt werden, nicht als gültiger Wert — sonst haben *alle* diese
Installationen dieselbe ID.
- **Der Wert `uninitialized`.** Genau diese Zeichenkette schreibt systemd, wenn
die ID im laufenden Betrieb noch nicht festgelegt ist. Ebenfalls verwerfen.
```csharp
private static bool IsPlausibleMachineId(string? v)
=> !string.IsNullOrWhiteSpace(v)
&& v.Trim().Length >= 16
&& !v.Trim().Equals("uninitialized", StringComparison.OrdinalIgnoreCase)
&& v.Trim().Trim('0').Length > 0; // nicht alles Nullen
```
### 3.4 MAC-Ausweichlösung, überarbeitet
Die heutige Fassung nimmt `FirstOrDefault()` der sortierten Liste. Wenn eine
Schnittstelle dazukommt oder wegfällt, kann sich damit die gewählte MAC ändern.
Besser: **alle** gültigen MACs sortiert verketten — dann ändert sich der Wert
nur, wenn sich die Netzwerkausstattung wirklich ändert, und nicht schon, weil
eine Adresse hinzukommt, die vorher sortiert davor lag.
Stoppwortliste erweitern um: `br-`, `virbr`, `cni`, `flannel`, `cali`, `weave`,
`zt`, `tailscale`, `ipsec`, `sit`, `gre`, `dummy`, `bond`, `macvlan`, `ovs`.
Zusätzlich hart ausschließen (unabhängig vom Namen):
- Schnittstellen mit gesetztem **„locally administered"-Bit** (zweites Bit des
ersten Oktetts, `mac[0] & 0x02`). Genau das setzt systemd bei zufällig
erzeugten MACs für veth und Bridges. Ein sauberer, namensunabhängiger Filter —
und der wirksamste von allen.
- Unter Linux zusätzlich prüfen: existiert
`/sys/class/net/<name>/device`? Fehlt das Verzeichnis, hat die Schnittstelle
kein physisches Gerät und ist virtuell. Das ist zuverlässiger als jede
Namensliste.
```csharp
// Namensunabhängig: zufällig erzeugte MACs tragen dieses Bit.
private static bool IsLocallyAdministered(PhysicalAddress addr)
{
var b = addr.GetAddressBytes();
return b.Length > 0 && (b[0] & 0x02) != 0;
}
```
### 3.5 Erzeugte Datei als letzte Stufe
`<StorageDirectory>/machine.key` — 32 Zufallsbytes, Base64, Dateirechte `0600`.
Wird nur angelegt, wenn keine Quelle davor greift.
Das ist eine **Installations-** und keine Hardware-Bindung. Für einen Container
ohne Vorgabe ist das aber die Wahrheit, und mit einem gemounteten Datenverzeichnis
bleibt sie über Container-Neustarts stabil. `hwid_source` = `keyfile` macht dem
Admin sichtbar, dass diese Aktivierung schwächer gebunden ist als die anderen.
Wichtig: Die Datei gehört ins **Datenverzeichnis**, nicht neben die
Programmdatei. Sonst ist sie bei jedem Deployment weg.
---
## 4. Migration v1 → v2 ohne Platzverlust
Der Kern: Der Client kennt **beide** IDs und schickt beide mit. Der Server zieht
die alte Aktivierung auf die neue ID um, statt eine zweite anzulegen.
**Client**`HardwareId` bekommt neben `GetHardwareId()` (v2) ein
`GetLegacyHardwareId()`, das die heutige v1-Berechnung *unverändert* beibehält
(inklusive `MachineName`, damit sie zu bestehenden Aktivierungen passt). Beides
geht in die Anfrage:
```csharp
hardware_id = "2:lin:41e0…",
legacy_hardware_id = "8fa2…", // nur solange v1-Aktivierungen existieren
hwid_version = 2,
hwid_source = "machine-id",
```
**Server** — in `LicenseService::validate`, an der Stelle der heutigen Suche
([LicenseService.php:100](../../LicenseLabrador/server/src/LicenseService.php)):
```
1. Aktivierung mit hardware_id = <v2> suchen
→ gefunden: normaler Weg (last_seen, hostname, app_version aktualisieren)
2. nicht gefunden, und legacy_hardware_id ist gesetzt:
Aktivierung mit hardware_id = <v1> suchen
→ gefunden: UPDATE activations SET hardware_id = <v2>, hwid_version = 2,
hwid_source = <quelle> WHERE id = …
+ audit_log-Eintrag 'hwid_migrated'
→ weiter wie unter 1. KEIN neuer Platz verbraucht.
3. weder noch: neue Aktivierung anlegen, max_activations prüfen (wie heute)
```
Damit wandern alle bestehenden Windows-Installationen beim ersten Start nach dem
Update lautlos auf v2 — niemand merkt etwas, kein Aktivierungsplatz geht
verloren. Das `legacy_hardware_id`-Feld kann nach einer Übergangszeit (etwa zwei
Veröffentlichungen) aus dem Client fallen.
### 4.1 Der lokale Cache muss einmal verworfen werden
Nicht übersehen: Die Hardware-ID geht in zwei weitere Berechnungen ein —
`CalculateHmac(state, licenseKey, _hardwareId)` für die Prüfsumme in
`LicenseResult`
([LicenseClient.cs:272](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/LicenseClient.cs))
und den Seed des Speicherschutzes (`:287`). Nach dem Formatwechsel schlägt
`VerifyChecksum` für jede zwischengespeicherte Hülle fehl.
Das ist kein Fehler, sondern erwartet — muss aber als **Cache-Fehltreffer**
behandelt werden (einmal online neu prüfen), nicht als
`TamperSuspected`. Sonst sperrt sich jede bestehende Installation beim ersten
Start nach dem Update selbst aus. Der Weg dorthin: Cache-Version im
`LocalCacheData` mitführen (`schema_version: 2`) und einen Datensatz mit
abweichender Version verwerfen, bevor die Prüfsumme überhaupt geprüft wird.
### 4.2 Schemaerweiterung
```sql
ALTER TABLE activations
ADD COLUMN hwid_version TINYINT NOT NULL DEFAULT 1 AFTER hardware_id,
ADD COLUMN hwid_source VARCHAR(32) NULL AFTER hwid_version,
ADD COLUMN platform VARCHAR(8) NULL AFTER hwid_source;
```
Alles mit Vorgabewerten, also rückwärtskompatibel — ein alter Client, der die
Felder nicht schickt, funktioniert unverändert weiter.
---
## 5. Umzug Windows → Linux
Das ist etwas anderes als die Formatmigration: hier wechselt die Maschine
wirklich, die ID muss sich also ändern. Drei Wege, alle drei sinnvoll parallel:
### 5.1 Der Normalfall braucht gar nichts
`max_activations` ist standardmäßig **2**. Ein Windows-Entwicklungsrechner und
ein Linux-Server passen also ohne jeden Eingriff hinein. Für den anstehenden
Umzug ist das wahrscheinlich die ganze Antwort — die anderen beiden Punkte sind
für den Fall danach.
### 5.2 Abmelden vor dem Umzug (existiert, aber nicht erreichbar)
`LicenseService::deactivate` löscht die Aktivierungszeile und gibt den Platz frei
([LicenseService.php:153](../../LicenseLabrador/server/src/LicenseService.php)),
und `LicenseClient.DeactivateAsync` ruft es auf. In ClawdDotNet ist die Methode
aber nur über [LicenseGate.cs:39](Services/LicenseGate.cs) erreichbar und dort
an die GUI gebunden.
Nachzuliefern: ein Kommandozeilenschalter am Host, damit das auch ohne
Oberfläche geht.
```bash
clawddotnet --license-deactivate
```
Das braucht der kopflose Betrieb ohnehin (siehe
[Linux-Portierung-Analyse.md](Linux-Portierung-Analyse.md), 2.6 — der
Lizenzdialog ist ein `MessageBox`, der einen Dienst blockieren würde).
### 5.3 Umbinden aus der Verwaltung (fehlt noch)
Für den Fall, dass die alte Maschine schon weg ist: In
`public/admin/license_detail.php` je Aktivierungszeile eine Schaltfläche
**„Aktivierung freigeben"** (löscht die Zeile, gibt den Platz frei). Ein echtes
„Umbinden" auf eine bekannte neue ID ist unnötig — Freigeben plus Neuaktivierung
auf dem Zielsystem ist derselbe Vorgang mit weniger Code und einer klareren
Spur im Prüfprotokoll.
Beides sollte in `audit_log` landen, mit altem und neuem Wert.
---
## 6. Zustandsspeicher härten
Zusammen mit dem HW-ID-Umbau, weil dieselbe Datei betroffen ist und die
Verschlüsselung den HW-ID als Schlüsselmaterial braucht.
**Format** — feste Hülle statt „mal so, mal so":
```
Magic "LLS2" (4 Byte) │ Nonce (12) │ Ciphertext │ GCM-Tag (16)
```
- **AES-GCM**, Schlüssel abgeleitet aus HW-ID + `ProductSlug` per HKDF-SHA256.
- Auf Windows das Ergebnis **zusätzlich** in DPAPI wickeln (Gürtel und
Hosenträger, kostet nichts).
- Dateirechte `0600` auf Unix.
**Der entscheidende Punkt: den Klartext-Rückfall beim Lesen entfernen.** Eine
Datei, die sich nicht entschlüsseln oder nicht authentifizieren lässt, ist
**kein Cache** — sie wird verworfen und der Client prüft online. Nicht als
Klartext akzeptieren. Genau dieser Rückfall macht heute die
Uhr-Rückdreh-Sperre umgehbar (1.3).
Einmalig weiterhin lesbar bleiben muss das alte Format (Datei ohne `LLS2`-Magic):
einlesen, in v2 neu schreiben, fertig. Nach einer Veröffentlichung kann der Pfad
weg.
### 6.1 netstandard2.0 hat kein AesGcm — Empfehlung: mehrfach zielen
`System.Security.Cryptography.AesGcm` gibt es erst ab .NET Core 3.0, `HKDF` erst
ab .NET 5, `File.SetUnixFileMode` erst ab .NET 7. Das Projekt zielt heute auf
`netstandard2.0`.
Zwei Wege:
1. **`<TargetFrameworks>netstandard2.0;net8.0</TargetFrameworks>`** —
*empfohlen*. ClawdDotNet (net10.0) zieht automatisch das net8.0-Ziel und
bekommt `AesGcm`, `HKDF` und `File.SetUnixFileMode` ohne Umwege. Der
netstandard2.0-Zweig bleibt für andere Abnehmer erhalten und nutzt dort
BouncyCastle. Kosten: ein paar `#if NET8_0_OR_GREATER`-Blöcke an genau drei
Stellen.
2. **Durchgängig BouncyCastle** (`GcmBlockCipher`, `HkdfBytesGenerator`) — die
Bibliothek ist mit `BouncyCastle.Cryptography` bereits als Abhängigkeit da,
also kein neues Paket. Kein Mehrfachziel nötig, aber die Dateirechte bleiben
ein Problem: `chmod` müsste per P/Invoke laufen.
Weg 1 ist sauberer, weil er nebenbei das Dateirechte-Problem löst.
---
## 7. Ablageort (1.4)
Auflösungskette in `LicenseConfig.StorageDirectory`, erste nutzbare gewinnt:
1. Explizit gesetzter Wert (ClawdDotNet setzt ihn künftig — der Host hat ohnehin
eine eigene XDG-Auflösung).
2. `LICENSELABRADOR_STORAGE_DIR`.
3. Unix: `$XDG_CONFIG_HOME/<slug>/license`, sonst `$HOME/.config/<slug>/license`.
4. Windows: `SpecialFolder.ApplicationData` wie heute.
5. Letzter Ausweg: `<AppContext.BaseDirectory>/license`.
**Und in jedem Fall: nie einen leeren Pfad durchlassen.** Der heutige Code kann
`Path.Combine("", …)` erzeugen, ohne dass es auffällt. Ein `if
(string.IsNullOrEmpty(...)) throw` an dieser Stelle ist besser als eine
Lizenzdatei, die im Arbeitsverzeichnis landet und beim nächsten Start nicht mehr
gefunden wird.
