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Richard
2026-08-10 10:48:34 +02:00
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# Hardware-ID v2 — Implementierungsvorschlag
Stand: 2026-08-06. Betrifft `LicenseLabrador` (Client + Server) und die
Aufrufseite in ClawdDotNet ([Services/LicenseGate.cs](Services/LicenseGate.cs)).
Anlass: Für den [Linux-Umzug](Linux-Portierung-Analyse.md) muss die
Hardware-Bindung auf beiden Plattformen funktionieren. Bei der Durchsicht sind
dabei zwei Probleme aufgefallen, die **nichts mit Linux zu tun haben**, aber
denselben Code betreffen — die sollten in einem Zug mit erledigt werden.
---
## 1. Befund
### 1.1 Der Rechnername steckt im Hash — das ist das eigentliche Problem
[HardwareId.cs:43](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/HardwareId.cs):
```csharp
rawBuilder.Append(Environment.MachineName); // "for system isolation"
```
Folge: **Ein umbenannter Rechner ist eine neue Maschine.** Er verbraucht einen
weiteren Aktivierungsplatz, und der alte bleibt für immer belegt
(`max_activations` ist standardmäßig 2 — nach zwei Umbenennungen ist die Lizenz
dicht). Das gilt bereits heute unter Windows.
Unter Linux wird daraus ein Totalausfall: In einem Container ist der Hostname
standardmäßig die gekürzte Container-ID, also **bei jedem Start ein anderer**.
Die Lizenz wäre nach dem zweiten `docker run` verbraucht.
Die Absicht („system isolation") ist auch nicht erfüllt: Der Rechnername steht
ohnehin im Feld `hostname`, das der Server bei jeder Prüfung mitschreibt
([LicenseService.php:112](../../LicenseLabrador/server/src/LicenseService.php)).
Diagnostisch verlieren wir nichts, wenn er aus dem Hash verschwindet.
### 1.2 Die MAC-Ausweichlösung ist unter Linux instabil
[HardwareId.cs:86](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/HardwareId.cs)
nimmt die alphabetisch erste physische MAC. Unter Linux:
- Die Stoppwortliste kennt `docker` und `veth`, aber **nicht** `br-` (Bridges),
`virbr` (libvirt), `cni`, `flannel`, `cali` (Kubernetes), `zt` (ZeroTier).
- `NetworkInterfaceType` meldet unter Linux für die meisten virtuellen Geräte
schlicht `Ethernet` — die Typprüfung greift also nicht.
- Bridge- und veth-MACs werden von systemd **je Boot neu zufällig** vergeben.
Sortiert man solche Adressen mit, wechselt die Hardware-ID beim Neustart. Die
Ausweichlösung ist damit unter Linux schlimmer als keine.
### 1.3 Der Zustandsspeicher fällt still auf Klartext zurück
[StateStore.cs:41](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/StateStore.cs)
beim Lesen und `:90` beim Schreiben:
```csharp
try { decryptedData = ProtectedData.Unprotect(rawData, null, ...); }
catch { decryptedData = rawData; } // ← Klartext wird akzeptiert
```
Unter Linux wirft DPAPI immer, also läuft alles über den Klartextzweig. Zwei
Folgen:
- `SECURITY.md` behauptet, der Cache sei „strikt an die `hardware_id` gebunden".
Das stimmt für die *Hülle* (die Prüfung in
[LicenseClient.cs:198](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/LicenseClient.cs)),
nicht für die Cache-Datei selbst.
- Ernster: `max_seen_time` ist die Uhr-Rückdreh-Sperre
([StateStore.cs:107](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/StateStore.cs)).
Wer eine `state.dat` von Hand schreiben kann, setzt den Wert auf 0 und stellt
die Systemuhr zurück. Der Klartext-Rückfall beim **Lesen** macht das möglich,
und zwar auf jeder Plattform, auf der DPAPI nicht greift.