---
## 8. Änderungsliste
### LicenseLabrador — Client
| Datei | Was |
|---|---|
| `HardwareId.cs` | Neuschreiben: v2-Format, Quellenkette je Plattform, `GetLegacyHardwareId()`, `HwidSource`/`Platform` als Eigenschaften, MAC-Filter (locally-administered-Bit, `/sys/class/net/*/device`), Plausibilitätsprüfung für machine-id, `machine.key`-Erzeugung |
| `LicenseConfig.cs` | `HardwareIdOverride`, Auflösungskette für `StorageDirectory`, leeren Pfad ausschließen |
| `StateStore.cs` | `LLS2`-Hülle, AES-GCM, `schema_version`, **Klartext-Rückfall beim Lesen entfernen**, v1-Einmalmigration, `0600` |
| `LicenseClient.cs` | Neue Felder in `validate`/`deactivate` senden; Cache mit abweichender `schema_version` als Fehltreffer behandeln, **nicht** als `TamperSuspected` |
| `OperatingSystemHelpers` | `RuntimeInformation.IsOSPlatform`, dazu `IsLinux()`/`IsMacOs()` |
| `LicenseLabrador.Client.csproj` | `netstandard2.0;net8.0` |
### LicenseLabrador — Server
| Datei | Was |
|---|---|
| `sql/schema.sql` + Migrationsskript | `hwid_version`, `hwid_source`, `platform` |
| `src/LicenseService.php` | `legacy_hardware_id` entgegennehmen; Migrationssuche (Abschnitt 4); neue Felder speichern |
| `src/Audit.php` | Ereignisart `hwid_migrated`, `activation_released` |
| `public/admin/license_detail.php` | Quelle/Plattform je Aktivierung anzeigen, „Aktivierung freigeben" |
| `docs/SECURITY.md` | Aussage zur Cache-Bindung korrigieren (1.3) |
### ClawdDotNet
| Datei | Was |
|---|---|
| [Services/LicenseGate.cs](Services/LicenseGate.cs) | `StorageDirectory` explizit setzen; `MessageBox`/`frm_License` hinter eine Schnittstelle (`ILicensePrompt`) legen, damit der kopflose Host eine Konsolenfassung einsetzen kann |
| Host (neu) | `--license-deactivate`, `--license-set-key`, `--license-status` |
| `docs/Integrationsplan-WatchDog-LicenseLabrador.md` | Format v2 und Migrationsweg nachtragen |
---
## 9. Testplan
Das Wichtigste zuerst — die Fälle, die heute schiefgehen würden:
| Fall | Erwartung |
|---|---|
| Rechner umbenennen | **ID unverändert** (Kern von 1.1) |
| Container zweimal starten, `/etc/machine-id` im Abbild | beide Male dieselbe ID |
| Container ohne `machine-id`, Datenverzeichnis gemountet | ID über Neustarts stabil, `hwid_source = keyfile` |
| Container ohne `machine-id`, **ohne** Mount | ID wechselt — muss so sein, und im Protokoll erkennbar |
| `LICENSELABRADOR_HWID` gesetzt | gewinnt gegen alles, `hwid_source = override` |
| `/etc/machine-id` leer bzw. `uninitialized` | wird verworfen, nächste Quelle greift |
| Docker-Bridge und veth vorhanden, keine machine-id | MAC-Wahl ignoriert sie, ID über Neustart stabil |
| Bestehende v1-Windows-Aktivierung, Client aktualisiert | Zeile wird auf v2 umgeschrieben, `max_activations` unverändert, Prüfprotokolleintrag |
| v1-Cache-Datei nach dem Update | einmal online geprüft, dann v2-Cache — **kein** `TamperSuspected` |
| `state.dat` von Hand mit `max_seen_time = 0` | Datei wird verworfen, Uhr-Rückdreh-Sperre bleibt wirksam |
| systemd-Dienst ohne `HOME` | Ablageort auflösbar, keine Datei im Arbeitsverzeichnis |
| Alter Client gegen neuen Server | funktioniert unverändert (Felder haben Vorgabewerte) |
| Neuer Client gegen alten Server | funktioniert, Zusatzfelder werden ignoriert |
Die letzten beiden Zeilen sind nicht optional: Client und Server werden nicht
gleichzeitig ausgerollt.
---
## 10. Aufwand
| Block | PT |
|---|---:|
| `HardwareId` v2 samt Quellenkette, MAC-Filter, `machine.key` | 23 |
| Client mehrfach zielen + `StateStore`-Härtung | 23 |
| Server: Migrationssuche, Schema, Prüfprotokoll, Verwaltungsansicht | 23 |
| ClawdDotNet: `ILicensePrompt`, Lizenz-Kommandozeile | 12 |
| Tests (Container-Fälle brauchen echtes Docker) und Abnahme | 12 |
| **Summe** | **813** |
Das ist mehr als die 35 PT, die in der Linux-Analyse für „Lizenz" standen —
weil dort nur die Plattformverträglichkeit gerechnet war. Die Punkte 1.1 und 1.3
sind bestehende Fehler, die unabhängig vom Umzug behoben werden sollten; sie
machen den Unterschied aus.
Der Block ist **unabhängig vom übrigen Linux-Umzug** und kann sofort beginnen —
er hängt an keiner der offenen GUI-Entscheidungen.
---
## 11. Was ich anders machen würde als heute — kurz begründet
Drei Entscheidungen im Vorschlag verdienen eine Begründung, weil sie vom
bisherigen Ansatz abweichen:
**Rechnername raus.** Er ist der Grund, warum die heutige Bindung fragiler ist
als nötig, und er trägt nichts bei, was `activations.hostname` nicht schon
festhält. Eine Bindung, die bei einer Umbenennung bricht, bindet nicht an
Hardware, sondern an eine Konfiguration.
**Vorgabe per Umgebungsvariable statt besserer Heuristik für Container.** Man
kann eine Container-Umgebung nicht sinnvoll erraten — es gibt dort keine
Hardware. Jede zusätzliche Heuristik verschiebt nur, wo es falsch wird. Eine
explizite Vorgabe ist ein bewusster Betreiberentscheid, in der Unit-Datei
sichtbar, im Prüfprotokoll nachvollziehbar.
**Kein Klartext-Rückfall, auch nicht „zur Sicherheit".** Der heutige Rückfall
sollte Robustheit bringen, kostet aber genau die Eigenschaft, für die der Cache
existiert. Ein verworfener Cache bedeutet: einmal online prüfen. Das ist der
mildere Schaden — und wer keine Verbindung hat, hat immer noch die
Offline-Gnadenfrist aus der signierten Hülle, die von dieser Datei nicht abhängt.
+301
View File
@@ -0,0 +1,301 @@
# Roadmap
Zentrale Liste aller offenen Vorhaben. Sie löst die beiden „Vorgeschlagene
Reihenfolge"-Abschnitte in der [Bestandsaufnahme](Bestandsaufnahme-2026-07.md) und im
[Konzepte-Dokument](Konzepte-Backup-Finanz-Analyse.md) ab — die bleiben als Befund bzw.
Konzept bestehen, gepflegt wird nur noch hier.
Kürzel (S4, K2, T4, F-A1, …) verweisen auf die Bestandsaufnahme.
---
## A — Beschlossen (aus dem OpenAlice-Vergleich, Juli 2026)
Hintergrund: Konzeptvergleich mit [OpenAlice](https://github.com/TraderAlice/OpenAlice)
(AGPL-3.0 — Konzepte übernehmen ja, Code nein). Übernommen werden Taskboard,
Staging-Freigabe, Audit-Log und das Skill-Modell. Die Inbox-Idee entfällt zugunsten
der geplanten Matrix-Migration (A5).
### A1 — Taskboard
Aufgaben als Markdown-Dateien mit YAML-Frontmatter im `SharedWorkspace`:
`title`, `status` (`backlog | todo | in_progress | done | canceled`), `priority`,
`assignee`, optional `when` (`at` | `every` | `cron` **mit Zeitzone**).
- **Scanner statt Delay-Schleifen**: Ein Takt (~60 s) prüft, was fällig ist.
Persistiert werden nur Last-Fired-Marker — ein fehlgeschlagener Lauf bleibt der
einzige Versuch für diesen Termin, kein automatischer Retry-Sturm.
- **Assignee bestimmt die Ausführung**: `@new` = frischer Lauf ohne Historie,
`@<agent>` = bestehender Agent mit seinem Kontext, `@human` = wartet auf uns.
Das ersetzt das implizite `UseChatContext`-Flag (T7) durch eine explizite Angabe
am Auftrag.
- **Agenten-Tool**: `task_create`, `task_list`, `task_update`, `task_comment`.
Agent-zu-Agent-Delegation läuft künftig über Tasks statt über rekursives
`send_message`.
- **Migration**: Die improvisierten `coordination/*.md`-Dateien der Agenten
(task_*, status_*, broadcast) gehen im Taskboard auf.
**Detailbauplan** (aus dem Fünf-Repo-Vergleich, Juli 2026 beschlossen):
- Status zusätzlich mit **`in_review`**; im Frontmatter **`require_approval`**
(Task gilt erst nach Review als done) und **`acceptance`** (Abnahmekriterien,
gegen die das Ergebnis geprüft wird).
- **Task-Typen `approval` und `human_input`** — ein Mensch ist einfach ein
Assignee; seine Antwort ist das Task-Ergebnis und Input für Folgetasks.
- **Atomares Claiming**: Die DB verhindert, dass zwei Läufe denselben Task
ziehen. Der Scanner arbeitet mit **Claim-before-run** (at-most-once — ein
doppelter Tick findet den Claim bereits vergeben) und
**Startup-Reconciliation**: Beim Start wird Soll (Frontmatter) gegen Ist
(Marker/Claims) abgeglichen, verpasste Läufe werden erkannt statt still
übersprungen.
- **`blocked_by`-Abhängigkeiten** mit Auto-Dispatch: Wird der letzte Blocker
fertig, wird der wartende Task automatisch angestoßen. Meldet ein Agent einen
Blocker, fällt der Task und der Zuständige (Lead/Benutzer) wird benachrichtigt
(**Blocker-Eskalation**).
- **Reopen-/Feedback-Semantik**: Ergebnis + Kritik gehen per `task_comment` an
denselben Agenten zur Nachbesserung zurück, statt einen neuen Task von vorn
zu beginnen.
Damit erledigt oder aufgegangen:
| Punkt | Warum |
|---|---|
| F-A5 Task-Queue | das Taskboard **ist** die Queue |
| F-A4 Run-Historie | Läufe werden am Task verknüpft und persistiert |
| B8 Rekursion `send_message` | Delegation über Tasks ist strukturell zyklenfrei |
| B6 `Task.Delay`-Überlauf | Scanner-Modell kennt keine langen Delays |
| B7 Cron in Lokalzeit | Frontmatter-`when` ist zeitzonen-explizit |
| T7 `RunAsync` vs. `ChatAsync` | Assignee-Semantik beantwortet die Frage |
Verzahnung: Das Marktkalender-Flag (`onlyWhenMarketOpen`, siehe C1) gehört ins
Frontmatter, nicht in einen eigenen Mechanismus.
Konzept-Doc: [Taskboard-Konzept](Taskboard-Konzept.md) (Dateiformat,
Wahrheitsaufteilung Datei/DB, Scanner-Verhalten, Invarianten, Migration).
### A2 — Staging-Freigabe für irreversible Aktionen (F-A1 + S4)
Konzept-Doc: [Staging-Konzept](Staging-Konzept.md).
Irreversible Aktionen (Mail senden, X posten, DB-Schreibzugriff, Datei löschen,
perspektivisch Orders) werden **gestaged statt ausgeführt**: Vorschlag → Review im
Hauptfenster → Freigabe/Ablehnung. Pro Tool/Aktion konfigurierbar:
`auto | approve | deny`.
Das bisher wirkungslose `PermissionGate` (S4) wird dabei zum zentralen
Durchsetzungspunkt ausgebaut: Policy-Prüfung, Staging-Entscheidung und Audit-Hook
(A3) an einer Stelle statt ad-hoc in jedem Tool. S4 wird nicht separat bearbeitet,
sondern geht hier auf.
Ergänzungen (Juli 2026 beschlossen):
- **Plan-Freeze**: Freigegeben wird ein eingefrorener, konkreter Aufruf — Tool,
Aktion und exakte Argumente zum Zeitpunkt des Stagings. Ausgeführt wird genau
das Eingefrorene; jede nachträgliche Änderung ist eine neue Freigabe.
- **Approval-Records**: Jede Entscheidung (Freigabe wie Ablehnung) wird als
Datensatz im Audit-Log (A3) verankert — wer, wann, was, mit welchem Ergebnis.
Sicherheitswirkung: Eine Prompt-Injection (K2) kann dann nur noch einen Vorschlag
erzeugen, keine Ausführung.
### A3 — Audit-Log (F-A2)
Konzept-Doc: [Audit-Konzept](Audit-Konzept.md).
Jeder Tool-Aufruf wird protokolliert: Agent, Lauf/Session, Zeitstempel, Argumente,
Ergebnis-Status. Append-only (JSONL oder SQLite-Tabelle auf dem vorhandenen
`SqliteStorage`).
Designregeln (aus dem OpenAlice-Provenance-Konzept):
- Herkunft wird **von der Engine gestempelt**, nie vom Agenten behauptet.
- Einträge sind unveränderlich; Korrekturen sind neue Einträge.
- Unbekannte Herkunft wird als unbekannt markiert, nicht geraten.
- Worker-Typ (Modell/Engine) und verantwortliche Session sind getrennte Begriffe.
Ergänzung (Juli 2026 beschlossen) — **Receipts**: Jeder abgeschlossene Task/Lauf
erhält einen Abschluss-Beleg mit Ergebnis-Verweis, Schritten, Tokens und Kosten
(Verknüpfung `RunUsage` ↔ Task). Damit fällt C7 („Kosten pro Ergebnis")
weitgehend als Abfallprodukt ab.