### 1.4 Ablageort bricht bei einem systemd-Dienst weg
[LicenseConfig.cs:22](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/LicenseConfig.cs)
verwendet `Environment.GetFolderPath(SpecialFolder.ApplicationData)`. Läuft der
Dienst unter `User=clawd` ohne Heimatverzeichnis, ist `HOME` nicht gesetzt und
`GetFolderPath` liefert einen **leeren String**. `Path.Combine("", slug,
"license")` ergibt einen relativen Pfad — die Lizenz landet im Arbeitsverzeichnis
oder gar nicht.
### 1.5 Kein Formatkennzeichen, keine Plattformangabe
Die Hardware-ID ist heute ein nackter SHA-256-Hex-String. Es gibt keine
Möglichkeit, im Server zu erkennen, aus welcher Quelle oder von welchem
Betriebssystem eine Aktivierung stammt — und keinen Weg, das Format je zu
wechseln, ohne alle bestehenden Aktivierungen zu verlieren.
**Randnotiz:** `OperatingSystemHelpers.IsWindows()` nutzt
`Environment.OSVersion.Platform == PlatformID.Win32NT`. Das funktioniert
zufällig richtig (Linux liefert `Unix`), ist aber die veraltete API.
`RuntimeInformation.IsOSPlatform(OSPlatform.Windows)` ist in netstandard2.0
verfügbar und der korrekte Weg.
---
## 2. Zielbild: das Format
```
2:<plattform>:<64 Hex-Zeichen>
Beispiele:
2:win:9f3ab7c1… (Windows, MachineGuid)
2:lin:41e0d5aa… (Linux, /etc/machine-id)
2:lin:7c9182ff… (Linux, Vorgabe per Umgebungsvariable)
```
68 Zeichen — passt in `activations.hardware_id VARCHAR(128)` ohne
Schemaänderung. Der Doppelpunkt ist unproblematisch, die Spalte ist
`utf8mb4_unicode_ci` und wird nur verglichen.
Der Hash selbst:
```
sha256( "LicenseLabrador-HWID-v2" ‖ "\n" ‖ plattform ‖ "\n" ‖ quelle ‖ "\n" ‖ rohwert )
```
- **Kein `MachineName`.** (1.1)
- Die Domänenzeichenkette verhindert, dass derselbe Rohwert in anderem
Zusammenhang wiederverwendbar ist.
- `quelle` geht mit in den Hash: Findet der Client später eine bessere Quelle,
ändert sich die ID bewusst und nachvollziehbar, statt zufällig.
Zusätzlich gehen drei neue Felder mit in die Anfrage — **nicht** in den Hash,
nur zur Diagnose und für die Migration:
| Feld | Beispiel | Zweck |
|---|---|---|
| `hwid_version` | `2` | Formaterkennung serverseitig |
| `hwid_source` | `machine-id` | Admin sieht, wie stabil die Bindung ist |
| `legacy_hardware_id` | `<v1-Hash>` | Migration ohne Platzverlust (Abschnitt 4) |
---
## 3. Quellen je Plattform
Reihenfolge = Priorität. Die erste Quelle, die einen nichtleeren, plausiblen Wert
liefert, gewinnt.
### 3.1 Vorgabe (alle Plattformen, höchste Priorität)
```
LicenseConfig.HardwareIdOverride (Code)
LICENSELABRADOR_HWID (Umgebungsvariable)
```
Quelle: `override`. Der Rohwert wird trotzdem gehasht, damit das Format
einheitlich bleibt.
**Das ist der ehrliche Weg für Container und Serverbetrieb.** Heuristik kann dort
nicht gewinnen — in einem Container gibt es keine Hardware, an die man binden
könnte. Der Betreiber setzt einen stabilen Wert, hinterlegt ihn im
Deployment-Geheimnis, und die Bindung ist so verlässlich wie dieser Wert. Eine
Zeile in der systemd-Unit statt eines Ratespiels.
### 3.2 Windows
| # | Quelle | `hwid_source` |
|---|---|---|
| 1 | `HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Cryptography\MachineGuid` (Registry64) | `machine-guid` |
| 2 | Stabile physische MAC (Abschnitt 3.4) | `mac` |
| 3 | Erzeugte Datei (Abschnitt 3.5) | `keyfile` |
Unverändert zu heute — nur ohne `MachineName` im Hash.
### 3.3 Linux
| # | Quelle | `hwid_source` | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 1 | `/etc/machine-id` | `machine-id` | Von systemd bei der Installation erzeugt, überlebt Neustarts und Kernel-Updates. Die richtige Wahl auf einem echten System. |
| 2 | `/var/lib/dbus/machine-id` | `dbus-machine-id` | Ältere Systeme ohne systemd. |
| 3 | `/sys/class/dmi/id/product_uuid` | `dmi-uuid` | SMBIOS-UUID, echte Hardware-Bindung. **Meist nur für root lesbar** (`0400`) — Versuch in `try` einpacken, kein Fehler wenn nicht lesbar. Bei VMs vom Hypervisor gesetzt und dort stabil. |
| 4 | Stabile physische MAC (Abschnitt 3.4) | `mac` | |
| 5 | Erzeugte Datei (Abschnitt 3.5) | `keyfile` | |
Zwei Fallen bei `/etc/machine-id`, die geprüft werden müssen:
- **Leer oder nur Zeilenumbruch.** Auf Systemen mit `systemd-firstboot` oder in
manchen Images existiert die Datei, ist aber leer. Muss als „nicht vorhanden"
behandelt werden, nicht als gültiger Wert — sonst haben *alle* diese
Installationen dieselbe ID.
- **Der Wert `uninitialized`.** Genau diese Zeichenkette schreibt systemd, wenn
die ID im laufenden Betrieb noch nicht festgelegt ist. Ebenfalls verwerfen.
```csharp
private static bool IsPlausibleMachineId(string? v)
=> !string.IsNullOrWhiteSpace(v)
&& v.Trim().Length >= 16
&& !v.Trim().Equals("uninitialized", StringComparison.OrdinalIgnoreCase)
&& v.Trim().Trim('0').Length > 0; // nicht alles Nullen
```
### 3.4 MAC-Ausweichlösung, überarbeitet
Die heutige Fassung nimmt `FirstOrDefault()` der sortierten Liste. Wenn eine
Schnittstelle dazukommt oder wegfällt, kann sich damit die gewählte MAC ändern.
Besser: **alle** gültigen MACs sortiert verketten — dann ändert sich der Wert
nur, wenn sich die Netzwerkausstattung wirklich ändert, und nicht schon, weil
eine Adresse hinzukommt, die vorher sortiert davor lag.
Stoppwortliste erweitern um: `br-`, `virbr`, `cni`, `flannel`, `cali`, `weave`,
`zt`, `tailscale`, `ipsec`, `sit`, `gre`, `dummy`, `bond`, `macvlan`, `ovs`.
Zusätzlich hart ausschließen (unabhängig vom Namen):
- Schnittstellen mit gesetztem **„locally administered"-Bit** (zweites Bit des
ersten Oktetts, `mac[0] & 0x02`). Genau das setzt systemd bei zufällig
erzeugten MACs für veth und Bridges. Ein sauberer, namensunabhängiger Filter —
und der wirksamste von allen.
- Unter Linux zusätzlich prüfen: existiert
`/sys/class/net/<name>/device`? Fehlt das Verzeichnis, hat die Schnittstelle
kein physisches Gerät und ist virtuell. Das ist zuverlässiger als jede
Namensliste.
```csharp
// Namensunabhängig: zufällig erzeugte MACs tragen dieses Bit.
private static bool IsLocallyAdministered(PhysicalAddress addr)
{
var b = addr.GetAddressBytes();
return b.Length > 0 && (b[0] & 0x02) != 0;
}
```
### 3.5 Erzeugte Datei als letzte Stufe
`<StorageDirectory>/machine.key` — 32 Zufallsbytes, Base64, Dateirechte `0600`.
Wird nur angelegt, wenn keine Quelle davor greift.
Das ist eine **Installations-** und keine Hardware-Bindung. Für einen Container
ohne Vorgabe ist das aber die Wahrheit, und mit einem gemounteten Datenverzeichnis
bleibt sie über Container-Neustarts stabil. `hwid_source` = `keyfile` macht dem
Admin sichtbar, dass diese Aktivierung schwächer gebunden ist als die anderen.