Das Audit-Log ist zugleich das Fundament für das Ergebnisregister (C7) und die
Tool-Fehlerquote aus der Leistungsanalyse.
### A4 — Skill-/Toolset-Modell (ersetzt T6)
Dreischichtig statt „alles immer im System-Prompt":
1. **Dauerhafter Kern** — Identity, Soul, unveränderliche Regeln. Schlank, damit der
Prompt-Cache (T1) stabil bleibt.
2. **Nachladbare Skills/Toolsets** — fachliche Abläufe und selten genutzte Tools
werden erst auf Anforderung geladen (`list_toolsets``load_toolset`).
3. **Selbstkorrigierende Tool-Fehler** — Fehlermeldungen nennen die gültigen
Parameter/Aktionen, statt das Modell raten zu lassen.
Mechanik (Juli 2026 beschlossen, nach GoClaw-Vorbild): Skills liegen als
`SKILL.md` mit Frontmatter (`name`, `description`) im Instanz- bzw.
Agenten-Verzeichnis. Bei wenigen Skills werden die Kurzbeschreibungen inline in
den Prompt eingebettet, bei vielen gibt es stattdessen ein `skill_search`-Tool.
Änderungen an Skill-Dateien werden per Hot-Reload übernommen.
Dazu Hermes' Selbstverbesserungs-Idee: **Agenten dürfen Skills aus Erfahrung
selbst schreiben** (das AgentEditor-Tool ist die Vorstufe). Wichtig: Ein Skill
ist Prompt-Input — agentengeschriebene Skills werden erst nach Freigabe (A2)
aktiv, sonst wäre das ein Injection-Kanal in künftige Läufe.
### A5 — Matrix/Element-Migration
Beschlossene Richtung: Die Kommunikation (Benachrichtigungen, Berichte, Chat mit
Agenten) wird auf Element/Matrix umgestellt.
- Ersetzt die im OpenAlice-Vergleich erwogene Inbox — Berichte landen in
Matrix-Räumen.
- Der Tool-Kandidat **Notify** entfällt und geht hierin auf.
- Betroffen: Telegram-Tool (Rolle klären), WebView-Chat (bleibt er Haupt-UI?),
Streaming K4 (Matrix streamt nicht — nach dieser Entscheidung neu bewerten).
Scope ist noch unbestimmt — braucht ein eigenes Konzept-Doc, bevor es in die
Reihenfolge eingeordnet wird.
### A6 — MySQL-Replikations-Spiegel (optional)
Beschlossen Juli 2026. **SQLite bleibt die einzige Wahrheit** — gearbeitet wird
ausschließlich auf der Instanz-DB. MySQL ist ein reiner, nachgelagerter Spiegel:
Er empfängt nur INSERT/UPDATE/DELETE vom Replikator; die App liest im Betrieb
**nie** daraus. Einziger Lesezweck: Wiederherstellung, falls die SQLite korrupt
ist — daneben steht der Spiegel externen Auswertungen (Dashboards, Ad-hoc-SQL)
offen, ohne die Agenten-Maschine zu berühren.
Leitplanken:
- **Outbox-Muster** an der vorhandenen Schreib-Warteschlange von `SqliteStorage`:
Replikations-Einträge lokal puffern, idempotente Upserts nach MySQL.
Nie blockierend — ist MySQL nicht erreichbar, staut die Outbox und holt auf.
- Mehrere Instanzen replizieren in denselben Spiegel; Zeilen tragen `instance_id`.
- **Restore-Pfad (Spiegel → frische SQLite) muss existieren und getestet sein** —
gleiche Regel wie beim Backup: ein ungeprüftes Restore ist eine Vermutung.
- Kein Koordinationspunkt: Claiming, Locks, Taskboard-Zustand bleiben lokal.
Die Regel „nur der Replikator schreibt, niemand liest im Betrieb" gehört ins
Konzept-Doc.
- Sicherheit: TLS zur Datenbank, Zugangsdaten über `SecretProtector`;
Output-Scrubbing der Tool-Ergebnisse wird wichtiger, weil Kontext-Daten
künftig auch im Spiegel liegen.
- Ergänzt das ZIP-Backup, ersetzt es nicht — Identity/Soul, Settings, Workspace
und Telegram-Session bleiben Sache des Instanz-Backups.
**Voraussetzung — Historie-Umzug:** `ChatHistory.json` zieht in die Instanz-DB um
(aktive Tabelle + Archiv-Tabelle mit FTS5-Volltextindex und `history_search`-Tool,
siehe K6 in Abschnitt B). Das löst
nebenbei B10 (O(n²)-Schreiblast) und gibt K6 seine Form; erst danach schützt der
Spiegel auch die Historie. Zeitlich passt A6 zu dem Server, der ggf. mit A5
(Matrix) ohnehin dazukommt.
---
## B — Offen aus der Bestandsaufnahme
| Punkt | Was | Stand |
|---|---|---|
| T4 | Proaktiv statt reaktiv kompaktieren | offen, unverändert |
| K2-Rest | Untrusted Content als Daten rahmen (`<untrusted_content>`) | A2 nimmt die Schärfe; die Rahmung selbst bleibt nötig |
| K4 | Streaming | **zurückgestellt** bis A5 entschieden ist |
| K6 | Historie **archivieren + durchsuchbar machen** (FTS5-Index, `history_search`-Tool) statt nur rotieren | beschlossen; Teil des Historie-Umzugs (Voraussetzung von A6) |
| Memory-Flush vor Compaction | Bevor der ContextCompactor zusammenfasst, bekommt der Agent ein eng begrenztes Fenster, Dauerhaftes per `memory_store` zu sichern — sonst wirft die Compaction Wissen weg | beschlossen (GoClaw-Muster) |
| Memory-Auto-Injection | Relevante Memory-Abstracts werden automatisch eingeblendet (Relevanzschwelle, Deckel ~200 Tokens), **in die Nutzernachricht, nie in den System-Prompt** (Prompt-Cache T1) | beschlossen; löst den offenen Punkt „Automatische Einblendung" im [Memory-Konzept](Memory-Konzept.md) |
| Output-Scrubbing | Bekannte Secret-Werte (Register des `SecretProtector`) werden zentral aus **allen** Tool-Ergebnissen maskiert, bevor sie in Kontext, Historie oder Spiegel (A6) gelangen | beschlossen; schließt die Lücke, die S3 nur für URLs schloss |
| Hygiene-Paket | B9 (`index_Count`-Race), B11/T8 (`max_tokens` setzen), B13 (`instanceId`-Inkonsistenz), F-A6-Rest (UI zum Setzen/Rotieren der Secrets) | Kleinbugs, in einem Aufwasch. B10 geht im Historie-Umzug (A6) auf |
Erledigt seit der letzten Fortschreibung: B4 vollständig (Preise kommen live vom
`/models`-Endpunkt, unbekannte Modelle werden sichtbar gemeldet).
### B-DC — Deploymentcenter-Anbindung
WatchDog und LicenseLabrador sind durch das
[Deploymentcenter](Deploymentcenter-Integration.md) ersetzt: eine Adresse, ein Token,
und dazu Update-Prüfung, Fehler-Stream und Bugtracker. Watchdog läuft wieder pro
Instanz (ein Monitor je Instanz, mit Gesundheitsprüfungen und angekündigtem Ende).
Offen:
| Punkt | Was | Bemerkung |
|---|---|---|
| DC1 | Oberfläche „Fehler melden" | Client vorhanden, Schaltfläche fehlt |
| DC2 | Agenten-Tool für den Bugtracker | macht den Claim/Lease-Workflow des Deploymentcenters nutzbar |
| DC3 | Release-Strecke: `pack-and-deploy` mit `<Version>` aufrufen, dann `update-agent` | ohne Release hat die Update-Prüfung nichts zu finden. Versionsnummer selbst ist erledigt (`Directory.Build.props``ReleaseInfo`) |
| DC4 | SDK als Git-Submodul unter `external/` statt Cross-Repo-Pfad | betrifft auch die CI |
| DC5 | Betreiber: Evaluator-Cron einrichten, Token ausstellen, `parent_source` pflegen | **ohne den Cron ist die Überwachung wertlos** |
---
## C — Offen aus dem Finanz-/Analyse-Konzept
Punkte 12 von dort (atomares Schreiben, Backup/Restore inkl. UI) sind umgesetzt.
| # | Was | Bemerkung |
|---|---|---|
| C1 | Marktkalender (`onlyWhenMarketOpen` + `MarketCalendar`-Tool) | Scheduler-Teil gehört ins Taskboard-Frontmatter (A1) |
| C2 | `Indicators`-Tool — deterministische Berechnung | Qualität hoch, Tokens runter |
| C3 | Datenaktualität erzwingen (`maxAgeSeconds`) | |
| C4 | Termine & Fundamentaldaten (Earnings, EDGAR, Wirtschaftskalender) | |
| C5 | Bestandsregister (Positionen) | Grundlage für C7/C8 |
| C6 | Nachrichten-Entdopplung (`SeenItems`) | |
| C7 | Ergebnisregister (Stufe 2, „Kosten pro Ergebnis") | fällt weitgehend aus den A3-Receipts ab |
| C8 | Falsifizierbare Aussagen + Auflösung, Brier-Score (Stufe 3) | braucht C5, C7 und einen Auflösungs-Task (A1) |
---
## D — Toolkandidaten (unbeschlossen)
WebSearch, Http (generisch mit Allowlist), Shell (sandboxed), Git, Vision.
Notify ist gestrichen — geht in A5 auf.
---
## Vorgeschlagene Reihenfolge
| # | Vorhaben | Begründung |
|---|---|---|
| 1 | A1 Taskboard | Fundament; löst sechs bestehende Punkte auf einmal |
| 2 | A3 Audit-Log | klein, sofort nützlich; muss vor A2 da sein, damit Freigaben protokolliert werden |
| 3 | A2 Staging-Freigabe | größter Sicherheitsgewinn; Voraussetzung für unbeaufsichtigten Betrieb |
| 4 | C1 Marktkalender | spart sofort Kosten; nutzt A1-Frontmatter |
| 5 | A4 Skills/Toolsets | Token-Hebel, Cache-stabil |
| 6 | C2 Indicators | Qualität + Kosten |
| 7 | C7 + C8 Ergebnisregister, Aussagen | das eigentliche Leistungsmaß; braucht A3 |
| — | Hygiene-Paket (B) | zwischendurch, unabhängig |
| — | Historie-Umzug in die Instanz-DB | löst B10 + K6; Voraussetzung für A6 |
| — | A6 MySQL-Spiegel | nach dem Historie-Umzug; natürliches Zuhause auf dem A5-Server |
| — | A5 Matrix | eigenes Konzept-Doc zuerst; Scope klären, dann einordnen |
Leitlinie der Reihung: erst Nachvollziehbarkeit und Kontrolle (Audit, Staging),
dann Fähigkeiten — ein Agent, der unbeaufsichtigt läuft, braucht zuerst Bremsen,
dann PS.
---
## Umsetzung mit Opus 4.6 — Einstufung
Die Entwicklung erfolgt mit Opus 4.6. Die meisten Vorhaben sind damit gut
machbar, sofern die hier notierten Vorgaben mitgegeben werden. Zwei Stellen
berühren Nebenläufigkeits-Invarianten bzw. Engine-Querschnitte — sie sind für
Opus 5 / Fable markiert oder durch eine Architektur-Vorgabe entschärft.
| Vorhaben | Einstufung | Vorgabe / Begründung |
|---|---|---|
| A1: Dateiformat, Frontmatter-Parsing, `task_*`-Tool, Migration | 4.6 | klar spezifizierbar, gut testbar |
| A1: **Scanner-Kern** (atomares Claiming, Auto-Dispatch, Reconciliation) | ⚠️ **Opus 5 / Fable** | At-most-once-Semantik, Claim-CAS und das Zusammenspiel mit den seit B2 serialisierten Chat-Läufen sind genau die Fehlerklasse, die hier schon einmal schiefging. Falls doch 4.6: erst Konzept-Doc, Umsetzung strikt dagegen, Property-Tests für die Invarianten („nie zwei Claims auf einen Task", „kein Dispatch bei offenem Blocker", „doppelter Tick = ein Lauf") |
| A2: Gate, Policy, Staging-Queue, Review-UI, Approval-Records | 4.6 | mit der folgenden Architektur-Vorgabe |
| A2: **Fortsetzung nach Freigabe** | 4.6 nur mit Vorgabe | **Kein pausierter, im Speicher gehaltener Lauf.** Vorgabe: Der Lauf endet beim Staging regulär — das Tool liefert „zur Freigabe vorgelegt" als Ergebnis, der Agent schließt ab. Die Freigabe erzeugt einen Folge-Task (A1), der den Agenten mit dem **eingefrorenen** Aufruf weckt. Echtes Suspend/Resume eines laufenden `ChatAsync` wäre Fable-Terrain — und ist mit dieser Vereinfachung unnötig |
| A3: Audit-Log + Receipts | 4.6 | append-only, klares Schema, keine Nebenläufigkeitsfallen |
| A4: Skills | 4.6 | `FileSystemWatcher` mit Debounce (~500 ms); agentengeschriebene Skills erst nach Freigabe aktiv (siehe A4) |
| Memory-Flush vor Compaction | 4.6 mit Anleitung | Harte Grenzen: max. 35 Schritte, einziges Tool `memory_store`, Timeout, günstiges Modell (wie T3), höchstens einmal je Compaction-Zyklus. Vorsicht: Der ContextCompactor hatte B1/B14 — die bestehenden Paarungs-Tests müssen unverändert grün bleiben |
| Memory-Auto-Injection | 4.6 | in die Nutzernachricht, nie in den System-Prompt (sonst verfällt der Prompt-Cache T1); Deckel ~200 Tokens |
| Output-Scrubbing | 4.6 | ein zentraler Filter an der Stelle, wo Tool-Ergebnisse in den Kontext gelangen (`ExecuteToolCallAsync`); Werte aus dem Secret-Register |
| Historie-Umzug + FTS5 + `history_search` | 4.6 | Migration nur nach frischem Backup; alte JSON-Dateien erst nach verifiziertem Import löschen |
| A6: MySQL-Spiegel | 4.6 mit Anleitung | Outbox mit Wasserzeichen, idempotente Upserts, nie blockieren; der getestete Restore-Pfad ist Teil der Definition of Done |
| C1 Marktkalender, C2 Indicators | 4.6 | reine Fachlogik, deterministisch testbar |
Generell: Neue Subsysteme (Scanner, Staging, Audit, Replikator) kommen mit Tests
nach der [Teststrategie](Teststrategie.md) — die Invarianten-Tests sind bei den
markierten Punkten kein Nice-to-have, sondern die Absicherung dafür, dass ein
schwächeres Modell sie umsetzen darf.
+544
View File
@@ -0,0 +1,544 @@
# Rocket.Chat und Nextcloud — Konzept
Zwei neue Tools, ein gemeinsamer Zweck: **Rocket.Chat** wird der Ort, an dem wir mit den
Agenten reden; **Nextcloud** wird der Ort, an dem die Agenten uns Ergebnisse hinlegen.
Der typische Ablauf ist die Kombination aus beidem — „schreib mir die Auswertung und leg
sie in die Cloud" im Chat, Datei in Nextcloud, Link zurück in den Chat.
Dieses Dokument prüft die Machbarkeit, legt den Schnitt fest und benennt die Punkte, die
vor der Umsetzung entschieden werden müssen. **Es ist noch keine Umsetzungsfreigabe.**
Verwandt: [Taskboard-Konzept](Taskboard-Konzept.md) (Scanner/Wake), [Staging-Konzept](Staging-Konzept.md)
(Freigaben), [Audit-Konzept](Audit-Konzept.md), [Roadmap](Roadmap.md) (A5 — siehe Konflikt unten).
---
## 0 — Kurzfassung des Befunds
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Ist es umsetzbar? | Ja, beides. Ohne neue Architektur — die vorhandenen Bausteine tragen. |
| Braucht es Änderungen am Core? | Für Phase 1: **nein**, nur zwei neue Tool-Projekte + Staging-Defaults. Für den automatischen Rückweg (Antwort landet ohne Zutun des Modells im Raum) und den Notfallkanal: ja, zwei kleine Core-Ergänzungen. |
| Größtes technisches Risiko | Nicht die API — sondern **Antwort-Schleifen zwischen Agenten** und **Kosten durch zu häufiges Wecken**. |
| Größte Konzeptkollision | Roadmap **A5** sieht Matrix/Element für genau diesen Zweck vor. Rocket.Chat ersetzt A5, oder wir haben zwei Chat-Wege. Muss entschieden werden. |
| „Agent erstellt Dokument direkt über die Nextcloud-API" | So nicht. Nextcloud hat keine API, die Inhalte *erzeugt*. Der Weg ist: Datei lokal im Workspace erzeugen → hochladen. Für PDF/XLSX kann **Collabora als Konverter** dienen — das ist der elegante Teil, siehe 5.4. |
---
## 1 — Was schon da ist (und deshalb nicht neu gebaut wird)
Der Rückkanal von außen nach innen existiert vollständig:
```
TaskScanner (60-s-Takt)
└─ Task vom Typ tool_job
└─ EngineTaskDispatcher.DispatchToolJobAsync
└─ IToolJobProvider.ExecuteJobAsync ← kein LLM, kostenlos
└─ ToolJobResult.Wake(text) ← nur wenn wirklich etwas da ist
└─ AgentEngine.ChatAsync ← hier erst kostet es Tokens
```
Das Telegram-Tool nutzt genau das (`telegram_poll`). **Rocket.Chat bekommt dieselbe
Bauform** — `rocketchat_poll`. Damit gilt automatisch:
- Zustand (letzter gesehener Zeitpunkt) über `IStateStore`, überlebt Neustarts.
- Ein Takt ohne neue Nachricht kostet nichts.
- Kein eigener Thread, kein eigener Scheduler, keine Sonderbehandlung beim Start.
- Jeder Tool-Aufruf läuft ohnehin durch `StagingGate` (A2) und Audit (A3).
Ebenso vorhanden und wiederverwendbar:
- **Pro-Agent-Konfiguration** (`AgentConfig.Tools["RocketChat"]`) — jeder Agent bekommt
seine eigenen Zugangsdaten, ohne dass ein Agent die eines anderen sehen kann.
- **`ConfigSecrets`** verschlüsselt Felder nach Namen (`token`, `password`, `apikey` …) —
ein Feld namens `authToken` bzw. `appPassword` ist automatisch geschützt.
- **Workspace-Prefixe** `personal:` / `shared:` samt Path-Traversal-Prüfung — aus dem
FTP-Tool wortgleich übernehmbar für Nextcloud-Uploads.
---
## 2 — Rocket.Chat: Machbarkeit
Geprüft gegen die REST- und Realtime-API von Rocket.Chat. Alles Folgende ist
Standardfunktion einer selbstgehosteten Instanz, kein Enterprise-Feature.
### 2.1 Identität — ein echter Benutzer je Agent
Die Anforderung „jeder Agent mit eigenem Benutzer, in Gruppen und im Direktkontakt" ist
der richtige Ansatz und wird von Rocket.Chat direkt unterstützt.
- Admin legt je Agent einen Benutzer an: `POST /api/v1/users.create`
(`{ name, username, email, password, roles: ["bot"] }`).
- Die Rolle **`bot`** ist wichtig: Sie markiert den Benutzer als Maschine (relevant für
Schleifenschutz, siehe 2.5) und wird in neueren Versionen bei der Sitzplatzzählung
nicht als normaler Nutzer gewertet. *Gegen die eigene Version zu prüfen.*
- Für jeden Agenten wird ein **Personal Access Token** erzeugt
(`POST /api/v1/users.generatePersonalAccessToken`, oder im Konto des Benutzers).
Dauerhaft gültig, einzeln widerrufbar — deutlich besser als Login mit Passwort, weil
kein Session-Ablauf und keine gespeicherten Passwörter im Spiel sind.
- Authentifiziert wird jeder Aufruf über zwei Header: `X-Auth-Token` und `X-User-Id`.
**Entscheidung, die ich empfehle:** Das Anlegen der Benutzer ist **kein Agenten-Tool**.
Es ist eine einmalige Einrichtungsfunktion in der WinForms-Oberfläche
(Instanz-Einstellungen → Rocket.Chat → „Agenten-Benutzer anlegen"). Sonst müsste ein
Agent ein Admin-Token halten — und ein Admin-Token in Reichweite einer Prompt-Injection
ist genau das, was A2 verhindern soll. Der Admin-Token liegt in der **Instanz**-Konfiguration,
nicht in einer Agenten-Tool-Konfiguration.
### 2.2 Ausgang — Nachrichten senden
| Zweck | Endpunkt |
|---|---|
| In Kanal/Gruppe/DM schreiben | `POST /api/v1/chat.postMessage` (`roomId` oder `channel`) |
| Auf eine Nachricht antworten (Thread) | dasselbe, mit `tmid` |
| Datei anhängen | `POST /api/v1/rooms.upload/{roomId}` (multipart) |
| Reaktion setzen | `POST /api/v1/chat.react` |
Gesendet wird als der Agenten-Benutzer — Direktnachrichten funktionieren dadurch echt und
nicht als „Bot mit Alias".
### 2.3 Eingang — der Poll-Weg (Phase 1)
Der sparsame Weg, ohne jede neue Infrastruktur:
1. `GET /api/v1/subscriptions.get?updatedSince=<zeitstempel>`**ein einziger Aufruf**
liefert für diesen Agenten alle Räume mit Ungelesen-Zähler, Erwähnungs-Zähler und
„zuletzt gesehen"-Marke. Auch bei 50 Räumen bleibt es ein Aufruf.
2. Nur für Räume mit relevanten Neuigkeiten wird die Historie geholt:
`channels.history` (öffentlich) / `groups.history` (privat) / `im.history` (DM),
jeweils mit `oldest=<letzte gesehene Zeit>`.
3. `POST /api/v1/subscriptions.read` markiert gelesen — der Zähler geht zurück auf null.
Zustand im `IStateStore`: `rocketchat:{agentId}:lastCheck` sowie je Raum die zuletzt
verarbeitete Nachrichtenzeit.
**Rate-Limits:** Rocket.Chat begrenzt REST-Aufrufe (Standard in der Größenordnung von
10 Aufrufen je Minute und Endpunkt). Bei einem Takt von 3060 Sekunden und einem
Sammelaufruf pro Takt ist das unkritisch — es ist aber der Grund, warum der Entwurf über
`subscriptions.get` sammelt statt jeden Raum einzeln zu pollen.
**Latenz:** Bei 60-Sekunden-Takt antwortet ein Agent im Mittel nach ~30 s plus Laufzeit.
Für Gespräche mit Agenten ist das spürbar, aber tragbar. Der Takt lässt sich pro Job
setzen (`*/1 * * * *` ist das Minimum des Cron-Modells; feiner ginge nur über die
Realtime-API).
### 2.4 Eingang — die Realtime-Variante (Phase 3, optional)
Rocket.Chat bietet eine WebSocket-/DDP-Schnittstelle (`wss://host/websocket`): nach
`login` mit dem Token abonniert man `stream-notify-user/{userId}/notification` und
bekommt DMs und Erwähnungen **sofort** gepusht, ohne Polling.
Das ist die richtige Endstufe (Antwortzeit ~1 s statt ~30 s), aber es ist eine dauerhafte
Verbindung je Agent mit Wiederverbindungs-Logik — also eine echte Komponente, keine
Ergänzung eines Tools. Vorschlag: **erst nachrüsten, wenn Phase 1 im Alltag steht** und
sich die Verzögerung tatsächlich stört.
Eine dritte Möglichkeit — Rocket.Chats *Outgoing Webhook* auf unsere vorhandene
`ClawdDotNetApi` (Port 5082) — wäre die einfachste Push-Lösung, setzt aber voraus, dass
der Rocket.Chat-Server den Windows-Rechner über das Netz erreicht. Das ist eine Frage
deiner Netztopologie und keine der Software. Falls erreichbar: der kürzeste Weg zu
niedriger Latenz.
### 2.5 Die zwei echten Fallen
Diese beiden Punkte sind wichtiger als jede API-Frage.
**(a) Mehrere Agenten im selben Raum.** Wenn drei Agenten denselben Gruppenchat pollen,
antworten drei Agenten auf jede Nachricht. Regel im Entwurf:
> Ein Agent wird nur geweckt bei (1) Direktnachrichten an ihn oder (2) Nachrichten, die
> ihn per `@name` erwähnen. Alles andere liest er nicht einmal.
Ein Raum kann per Konfiguration auf `respondToAll: true` gestellt werden — das ist die
bewusste Ausnahme für einen Raum mit genau einem Agenten.
**(b) Agenten-Schleifen.** Agent A schreibt, Agent B wird geweckt, antwortet, weckt A —
und das läuft, bis das Tagesbudget greift. Der `LoopGuard` schützt nur *innerhalb* eines
Laufs, nicht über Agenten hinweg. Regel im Entwurf:
> Nachrichten von Benutzern mit der Rolle `bot` werden **ignoriert**, außer der Agent ist
> namentlich erwähnt. Zusätzlich eine Drossel: höchstens N Weckvorgänge je Raum und
> Stunde (Zähler im `IStateStore`), danach schweigt der Agent in diesem Raum bis zur
> nächsten Stunde und protokolliert das.
Das Tagesbudget (K5) ist das letzte Netz, nicht das erste.