Wichtig: Die Datei gehört ins **Datenverzeichnis**, nicht neben die
Programmdatei. Sonst ist sie bei jedem Deployment weg.
---
## 4. Migration v1 → v2 ohne Platzverlust
Der Kern: Der Client kennt **beide** IDs und schickt beide mit. Der Server zieht
die alte Aktivierung auf die neue ID um, statt eine zweite anzulegen.
**Client**`HardwareId` bekommt neben `GetHardwareId()` (v2) ein
`GetLegacyHardwareId()`, das die heutige v1-Berechnung *unverändert* beibehält
(inklusive `MachineName`, damit sie zu bestehenden Aktivierungen passt). Beides
geht in die Anfrage:
```csharp
hardware_id = "2:lin:41e0…",
legacy_hardware_id = "8fa2…", // nur solange v1-Aktivierungen existieren
hwid_version = 2,
hwid_source = "machine-id",
```
**Server** — in `LicenseService::validate`, an der Stelle der heutigen Suche
([LicenseService.php:100](../../LicenseLabrador/server/src/LicenseService.php)):
```
1. Aktivierung mit hardware_id = <v2> suchen
→ gefunden: normaler Weg (last_seen, hostname, app_version aktualisieren)
2. nicht gefunden, und legacy_hardware_id ist gesetzt:
Aktivierung mit hardware_id = <v1> suchen
→ gefunden: UPDATE activations SET hardware_id = <v2>, hwid_version = 2,
hwid_source = <quelle> WHERE id = …
+ audit_log-Eintrag 'hwid_migrated'
→ weiter wie unter 1. KEIN neuer Platz verbraucht.
3. weder noch: neue Aktivierung anlegen, max_activations prüfen (wie heute)
```
Damit wandern alle bestehenden Windows-Installationen beim ersten Start nach dem
Update lautlos auf v2 — niemand merkt etwas, kein Aktivierungsplatz geht
verloren. Das `legacy_hardware_id`-Feld kann nach einer Übergangszeit (etwa zwei
Veröffentlichungen) aus dem Client fallen.
### 4.1 Der lokale Cache muss einmal verworfen werden
Nicht übersehen: Die Hardware-ID geht in zwei weitere Berechnungen ein —
`CalculateHmac(state, licenseKey, _hardwareId)` für die Prüfsumme in
`LicenseResult`
([LicenseClient.cs:272](../../LicenseLabrador/client-dotnet/LicenseLabrador.Client/LicenseClient.cs))
und den Seed des Speicherschutzes (`:287`). Nach dem Formatwechsel schlägt
`VerifyChecksum` für jede zwischengespeicherte Hülle fehl.
Das ist kein Fehler, sondern erwartet — muss aber als **Cache-Fehltreffer**
behandelt werden (einmal online neu prüfen), nicht als
`TamperSuspected`. Sonst sperrt sich jede bestehende Installation beim ersten
Start nach dem Update selbst aus. Der Weg dorthin: Cache-Version im
`LocalCacheData` mitführen (`schema_version: 2`) und einen Datensatz mit
abweichender Version verwerfen, bevor die Prüfsumme überhaupt geprüft wird.
### 4.2 Schemaerweiterung
```sql
ALTER TABLE activations
ADD COLUMN hwid_version TINYINT NOT NULL DEFAULT 1 AFTER hardware_id,
ADD COLUMN hwid_source VARCHAR(32) NULL AFTER hwid_version,
ADD COLUMN platform VARCHAR(8) NULL AFTER hwid_source;
```
Alles mit Vorgabewerten, also rückwärtskompatibel — ein alter Client, der die
Felder nicht schickt, funktioniert unverändert weiter.