### 2.6 Der Rückweg der Antwort
Der Wake-Mechanismus liefert die Nachricht *in* den Agenten. Seine Antwort geht heute in
den Chat-Verlauf, nicht zurück nach Rocket.Chat. Zwei Wege:
- **(a) Der Agent antwortet selbst** — die Weck-Nachricht enthält die `roomId` und die
Anweisung, mit `RocketChat.send_message` zu antworten. Kein Core-Eingriff, funktioniert
sofort. Schwäche: Es hängt daran, dass das Modell es tut. Erfahrungsgemäß klappt das
gut, aber nicht in 100 % der Fälle.
- **(b) Automatischer Rückweg** — der Tool-Job merkt sich „Antwort gehört nach Raum X",
und der Dispatcher schickt die Abschlussnachricht des Laufs dorthin. Zuverlässig, aber
es braucht einen kleinen Haken in `ToolJobResult`/`EngineTaskDispatcher`
(etwa ein `ReplyTo`-Feld, das der Dispatcher nach dem Lauf an dasselbe Tool zurückgibt).
**Empfehlung:** (a) in Phase 1, (b) in Phase 2 nachziehen — denn (b) ist der Unterschied
zwischen „meistens antwortet er" und „er antwortet". Für die Hauptkommunikationsschiene
ist das am Ende nicht optional.
### 2.7 Sicherheit
- **Nachrichten aus Rocket.Chat sind fremder Text.** Sie müssen als
`<untrusted_content>` gerahmt in den Kontext (Roadmap K2-Rest). Bei Telegram fehlt das
bis heute; hier sollte es von Anfang an drin sein, weil Gruppenchats mehrere Absender
haben.
- **Raum-Allowlist** je Agent (`allowedRooms`), analog `allowedChatIds` beim Telegram-Tool.
- **Staging-Vorschlag** (siehe 6): Senden in erlaubte Räume `auto`, alles darüber hinaus
`approve`.
- Zugangsdaten heißen im Konfigurationsfeld `authToken``ConfigSecrets` verschlüsselt sie
automatisch. Der Admin-Token der Instanz muss in `ConfigSecrets.Apply(InstanceConfig)`
ergänzt werden.
- **TLS** ist Pflicht; selbstsignierte Zertifikate ausdrücklich konfigurieren müssen statt
Validierung generell abschalten.
### 2.8 Tool-Zuschnitt
```
Tool: RocketChat
Aktionen: send_message | reply | send_file | list_rooms | read_room
| mark_read | search
Job: rocketchat_poll
```
Konfiguration je Agent:
```json
"RocketChat": {
"baseUrl": "https://chat.example.org",
"userId": "aBcD…",
"authToken": "…", // von ConfigSecrets geschützt
"allowedRooms": ["GENERAL", "finanz-team"],
"defaultRoom": "finanz-team",
"mentionOnly": true,
"maxWakesPerRoomPerHour": 12
}
```
---
## 3 — Redundanz: was passiert, wenn Rocket.Chat ausfällt
Das ist die Anforderung, die die Architektur bestimmt — nicht der Chat selbst. Der Kern:
**Rocket.Chat darf ein Kanal sein, nicht der Kanal.**
### 3.1 Was heute schon unabhängig funktioniert
| Kanal | Unabhängig von Rocket.Chat? | Richtung |
|---|---|---|
| WinForms-Chat (`frm_chat`) | vollständig — läuft in der App selbst | beide |
| Telegram-Bot-Tool | ja — fremde Infrastruktur | beide |
| Mail-Tool | ja, sofern der Mailserver anderswo läuft | beide |
| Web-Chat / `ClawdDotNetApi` | ja, aber nur im lokalen Netz | beide |
Wir sind also nicht bei null. Was fehlt, ist die **Umschaltung** — heute muss ein Mensch
merken, dass nichts mehr ankommt.
### 3.2 Vorschlag: `ChannelRouter` im Core
Eine kleine Komponente im Core (kein neues Tool, keine Tool-zu-Tool-Abhängigkeit —
sie löst Tools über die vorhandene `ToolRegistry` nach Namen auf, wie es der Dispatcher
schon tut):
- Je Agent eine **geordnete Kanalliste**, z. B. `["RocketChat", "Telegram", "Mail"]`.
- Eine Methode „stelle dem Menschen diese Nachricht zu": versucht der Reihe nach, bis
einer erfolgreich ist, und protokolliert im Audit-Log, **über welchen Kanal** zugestellt
wurde — inklusive des Hinweises „Primärkanal war nicht erreichbar".
- Genutzt von: Agenten (`notify_user`), aber vor allem von **systemseitigen** Meldungen,
die heute keinen Weg nach außen haben: Staging-Vorschlag wartet auf Freigabe, Budget
überschritten, Watchdog-Alarm, Task blockiert.
Der zweite Teil ist der wichtigere: Gerade wenn etwas kaputt ist, ist die Meldung darüber
diejenige, die ankommen muss.
### 3.3 Gesundheitsprüfung und Eskalation
Ein Tool-Job `rocketchat_health` (Takt ~5 Minuten, `GET /api/info`):
- Nach **drei** aufeinanderfolgenden Fehlschlägen: einmalige Meldung über den nächsten
Kanal der Liste — „Rocket.Chat ist seit HH:MM nicht erreichbar, ich melde mich hier."
Einmalig, nicht je Takt.
- Bei Rückkehr: „Rocket.Chat ist wieder da", und der Zustand wird zurückgesetzt.
- Nachrichten, die während des Ausfalls nicht gesendet werden konnten, werden **nicht**
in einer eigenen Warteschlange gehalten — sie gehen über den Ersatzkanal raus. Eine
zweite Zustellwarteschlange wäre eine zweite Fehlerquelle.
**Eingehend während des Ausfalls:** Der Telegram-Poll-Job bleibt dauerhaft aktiv, nur mit
langsamem Takt (z. B. alle 5 Minuten). Er kostet nichts, wenn nichts kommt — und ist im
Ernstfall der Weg, auf dem *du* die Agenten erreichst. Der WinForms-Chat ist ohnehin immer
da, solange die App läuft.
**Entschieden (August 2026): Telegram ist der Notfallkanal.** Die Kanalliste lautet damit
`["RocketChat", "Telegram"]`. Konsequenzen:
- Das Telegram-Tool wird **nicht** abgebaut und geht nicht in Rocket.Chat auf. Es behält
seine Rolle, verliert aber die Rolle als Alltagskanal.
- `Telegram.send_message` bleibt in der Staging-Policy auf `approve` — mit einer Ausnahme:
Meldungen, die der `ChannelRouter` selbst erzeugt (Ausfall, Budget, Watchdog, offene
Freigabe), laufen **ohne** Freigabe. Sonst bliebe die Warnung, dass eine Freigabe
aussteht, selbst in der Freigabewarteschlange hängen — ein Ringschluss, der genau im
Ernstfall zuschlägt.
- Der Telegram-Poll bleibt dauerhaft eingerichtet, aber mit langsamem Takt. Ein Kanal, der
erst im Notfall eingeschaltet wird, ist im Notfall ungetestet.
- Mail bleibt außen vor. Zwei Ersatzkanäle zu pflegen lohnt nicht; das Mail-Tool behält
seinen fachlichen Zweck.
### 3.4 Was das für die Prompts heißt
Ein Agent soll seinen Kanal nicht selbst wählen. Er sagt „ich möchte dem Nutzer das hier
mitteilen", der Router entscheidet. Sonst muss das Modell im Fehlerfall improvisieren —
und genau dann ist Improvisation das Letzte, was man will.
---
## 4 — Konflikt mit Roadmap A5 (Matrix)
Roadmap-Punkt **A5** legt fest: „Die Kommunikation (Benachrichtigungen, Berichte, Chat mit
Agenten) wird auf Element/Matrix umgestellt", und der gestrichene Tool-Kandidat *Notify*
geht darin auf.
Rocket.Chat besetzt exakt dieselbe Rolle. Drei mögliche Auflösungen:
1. **Rocket.Chat ersetzt A5.** A5 wird umgeschrieben, Matrix entfällt. Vorteil: eine
Schiene, ein Betriebsaufwand, die Instanz läuft bereits.
2. **A5 bleibt, Rocket.Chat ist nur ein weiteres Tool.** Dann bauen wir zweimal dasselbe.
Schwer zu begründen.
3. **Rocket.Chat primär, Matrix als späterer Zweitkanal.** Passt formal zur
Redundanz-Anforderung, verdoppelt aber den Wartungsaufwand für einen Fall, den
Telegram schon abdeckt.
**Meine Empfehlung: (1).** Der `ChannelRouter` aus 3.2 ist ohnehin die Verallgemeinerung,
die A5 gebraucht hätte — mit ihm ist ein späterer Matrix-Kanal ein zusätzlicher Eintrag in
der Liste, keine Migration. Das ist eine Entscheidung für dich, keine technische Sachfrage.
---
## 5 — Nextcloud: Machbarkeit
### 5.1 Der Zugriffsweg
Nextcloud hat zwei Schnittstellen, beide brauchen wir:
| Zweck | Schnittstelle |
|---|---|
| Dateien lesen/schreiben/auflisten/verschieben | **WebDAV**: `/remote.php/dav/files/{benutzer}/{pfad}` |
| Öffentlichen Link erzeugen | **OCS**: `/ocs/v2.php/apps/files_sharing/api/v1/shares` |
Authentifiziert wird mit **App-Passwörtern** (Nextcloud → Einstellungen → Sicherheit →
„Neues App-Passwort erstellen") per Basic-Auth. Ein App-Passwort ist einzeln widerrufbar
und lässt das eigentliche Kontopasswort unangetastet — dieselbe Logik wie das Personal
Access Token bei Rocket.Chat.
WebDAV braucht keine Bibliothek: `HttpClient` mit den Methoden `PUT`, `GET`, `MKCOL`,
`PROPFIND`, `MOVE`, `DELETE`. Nur `PROPFIND` liefert XML (Multistatus), das geparst werden
muss — überschaubar, und es erspart uns eine weitere Abhängigkeit.
### 5.2 Ein Benutzer je Agent — oder ein Sammelkonto?
Zwei Modelle:
- **Je Agent ein Nextcloud-Benutzer.** Sauber nachvollziehbar („wer hat das abgelegt"),
passt zum Rocket.Chat-Modell, kostet je nach Lizenzmodell Nutzer.
- **Ein Dienstkonto `clawd-agents` mit Unterordnern je Agent.** Einfacher zu verwalten,
Herkunft steht dann im Pfad statt im Konto.
**Empfehlung:** Ein Dienstkonto mit Ordnerstruktur `/ClawdDotNet/{Agent}/…`, **plus** einen
mit dir geteilten Ordner `/ClawdDotNet/Berichte/`. Begründung: Bei Rocket.Chat ist die
eigene Identität funktional zwingend (DMs, Erwähnungen), bei Dateien ist sie es nicht —
und ein Ordnerbaum ist leichter aufzuräumen als zehn Konten. Falls du die Trennung dennoch
willst, ändert das am Tool nichts, nur an der Konfiguration.
Die Ordnerdurchsetzung gehört ins Tool: eine konfigurierte `rootPath`, aus der der Agent
nicht ausbrechen kann — dieselbe Prüfung wie in `FTPTool.ResolveLocalPath`.
### 5.3 Die ehrliche Antwort zu „direkt über die API erstellen"
Nextcloud hat **keine** API, die Dokumenteninhalte erzeugt. Es ist ein Dateiablage- und
Freigabesystem; Collabora ist ein *Editor* im Browser (über WOPI angebunden), kein
Generator, den man von außen mit „erstelle eine Tabelle mit diesen Zahlen" beauftragen
kann.
Der tatsächliche Weg ist deshalb der, den du selbst schon beschrieben hast:
```
Agent erzeugt die Datei im eigenen Workspace (FileRW-Tool, schon vorhanden)
→ Nextcloud.upload (WebDAV PUT)
→ Nextcloud.share (optional) (OCS, liefert Link)
→ RocketChat.send_message mit dem Link
```
Das ist kein Umweg, sondern die richtige Aufteilung: Der Agent kann seine Datei lokal
prüfen und korrigieren, bevor sie irgendwo landet.
### 5.4 Formate — und wo Collabora doch nützlich wird
Was ein Agent von sich aus gut schreiben kann: **Markdown** (Nextcloud rendert `.md`
direkt in der Weboberfläche — für Berichte oft die beste Wahl), **CSV**, **HTML**, JSON.
Was er nicht von sich aus schreiben kann: `.xlsx`, `.docx`, `.pdf`.
Hier gibt es einen eleganten Weg, weil du Collabora ohnehin betreibst: Collabora Online
bringt einen **Konvertierungs-Endpunkt** mit (`POST /cool/convert-to/{format}`, multipart).
Damit gilt:
| Ziel | Weg |
|---|---|
| PDF | Agent schreibt HTML oder ODT → Collabora → PDF |
| XLSX | Agent schreibt CSV → Collabora → XLSX |
| DOCX | Agent schreibt HTML/ODT → Collabora → DOCX |
Vorteil: **keine zusätzliche PDF- oder Excel-Bibliothek** im Projekt (und keine
Lizenzfrage, die wir uns damit einhandeln — mehrere verbreitete .NET-Bibliotheken für
XLSX und PDF sind für kommerzielle Nutzung nicht frei).
Zu prüfen, bevor wir darauf bauen:
- Ist der Endpunkt in deiner Collabora-Installation erreichbar? Er muss in `coolwsd.xml`
für die IP des ClawdDotNet-Rechners freigegeben sein (`net`/`post_allow`-Allowlist).
Standardmäßig ist das eng gefasst.
- Der Pfad heißt je nach Version `/cool/convert-to/…` (neu) oder `/lool/convert-to/…` (alt).
Falls der Endpunkt nicht freigegeben werden soll: Rückfallebene ist Markdown/CSV — für
den Alltag völlig ausreichend, PDF wäre dann ein späterer eigener Punkt.
### 5.5 Freigabe-Links
`POST /ocs/v2.php/apps/files_sharing/api/v1/shares` (Header `OCS-APIRequest: true`),
`shareType=3` = öffentlicher Link. Optional `password`, `expireDate`, `permissions=1`
(nur lesen). Die Antwort enthält die fertige URL.
Zwei Hinweise:
- Manche Instanzen erzwingen Passwortschutz für öffentliche Links — dann muss das Tool ein
Passwort mitgeben und zurückliefern.
- Ein öffentlicher Link ist **irreversibel im Sinne von A2**: Einmal geteilt, kann er
weitergegeben worden sein, auch wenn man ihn danach löscht. Deshalb steht er unten in
der Staging-Tabelle auf `approve`.
Innerhalb der eigenen Instanz ist die freundlichere Variante `shareType=0` (an einen
konkreten Nextcloud-Benutzer) — kein öffentlicher Link nötig, wenn du ohnehin ein Konto
hast. Das sollte der **Standard** sein, öffentlich die Ausnahme.
### 5.6 Fallstricke
- **Dateisperren (HTTP 423).** Wenn du eine Datei gerade in Collabora offen hast, kann ein
Upload auf dieselbe Datei scheitern. Das Tool muss 423 sauber melden statt kryptisch zu
scheitern — und beim Überschreiben eines Berichts lieber einen neuen Dateinamen mit
Zeitstempel vergeben.
- **Überschreiben ist nicht destruktiv**, solange die Versionierung aktiv ist (Nextcloud
legt automatisch eine Vorversion an). Das ist der Grund, warum `Nextcloud.upload` unten
auf `auto` steht, `FTP.upload` aber auf `approve`.
- **Größenbegrenzung.** Ein einfaches `PUT` reicht für Berichte problemlos; erst bei sehr
großen Dateien bräuchte es den Chunked-Upload (`/remote.php/dav/uploads/…`). Für den
angedachten Zweck (Berichte, Tabellen, PDFs) nicht nötig — und wenn doch, meldet der
Server einen klaren Fehler.
- **Quota.** Ein Agent, der stündlich Berichte ablegt, füllt das Konto. Ein Aufräum-Task
(„Berichte älter als 90 Tage") gehört mittelfristig ins Taskboard.
### 5.7 Tool-Zuschnitt
```
Tool: Nextcloud
Aktionen: upload | download | list | mkdir | move | delete
| share | unshare | convert (convert nur falls Collabora freigegeben)
```
Konfiguration je Agent:
```json
"Nextcloud": {
"baseUrl": "https://cloud.example.org",
"username": "clawd-agents",
"appPassword": "…", // von ConfigSecrets geschützt
"rootPath": "/ClawdDotNet/Hermes",
"allowPublicShares": false,
"collaboraUrl": "https://collabora.example.org"
}
```
`appPassword` muss der Schlüsselliste in `ConfigSecrets` hinzugefügt werden — `password`
allein greift nicht, weil dort auf ganze Feldnamen verglichen wird.
---
## 6 — Verzahnung mit Staging (A2) und Audit (A3)
Vorschlag für die `StagingPolicy.DefaultRules`:
| Aktion | Standard | Begründung |
|---|---|---|
| `RocketChat.send_message` (erlaubter Raum) | **auto** | Sonst ist Chat unbenutzbar — jede Antwort bräuchte einen Klick |
| `RocketChat.send_message` (Raum nicht in `allowedRooms`) | **deny** | Wird vom Tool selbst abgewiesen, gar nicht erst vorgelegt |
| `RocketChat.send_file` | **approve** | Dateiabfluss in einen Chatraum |
| `Nextcloud.upload`, `mkdir`, `move` | **auto** | Versioniert, im eigenen Ordner, umkehrbar |
| `Nextcloud.delete` | **approve** | wie `FileRW.delete` |
| `Nextcloud.share` (an Benutzer) | **auto** | bleibt innerhalb der Instanz |
| `Nextcloud.share` (öffentlicher Link) | **approve** | nicht zurückholbar |
Der Unterschied zu `Telegram.send_message` (heute `approve`) ist Absicht: Telegram ist ein
Benachrichtigungskanal nach außen, Rocket.Chat ist der Arbeitsraum. Ein Arbeitsraum, in
dem jede Antwort eine Freigabe braucht, ist kein Arbeitsraum. Der Schutz sitzt hier an der
Raum-Allowlist statt an der Einzelfreigabe.
Für das Audit-Log entstehen keine Sonderfälle — die Tool-Aufrufe laufen ohnehin durch.
---
## 7 — Was dieses Konzept **nicht** vorsieht
Damit der Zuschnitt klar ist:
- Keine Rocket.Chat-**App** (Apps-Engine, TypeScript im Server) — wir bleiben Client.
- Keine Verwaltung von Rocket.Chat durch Agenten (Benutzer anlegen, Räume erstellen,
Rechte vergeben). Das ist Admin-Arbeit in der WinForms-Oberfläche.
- Keine Sprach-/Videofunktionen, keine Nextcloud Talk-Anbindung.
- Kein Ersatz für den WinForms-Chat — der bleibt und ist die unterste Rückfallebene.
- Keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Rocket.Chat kann das, aber verschlüsselte Räume sind
über die REST-API nicht lesbar. Agenten arbeiten in unverschlüsselten Räumen — das ist
eine bewusste Einschränkung, die du kennen solltest.
---
## 8 — Vorschlag für den Schnitt
| Phase | Inhalt | Ergebnis |
|---|---|---|
| **1** | `Nextcloud`-Tool: upload/download/list/mkdir/move/delete/share | Agent kann Berichte ablegen und einen Link liefern |
| **2** | `RocketChat`-Tool: senden, lesen, `rocketchat_poll`-Job, Raum-Allowlist, Erwähnungsfilter, Schleifendrossel | Gespräch mit Agenten über Rocket.Chat, Antwort per Prompt |
| **3** | Automatischer Rückweg (`ReplyTo` in `ToolJobResult`) | Antwort landet zuverlässig im richtigen Raum/Thread |
| **4** | `ChannelRouter` + `rocketchat_health` + Eskalation | Der Notfallkanal — Ausfall wird erkannt und umschifft |
| **5** | Collabora-Konvertierung (PDF/XLSX) | Berichte in Büroformaten |
| **6** *(optional)* | Realtime/DDP statt Polling | Antwortzeit ~1 s statt ~30 s |
Nextcloud zuerst, weil es das kleinere, in sich abgeschlossene Stück ist und sofort Nutzen
bringt — und weil es sich unabhängig vom Ausgang der A5-Entscheidung lohnt.
Phase 4 ist **kein Nice-to-have**: Ohne sie ist Rocket.Chat ein Einzelpunkt, dessen Ausfall
niemand meldet. Sie sollte nicht hinter Phase 5 rutschen.
Zur Modell-Einstufung im Sinne der Roadmap: Phasen 1, 2 und 5 sind klar spezifizierbare
Tool-Arbeit (4.6-tauglich). Phase 3 und 4 fassen Engine bzw. Zustellwege an und sollten
mit vorheriger Festlegung der Invarianten und mit Tests gebaut werden.
---
## 9 — Offene Punkte für die Diskussion
1. **A5/Matrix** — ersetzt Rocket.Chat den Punkt, oder bleibt Matrix als Ziel bestehen?
(Abschnitt 4; das entscheidet, ob der `ChannelRouter` Pflicht oder Kür ist.)
2. **Nextcloud-Identität** — ein Dienstkonto mit Ordnern je Agent (mein Vorschlag) oder
je Agent ein eigener Nextcloud-Benutzer?
3. **Rückweg der Antwort** — reicht Phase 2 (Agent antwortet selbst) für den Anfang, oder
soll Phase 3 direkt mitgebaut werden?
4. ~~**Notfallkanal** — Telegram oder Mail?~~ **Entschieden: Telegram** (siehe 3.3).
Offen bleibt nur die Kleinigkeit, ob die Reihenfolge instanzweit gilt (mein Vorschlag)
oder pro Agent einstellbar sein soll.
5. **Collabora-Konvertierung** — ist der `convert-to`-Endpunkt für den ClawdDotNet-Rechner
freigebbar? Falls nein, bleibt es bei Markdown/CSV.
6. **Versionen** — welche Rocket.Chat- und welche Nextcloud-Version läuft bei dir?
Einzelne Endpunkte und Rollennamen sind versionsabhängig; das prüfe ich vor der
Umsetzung gegen deine Instanz statt gegen die Dokumentation.
7. **Öffentliche Links** — grundsätzlich erlauben (mit Freigabe) oder ganz sperren
(`allowPublicShares: false` als harte Voreinstellung)?
+108
View File
@@ -0,0 +1,108 @@
# Staging-Freigabe für irreversible Aktionen
Setzt A2 aus der [Roadmap](Roadmap.md) um (F-A1 + S4). Irreversible Aktionen werden
**gestaged statt ausgeführt**: Vorschlag → Review im Hauptfenster → Freigabe/Ablehnung.
Aufbauend auf dem Taskboard (A1, Fortsetzung nach Freigabe) und dem Audit-Log (A3,
Approval-Records).
Sicherheitswirkung: Eine Prompt-Injection (K2) kann dann nur noch einen **Vorschlag**
erzeugen, keine Ausführung.
## Das Gate wird zum Durchsetzungspunkt (S4)
Das bisher wirkungslose `PermissionGate` (es prüfte nur, ob ein Tool zugewiesen ist)
wird zur zentralen Stelle: Policy-Prüfung, Staging-Entscheidung und Audit-Hook an
**einer** Stelle (`AgentEngine.ExecuteToolCallAsync`), statt ad-hoc in jedem Tool. S4
geht hier auf.
## Policy: `auto | approve | deny` pro Tool/Aktion
Je (Tool, Aktion) eine Entscheidung:
- **`auto`** — läuft wie bisher.
- **`approve`** — wird gestaged; die Ausführung wartet auf eine menschliche Freigabe.
- **`deny`** — wird gar nicht erst vorgeschlagen, sondern abgelehnt.
Auflösung vom Speziellen zum Allgemeinen: `Tool.Aktion``Tool` → Standard (`auto`).
Die „Aktion" ist das `action`-Argument des Aufrufs (die meisten Tools haben es).
**Eingebaute Standardregeln** (nach Sichtung der Tools, überschreibbar per Konfiguration)
— genau die in der Roadmap genannten irreversiblen Aktionen:
| Tool.Aktion | Standard |
|---|---|
| `Mail.send` | approve |
| `Telegram.send_message` | approve |
| `Database.insert`, `Database.upsert` | approve |
| `FileRW.delete` | approve |
| `FTP.upload`, `FTP.delete` | approve |
| alles andere | auto |
Lesende Aktionen (`Mail.read_inbox`, `FileRW.read`, `Database.query`, …) bleiben `auto`
Staging soll schützen, nicht lähmen.
## Plan-Freeze
Freigegeben wird ein **eingefrorener, konkreter Aufruf**: Tool, Aktion und die **exakten
Argumente** zum Zeitpunkt des Stagings. Ausgeführt wird genau das Eingefrorene (der
gespeicherte Argument-JSON), nie eine nachträglich veränderte Fassung. Jede Änderung
wäre eine neue Freigabe.
Das ist auch der Grund, warum der Agent den Aufruf **nicht** nach der Freigabe erneut
formuliert (er könnte etwas anderes bauen) — der eingefrorene JSON wird direkt an das
Tool gegeben.
## Fortsetzung nach Freigabe — kein pausierter Lauf
Die tragende Architektur-Vorgabe (aus der Roadmap-Einstufung): **Kein pausierter, im
Speicher gehaltener Lauf.** Der Ablauf:
1. **Vorschlag.** Der Agent ruft eine `approve`-Aktion auf. Das Gate führt sie nicht aus,
sondern legt einen **Pending**-Datensatz an (eingefrorener Aufruf) und gibt dem Agenten
„Zur Freigabe vorgelegt (#id)" als Tool-Ergebnis zurück. Der Lauf endet **regulär**
der Agent schließt ab, nichts hängt im Speicher.
2. **Review.** Ein Mensch sieht die offenen Vorschläge im Hauptfenster und entscheidet.