---
## 5. Umzug Windows → Linux
Das ist etwas anderes als die Formatmigration: hier wechselt die Maschine
wirklich, die ID muss sich also ändern. Drei Wege, alle drei sinnvoll parallel:
### 5.1 Der Normalfall braucht gar nichts
`max_activations` ist standardmäßig **2**. Ein Windows-Entwicklungsrechner und
ein Linux-Server passen also ohne jeden Eingriff hinein. Für den anstehenden
Umzug ist das wahrscheinlich die ganze Antwort — die anderen beiden Punkte sind
für den Fall danach.
### 5.2 Abmelden vor dem Umzug (existiert, aber nicht erreichbar)
`LicenseService::deactivate` löscht die Aktivierungszeile und gibt den Platz frei
([LicenseService.php:153](../../LicenseLabrador/server/src/LicenseService.php)),
und `LicenseClient.DeactivateAsync` ruft es auf. In ClawdDotNet ist die Methode
aber nur über [LicenseGate.cs:39](Services/LicenseGate.cs) erreichbar und dort
an die GUI gebunden.
Nachzuliefern: ein Kommandozeilenschalter am Host, damit das auch ohne
Oberfläche geht.
```bash
clawddotnet --license-deactivate
```
Das braucht der kopflose Betrieb ohnehin (siehe
[Linux-Portierung-Analyse.md](Linux-Portierung-Analyse.md), 2.6 — der
Lizenzdialog ist ein `MessageBox`, der einen Dienst blockieren würde).
### 5.3 Umbinden aus der Verwaltung (fehlt noch)
Für den Fall, dass die alte Maschine schon weg ist: In
`public/admin/license_detail.php` je Aktivierungszeile eine Schaltfläche
**„Aktivierung freigeben"** (löscht die Zeile, gibt den Platz frei). Ein echtes
„Umbinden" auf eine bekannte neue ID ist unnötig — Freigeben plus Neuaktivierung
auf dem Zielsystem ist derselbe Vorgang mit weniger Code und einer klareren
Spur im Prüfprotokoll.
Beides sollte in `audit_log` landen, mit altem und neuem Wert.
---
## 6. Zustandsspeicher härten
Zusammen mit dem HW-ID-Umbau, weil dieselbe Datei betroffen ist und die
Verschlüsselung den HW-ID als Schlüsselmaterial braucht.
**Format** — feste Hülle statt „mal so, mal so":
```
Magic "LLS2" (4 Byte) │ Nonce (12) │ Ciphertext │ GCM-Tag (16)
```
- **AES-GCM**, Schlüssel abgeleitet aus HW-ID + `ProductSlug` per HKDF-SHA256.
- Auf Windows das Ergebnis **zusätzlich** in DPAPI wickeln (Gürtel und
Hosenträger, kostet nichts).
- Dateirechte `0600` auf Unix.
**Der entscheidende Punkt: den Klartext-Rückfall beim Lesen entfernen.** Eine
Datei, die sich nicht entschlüsseln oder nicht authentifizieren lässt, ist
**kein Cache** — sie wird verworfen und der Client prüft online. Nicht als
Klartext akzeptieren. Genau dieser Rückfall macht heute die
Uhr-Rückdreh-Sperre umgehbar (1.3).
Einmalig weiterhin lesbar bleiben muss das alte Format (Datei ohne `LLS2`-Magic):
einlesen, in v2 neu schreiben, fertig. Nach einer Veröffentlichung kann der Pfad
weg.
### 6.1 netstandard2.0 hat kein AesGcm — Empfehlung: mehrfach zielen
`System.Security.Cryptography.AesGcm` gibt es erst ab .NET Core 3.0, `HKDF` erst
ab .NET 5, `File.SetUnixFileMode` erst ab .NET 7. Das Projekt zielt heute auf
`netstandard2.0`.
Zwei Wege:
1. **`<TargetFrameworks>netstandard2.0;net8.0</TargetFrameworks>`** —
*empfohlen*. ClawdDotNet (net10.0) zieht automatisch das net8.0-Ziel und
bekommt `AesGcm`, `HKDF` und `File.SetUnixFileMode` ohne Umwege. Der
netstandard2.0-Zweig bleibt für andere Abnehmer erhalten und nutzt dort
BouncyCastle. Kosten: ein paar `#if NET8_0_OR_GREATER`-Blöcke an genau drei
Stellen.