3a. **Freigabe.** Der eingefrorene Aufruf wird **direkt** ausgeführt (standalone, nicht
über einen Chat-Lauf). Das Ergebnis wird festgehalten, und ein **Folge-Task** (A1)
weckt den Agenten: „Deine Aktion X wurde freigegeben und ausgeführt, Ergebnis: Y —
mach weiter." Der Scanner stellt ihn zu (`ChatAsync`, bestehender Kontext).
3b. **Ablehnung.** Ein Folge-Task weckt den Agenten mit der Ablehnung (samt Grund).
Echtes Suspend/Resume eines laufenden `ChatAsync` wäre Fable-Terrain — und ist mit dieser
Vereinfachung unnötig.
## Approval-Records (A3)
Jede Entscheidung — Freigabe wie Ablehnung — wird an zwei Stellen verankert:
- Im **Staging-Datensatz** selbst: Status, `DecidedBy`, `DecidedAt`, Ergebnis-Verweis
bzw. Ablehnungsgrund.
- Als **Audit-Eintrag** (A3): Tool, Ausgang, `source: approval`, „Freigegeben von …" bzw.
„Abgelehnt von …". Die Herkunft stempelt auch hier das System, nicht der Agent.
Der Vorschlag selbst wird beim Anlegen als Audit-Eintrag mit Status **`Staged`** notiert —
so ist die ganze Kette (Vorschlag → Entscheidung → Ausführung) im Log nachvollziehbar.
## Nebenläufigkeit
Zwei Reviewer dürfen nicht denselben Vorschlag doppelt freigeben. Der Übergang
`pending → approved/rejected` ist ein **atomares, bedingtes `UPDATE`** (dieselbe
Claim-Technik wie beim Taskboard): Genau einer gewinnt, der zweite Klick läuft ins Leere.
Erst nach gewonnenem Übergang wird der eingefrorene Aufruf ausgeführt.
## Verdrahtung
- `StagingGate` (Policy + Anlegen des Vorschlags) hängt optional an der Engine — ohne es
läuft alles wie bisher (`auto`).
- Der eingefrorene Aufruf wird über `IFrozenCallExecutor` (von der Engine implementiert)
ausgeführt: gültiger Tool-Kontext, aber ohne LLM-Schleife.
- `StagingService` (Freigabe/Ablehnung) nutzt Executor, Audit und das Taskboard für den
Folge-Task. Es ist die API, die die Review-Oberfläche aufruft.
## Offen
- **Review-Oberfläche** im Hauptfenster (Liste der offenen Vorschläge, Freigeben/Ablehnen)
— die Dienst-API steht bereit; die WinForms-Ansicht ist die verbleibende Integration.
- **Output-Scrubbing** greift auch hier auf den gespeicherten Argument-JSON, sobald es
steht (eigener Roadmap-Punkt).
- **Orders** (Handelsaufträge) reihen sich später als weitere `approve`-Aktionen ein.
+334
View File
@@ -0,0 +1,334 @@
# Taskboard — Aufgaben statt Delay-Schleifen
Setzt A1 aus der [Roadmap](Roadmap.md) um. Das Taskboard ist das Fundament, auf dem
Audit (A3), Staging (A2), Marktkalender (C1) und das Ergebnisregister (C7/C8)
aufsetzen. Es löst zugleich sechs Altpunkte auf einmal (F-A5 Queue, F-A4 Run-Historie,
B8 Rekursion, B6 `Task.Delay`-Überlauf, B7 Cron in Lokalzeit, T7 `RunAsync` vs.
`ChatAsync`).
Aufbau analog zum [Memory-Konzept](Memory-Konzept.md): erst warum die vorhandenen
Mechanismen nicht reichen, dann Dateiformat, Wahrheitsaufteilung, Scanner-Verhalten,
Invarianten, Migration.
## Das Problem
Heute gibt es zwei getrennte, je für sich unzureichende Wege, einen Agenten Arbeit
tun zu lassen:
- **Der Cron-Scheduler** ([`AgentScheduler`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/AgentScheduler.cs),
[`ToolJobScheduler`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/ToolJobScheduler.cs)) hängt starr
am Agenten: eine Cron-Zeile je Agent, ausgeführt über ein `Task.Delay` bis zum
nächsten Termin. Ein jährlicher Termin bedeutet ein `Task.Delay` über Monate (B6).
Cron läuft in Lokalzeit ohne explizite Zone (B7). Ob mit oder ohne Kontext gelaufen
wird, entscheidet ein implizites Flag (`UseChatContext`, T7).
- **Die `coordination/*.md`-Dateien** im SharedWorkspace sind die improvisierte
Antwort der Agenten darauf, dass es kein Aufgabenmodell gibt: `task_*`-, `status_*`-
und `broadcast`-Dateien, per Konvention beschrieben, ohne Schema, ohne Claiming,
ohne Zustandsübergänge. Zwei Agenten, die dieselbe Datei „übernehmen", tun das ohne
jede Absicherung.
Delegation läuft heute über rekursives `send_message`/`spawn` — ein Agent ruft
synchron einen anderen, der wieder einen dritten (B8: Zyklengefahr, deshalb ein
`LoopGuard` als Notbremse). Es gibt keine Run-Historie am Auftrag und keine Queue.
## Warum ein neues Subsystem, nicht der vorhandene State-Store
Dieselbe Überlegung wie beim Gedächtnis: `IStateStore` ist eine Schlüssel-Wert-Tabelle
für kleine Marker. Ein Aufgabenmodell mit Status, Zuweisung, Abhängigkeiten und
Terminen darin abzulegen hieße, JSON in eine `Value`-Spalte zu schreiben — nicht
filterbar, nicht atomar claimbar, nicht auswertbar.
Der Kern ist eine **atomare Anspruchsnahme** (Claim). Genau das kann ein Dateisystem
nicht verlässlich und der Schlüssel-Wert-Store nicht ausdrücken, eine SQL-Zeile mit
einem bedingten `UPDATE` aber sehr wohl. Deshalb eine eigene Tabelle auf dem
vorhandenen [`SqliteStorage`](../src/ClawdDotNet.Core/Storage/SqliteStorage.cs) (WAL,
`busy_timeout`, prozessweite Schreib-Warteschlange) — dieselbe Grundlage, die schon
Gedächtnis, Zustand und Verbrauch teilen.
## Wahrheitsaufteilung — Datei ist Definition, DB ist Koordination
Die eine Entscheidung, an der alles hängt:
| Ebene | Wahrheit über | Wer schreibt |
|---|---|---|
| **Markdown-Datei** (Frontmatter + Rumpf) | die *Definition* der Aufgabe: Titel, Priorität, Assignee, Termin, Abnahme, Abhängigkeiten. Menschen- und agentenlesbar. | Mensch (Editor), Agent (`task_*`-Tool) |
| **SQLite-Tabelle `Tasks`** | den *Ausführungszustand*: Status, Claim, Lease, Last-Fired-Marker je Termin, Blocker-Auflösung. | ausschließlich das Taskboard selbst (Importer, Scanner, Tool) |
**Regel:** Für die Definition ist die Datei die Wahrheit. Für jede
Ausführungsentscheidung ist die DB die Wahrheit. Weichen beide ab (Absturz zwischen
DB-Claim und Datei-Schreiben), gewinnt die DB, und die Datei wird bei der
Reconciliation nachgezogen.
Warum nicht alles nur in die DB und die Datei als reine Projektion? Weil die Datei der
Bedienpunkt ist: Ein Mensch soll eine Aufgabe im Editor anlegen und ändern können, ein
Agent über sein Tool, und beides soll im SharedWorkspace sichtbar und versionierbar
bleiben. Warum nicht alles nur in Dateien? Weil das Claiming dort nicht atomar geht —
siehe oben. Die Aufteilung nimmt von beidem das Belastbare.
Der **Importer** ist die Brücke: Er liest die Frontmatter-Definition und spiegelt sie
idempotent in die DB-Zeile (`UPSERT` auf `task_id`). Er läuft beim Start (alle Dateien),
nach jeder `task_*`-Änderung (die betroffene Datei) und optional per
`FileSystemWatcher` mit Debounce (~500 ms, wie bei A4), damit von Hand editierte
Dateien zeitnah einfließen.
## Dateiformat
Aufgaben liegen als eine Datei je Aufgabe unter `SharedWorkspace/tasks/`. Der
Dateiname ist beschreibend (`recherche-nvda-earnings.md`); die stabile Identität ist
die `id` im Frontmatter, nicht der Name — so überlebt eine Aufgabe das Umbenennen.
```markdown
---
id: t-8f3a2c # stabil, beim Anlegen vergeben; Wahrheit der Identität
title: NVDA Earnings recherchieren
status: todo # backlog | todo | in_progress | in_review | done | canceled | blocked
type: work # work | approval | human_input
priority: 3 # 1 (niedrig) .. 5 (hoch)
assignee: "@crawler" # @new | @<agentId> | @human
when: # optional; fehlt = einmalige Aufgabe, sofort fällig
kind: cron # at | every | cron
value: "0 7 * * 1-5"
tz: Europe/Berlin # PFLICHT, wenn when gesetzt ist — kein Termin ohne Zone
require_approval: false # true = gilt erst nach Review (in_review) als done
acceptance: | # Abnahmekriterien, gegen die das Ergebnis geprüft wird
Aktuelle Zahlen mit Datum und Quelle, in SharedWorkspace/data/nvda.json abgelegt.
blocked_by: [t-4b1e] # diese Aufgabe startet erst, wenn alle Blocker done sind
onlyWhenMarketOpen: false # C1: Termin nur auslösen, wenn der Markt offen ist
---
Freitext-Rumpf: Auftragsbeschreibung, Kontext, Verweise. Geht als Aufgabenstellung
an den Agenten. Kommentare (Ergebnisse, Kritik, Reopen) werden unten angehängt.
```
Feldregeln:
- **`when.kind`**: `at` (einmaliger Zeitpunkt, ISO 8601), `every` (Intervall, z. B.
`30m`), `cron` (5-Felder-Ausdruck wie bisher). `tz` ist bei allen dreien Pflicht —
das ist die Antwort auf B7. Die vorhandene
[`CronExpression`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/CronExpression.cs) rechnet
heute zonen-blind in `DateTime.Now`; sie wird in einen zonen-bewussten Aufruf
gekapselt (nächsten Termin in `tz` bestimmen, dann in UTC vergleichen). Das
verzahnt sich mit R2 (`TimeProvider`) aus der [Teststrategie](Teststrategie.md).
- **`assignee`** ersetzt das `UseChatContext`-Flag durch eine explizite Angabe (T7):
- `@new` bzw. `@new:<agentId>` → frischer Lauf ohne Historie (`AgentEngine.RunAsync`).
Bloßes `@new` ist nur eindeutig, wenn die Instanz genau **einen** Agenten hat; sonst
benennt `@new:<agentId>` den Ziel-Agenten. Ist er nicht auflösbar, scheitert der
Dispatch mit klarer Meldung, statt einen falschen Agenten zu raten.
- `@<agentId>` → bestehender Agent mit seinem Kontext (`AgentEngine.ChatAsync`)
- `@human` → wartet auf einen Menschen; kein Modell-Lauf
- **`type`**: `work` (Standard), `approval` und `human_input`. Bei den letzten beiden
ist ein Mensch der Assignee; seine Antwort **ist** das Ergebnis und Input für
Folgeaufgaben. Kein Sonderpfad — nur ein Assignee, der kein Modell ist.
## Scanner-Verhalten
Ein einziger Takt (~60 s) statt vieler langer `Task.Delay`. Damit kennt das System
keine Monats-Delays mehr (B6), und ein verpasster Takt ist ein verpasster Termin, kein
Zeitbombe.
Je Takt:
1. **Fällige Termine bestimmen.** Aus jeder aktiven Task-Zeile den nächsten Termin in
ihrer `tz` berechnen und gegen „jetzt" prüfen. Ein Termin ist durch einen
**Occurrence-Key** eindeutig: `task_id` + geplante Feuerzeit (bei `at`/`cron`/`every`).
2. **Claim vor Lauf (at-most-once).** Bevor gelaufen wird, wird der Occurrence-Key
atomar beansprucht:
```sql
UPDATE Tasks
SET claim_token = @token, claimed_at = @now, last_occurrence = @occ, status = 'in_progress'
WHERE id = @id
AND status IN ('todo','backlog')
AND (last_occurrence IS NULL OR last_occurrence < @occ)
AND (claim_token IS NULL OR claimed_at < @leaseCutoff);
```
Genau eine Zeile betroffen = Anspruch gewonnen. Ein zweiter, gleichzeitiger Takt
findet die Bedingung nicht mehr erfüllt (Rowcount 0) und läuft **nicht** — so wird
ein doppelter Tick zu einem Lauf.
3. **Dispatch nach Assignee.** `@new` → `RunAsync`; `@<agent>` → `ChatAsync`; `@human`
→ kein Lauf, Status bleibt/wird `in_review` bzw. `todo`, die UI zeigt die Aufgabe
als wartend. Der Rumpf (+ Abnahmekriterien) ist die Nachricht an den Agenten.
4. **Abschluss verbuchen.** Last-Fired-Marker setzen (`last_occurrence = @occ`), Status
fortschreiben, Claim lösen. Bei `require_approval` → `in_review` statt `done`. Der
Lauf wird am Task verknüpft (Grundlage für A3-Receipts und die Run-Historie F-A4).
**Kein Retry-Sturm.** Der Marker wird auch bei einem **fehlgeschlagenen** Lauf gesetzt:
ein fehlgeschlagener Lauf bleibt der einzige Versuch für diesen Termin. Wiederholung
ist eine bewusste Entscheidung (neuer Termin oder Reopen), kein Automatismus. Das
schützt vor einem Agenten, der bei jedem Takt erneut in denselben Fehler läuft und
Budget verbrennt.
**Serialisierung mit den Chat-Läufen (B2).** Der Scanner ruft die Engine über
dieselben Einstiegspunkte wie WebView, ToolJob und AgentComm. `ChatAsync` ist bereits
je Agent über ein `SemaphoreSlim`-Gate serialisiert
([`AgentEngine`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs)) — der Scanner fügt
sich dort ein, statt einen zweiten, konkurrierenden Pfad in den geteilten
Konversationskontext aufzumachen. Der Claim ist eine **DB**-Grenze (welcher Termin wird
behandelt), das Agent-Gate eine **Kontext**-Grenze (kein verschränkter Nachrichtenstrom).
Beide werden gebraucht; keine ersetzt die andere.
### Startup-Reconciliation
Beim Start wird Soll (Frontmatter) gegen Ist (DB-Marker/Claims) abgeglichen, statt
verpasste Läufe still zu überspringen:
- Alle Task-Dateien importieren (UPSERT), gelöschte Dateien in der DB als `archived`
markieren.
- **Stale Claims freigeben:** Ein Claim, dessen `claimed_at` älter ist als die
Lease-Dauer (ein während des Laufs abgestürzter Prozess), wird verworfen — die
Bedingung `claimed_at < @leaseCutoff` im Claim-`UPDATE` erledigt das ohnehin, die
Reconciliation stellt den Status zusätzlich von `in_progress` auf `todo` zurück.
- **Verpasste Termine erkennen:** Liegt der letzte planmäßige Termin nach dem
Last-Fired-Marker, ist ein Lauf ausgefallen. Er wird als solcher gemeldet (Log, später
A5), nicht heimlich verschluckt. Ob nachgeholt wird, ist Politik — Standard: einmal
nachholen, sonst würde ein über Nacht ausgeschalteter Rechner beim Start eine Welle
auslösen.
## Die drei Invarianten
Der Scanner-Kern ist in der Roadmap als der heikle Teil markiert (die Fehlerklasse, die
hier schon einmal schiefging). Er wird strikt gegen diese Invarianten gebaut und mit
Property-Tests (FsCheck, siehe Teststrategie) abgesichert:
1. **Nie zwei Claims auf einen Task-Termin.** Garantiert durch das bedingte `UPDATE`:
Rowcount ≤ 1 pro Occurrence-Key. Test: N parallele Claims auf denselben Key → genau
einer gewinnt.
2. **Kein Dispatch bei offenem Blocker.** Eine Aufgabe mit unerfüllten `blocked_by`
ist nicht `todo`, sondern `blocked`, und die Claim-Bedingung (`status IN
('todo','backlog')`) greift nicht. Test: Blocker offen → kein Lauf; letzter Blocker
`done` → genau ein Auto-Dispatch.
3. **Doppelter Tick = ein Lauf.** Zwei Takte im selben Fenster konkurrieren um denselben
Occurrence-Key; der Claim lässt nur einen durch. Test: zwei gleichzeitige
`ScanOnce` → ein Lauf, ein Marker.
Diese drei sind keine Kür, sondern die Bedingung dafür, dass der Kern mit einem
schwächeren Modell umgesetzt werden darf.
## Abhängigkeiten und Eskalation
- **`blocked_by` mit Auto-Dispatch:** Wird eine Aufgabe `done`, sucht das Board alle
Aufgaben, deren `blocked_by` sie enthält. Sind für eine davon **alle** Blocker `done`,
wechselt sie `blocked → todo` und der Scanner nimmt sie beim nächsten Takt auf.
- **Blocker-Eskalation:** Meldet ein Agent einen Blocker (`task_update status=blocked`
mit Begründung), fällt die Aufgabe und der Zuständige (Lead/Benutzer) wird
benachrichtigt. Bis A5 (Matrix) steht, geht das über den vorhandenen Log-/UI-Weg.
## Zusammenspiel mit Staging (A2) und Reopen
- **`require_approval` / `in_review`:** Eine Aufgabe mit `require_approval: true` gilt
nach dem Lauf nicht als `done`, sondern als `in_review`. Das ist der natürliche
Andockpunkt für A2: Die Freigabe erzeugt einen Folge-Task, der den Agenten mit dem
eingefrorenen Aufruf weckt (so bleibt der Lauf regulär beendet, kein pausierter
In-Memory-Zustand — genau die Architektur-Vorgabe aus der Roadmap-Einstufung für A2).
- **Reopen/Feedback:** Ergebnis + Kritik gehen per `task_comment` an **denselben**
Agenten zurück (`ChatAsync` in dessen Kontext), statt eine neue Aufgabe von vorn zu
beginnen. Die Aufgabe kehrt nach `todo`/`in_progress` zurück, der Verlauf am Task
bleibt erhalten.
## Agenten-Tool
Ein Tool `Taskboard` im Muster von `MemoryTool` (eine Aktion je Aufruf), das über einen
neuen `ITaskRepository` auf dem `AgentToolContext` arbeitet (analog `IMemoryRepository?
Memory`):
| Aktion | Zweck |
|---|---|
| `task_create` | Aufgabe anlegen — schreibt Datei **und** DB-Zeile (über den Importer). Vergibt die `id`. |
| `task_list` | Aufgaben filtern (Status, Assignee, Betreff). Gekappte, kontextschonende Ausgabe wie bei Memory. |
| `task_update` | Status/Felder ändern; `blocked` melden; Ergebnis eintragen. |
| `task_comment` | Kommentar/Kritik anhängen; mit Reopen den Zuständigen erneut wecken. |
Agent-zu-Agent-Delegation läuft künftig hierüber: Statt rekursivem `send_message` legt
ein Agent eine Aufgabe mit `assignee: @<other>` an. Das ist strukturell zyklenfrei (B8) —
eine Aufgabe ist ein Datensatz, kein synchroner Aufruf-Stack.
**Sicherheit:** Ein Task-Rumpf ist Prompt-Input für den Assignee. Fremdbestimmte Inhalte
(Ergebnisse anderer Tools, die in einen Task fließen) werden als Daten gerahmt, nicht als
Anweisung — dieselbe Linie wie K2. Irreversibles, das ein Task auslöst, läuft über A2.
## Migration
Die `coordination/*.md`-Dateien gehen im Taskboard auf. Die Altdateien haben kein Schema
(freies Markdown wie `# Task: …`, `## Status: ASSIGNED`), deshalb bewusst konservativ
(`CoordinationMigration`, beim Start ausgeführt):
- **`task_*`-Dateien** → einmalig als `backlog`-Aufgaben übernommen: Titel aus der
`# Task:`-Überschrift (sonst erste Überschrift, sonst Dateiname), das ganze Markdown
als Rumpf, `assignee: @human` als sicherer Default, bis ein Mensch sie zuordnet.
`backlog` (nicht `todo`), damit der Scanner nichts unbesehen ausführt.
- **`status_*`, `broadcast`, Incident-Berichte, `*.json`-Artefakte** → keine Aufgaben;
bleiben unangetastet (später nach A5/Matrix bzw. verfallen als Altbestand).
Idempotent durch **Verschieben statt Löschen**: eine übernommene `task_*`-Datei wandert
nach `coordination/migrated/` — die Historie bleibt, ein zweiter Start findet sie nicht
mehr. Vor der Migration greift die übliche Regel: frisches Backup.
## Ein Takt für alles — Ablösung der Alt-Scheduler
Der Scanner ist der **einzige** periodische Treiber. Die früheren `AgentScheduler` und
`ToolJobScheduler` (zwei `Task.Delay`-Schleifen mit B6/B7, ungetestet) sind **gelöscht** —
alles Periodische ist jetzt ein Task:
- **Geplanter Agent-Lauf** (früher `scheduler`-Config) → ein normaler Task mit
`when: cron` und Assignee `@new:<agent>`.
- **Tool-Job-Poll** (früher `toolJobs`-Config, z. B. `telegram_poll`) → ein Task vom Typ
**`tool_job`** mit `tool_name`/`job_type`. Beim fälligen Termin tickt der Dispatcher den
`IToolJobProvider` und weckt den Zielagenten (Assignee) nur, wenn der Tick etwas meldet —
mit oder ohne Kontext, je nach `ToolJobResult`.
Zwei Feinheiten, die dabei geradegezogen wurden:
- **Wiederkehrende Tasks** (`cron`/`every`/`tool_job`) kehren nach dem Feuern auf `todo`
zurück statt auf `done` — sonst liefe ein Cron-Task nur ein einziges Mal. Der
Last-Fired-Marker verhindert weiterhin, dass **derselbe** Termin doppelt feuert.
- **`backlog` ist ein Halte-Status**: Der Scanner claimt nur `todo`. Eine Aufgabe in
`backlog` (frisch importiert, migriert, oder ein deaktivierter Poll) ruht, bis ein
Mensch sie auf `todo` setzt.
Die Alt-Konfiguration (`scheduler`, `toolJobs`) wird beim Start einmalig und
nicht-destruktiv in Tasks migriert (`SchedulerTaskMigration`, stabile Ids
`sched-<agent>` / `tj-<agent>-<job>`). Ein manuelles „Jetzt ausführen" im Host läuft über
`TaskScanner.RunTaskNowAsync`.
## Verzahnung
- **C1 Marktkalender:** `onlyWhenMarketOpen` gehört ins Frontmatter, nicht in einen
eigenen Mechanismus — der Scanner überspringt einen Termin, wenn der Markt zu ist.
- **A3 Audit/Receipts:** Jeder Lauf wird am Task verknüpft; der Abschluss-Beleg (Schritte,
Tokens, Kosten) fällt daraus ab und macht C7 weitgehend zum Abfallprodukt.
- **F-A5/F-A4:** Das Board **ist** die Queue; die verknüpften Läufe **sind** die Historie.
## Umsetzungsreihenfolge
Bewusst so geschnitten, dass der heikle Kern zuletzt und gegen grüne Invarianten kommt:
1. **Modelle + `ITaskRepository` + Schema + Frontmatter-Parser.** Reine, testbare
Bausteine. Der Parser wird eng gebaut (die Frontmatter ist ein kleiner, flacher
Satz aus Skalaren und kurzen Listen) — keine YAML-Bibliothek, passend zum
dependency-armen Stil des Projekts. 4.6-tauglich.
2. **`Taskboard`-Tool + Importer.** Datei ↔ DB, `task_*`-Aktionen. 4.6-tauglich.
3. **Scanner-Kern** (Claim, Dispatch, Reconciliation, Auto-Dispatch) — strikt gegen die
drei Invarianten, mit Property-Tests. Der in der Roadmap für Opus 5/Fable markierte
Teil; mit Opus 4.8 nur streng nach diesem Dokument und mit den Invarianten-Tests als
Netz.
4. **Migration** der `coordination/*.md`.
Neue Subsysteme kommen mit Tests nach der [Teststrategie](Teststrategie.md); die
Invarianten-Tests sind bei Punkt 3 die Absicherung, kein Nice-to-have.
## Offen
- **Nachhol-Politik verpasster Termine** — umgesetzt als „höchstens einmal nachholen":
der Scanner nimmt den jüngsten verpassten Termin, nicht jeden einzelnen. Eine frische
Aufgabe holt zudem keinen Termin von **vor** ihrer Anlage nach. Ob das je Task
abschaltbar sein soll (`catchUp: true|false`), ist offen.
- **Marktkalender (C1)** — der Scanner fragt eine `IMarketCalendar` (derzeit Platzhalter
„immer offen"). C1 liefert später den echten Kalender; die Verzahnung steht.
- **DST-Randfall** — eine bei der Zeitumstellung nicht existierende Ortszeit
(Frühjahr, „02:30") wird derzeit übersprungen statt verschoben. Für die geplanten
Termine unkritisch; die Härtung gehört zur Scheduler-Nacharbeit (Teststrategie R4/R5).
- **Priorität als Reihenfolge** — bei mehreren fälligen Aufgaben desselben Agenten
bestimmt `priority` die Reihenfolge; ob strikt oder gewichtet, ist noch offen.
- **Aufräumen** — `done`/`canceled`-Aufgaben nach einer Frist archivieren, damit
`tasks/` nicht zuwächst (dieselbe Überlegung wie „Verfall" beim Gedächtnis).