2. **Durchgängig BouncyCastle** (`GcmBlockCipher`, `HkdfBytesGenerator`) — die
Bibliothek ist mit `BouncyCastle.Cryptography` bereits als Abhängigkeit da,
also kein neues Paket. Kein Mehrfachziel nötig, aber die Dateirechte bleiben
ein Problem: `chmod` müsste per P/Invoke laufen.
Weg 1 ist sauberer, weil er nebenbei das Dateirechte-Problem löst.
---
## 7. Ablageort (1.4)
Auflösungskette in `LicenseConfig.StorageDirectory`, erste nutzbare gewinnt:
1. Explizit gesetzter Wert (ClawdDotNet setzt ihn künftig — der Host hat ohnehin
eine eigene XDG-Auflösung).
2. `LICENSELABRADOR_STORAGE_DIR`.
3. Unix: `$XDG_CONFIG_HOME/<slug>/license`, sonst `$HOME/.config/<slug>/license`.
4. Windows: `SpecialFolder.ApplicationData` wie heute.
5. Letzter Ausweg: `<AppContext.BaseDirectory>/license`.
**Und in jedem Fall: nie einen leeren Pfad durchlassen.** Der heutige Code kann
`Path.Combine("", …)` erzeugen, ohne dass es auffällt. Ein `if
(string.IsNullOrEmpty(...)) throw` an dieser Stelle ist besser als eine
Lizenzdatei, die im Arbeitsverzeichnis landet und beim nächsten Start nicht mehr
gefunden wird.
---
## 8. Änderungsliste
### LicenseLabrador — Client
| Datei | Was |
|---|---|
| `HardwareId.cs` | Neuschreiben: v2-Format, Quellenkette je Plattform, `GetLegacyHardwareId()`, `HwidSource`/`Platform` als Eigenschaften, MAC-Filter (locally-administered-Bit, `/sys/class/net/*/device`), Plausibilitätsprüfung für machine-id, `machine.key`-Erzeugung |
| `LicenseConfig.cs` | `HardwareIdOverride`, Auflösungskette für `StorageDirectory`, leeren Pfad ausschließen |
| `StateStore.cs` | `LLS2`-Hülle, AES-GCM, `schema_version`, **Klartext-Rückfall beim Lesen entfernen**, v1-Einmalmigration, `0600` |
| `LicenseClient.cs` | Neue Felder in `validate`/`deactivate` senden; Cache mit abweichender `schema_version` als Fehltreffer behandeln, **nicht** als `TamperSuspected` |
| `OperatingSystemHelpers` | `RuntimeInformation.IsOSPlatform`, dazu `IsLinux()`/`IsMacOs()` |
| `LicenseLabrador.Client.csproj` | `netstandard2.0;net8.0` |
### LicenseLabrador — Server
| Datei | Was |
|---|---|
| `sql/schema.sql` + Migrationsskript | `hwid_version`, `hwid_source`, `platform` |
| `src/LicenseService.php` | `legacy_hardware_id` entgegennehmen; Migrationssuche (Abschnitt 4); neue Felder speichern |
| `src/Audit.php` | Ereignisart `hwid_migrated`, `activation_released` |
| `public/admin/license_detail.php` | Quelle/Plattform je Aktivierung anzeigen, „Aktivierung freigeben" |
| `docs/SECURITY.md` | Aussage zur Cache-Bindung korrigieren (1.3) |
### ClawdDotNet
| Datei | Was |
|---|---|
| [Services/LicenseGate.cs](Services/LicenseGate.cs) | `StorageDirectory` explizit setzen; `MessageBox`/`frm_License` hinter eine Schnittstelle (`ILicensePrompt`) legen, damit der kopflose Host eine Konsolenfassung einsetzen kann |
| Host (neu) | `--license-deactivate`, `--license-set-key`, `--license-status` |
| `docs/Integrationsplan-WatchDog-LicenseLabrador.md` | Format v2 und Migrationsweg nachtragen |
---
## 9. Testplan
Das Wichtigste zuerst — die Fälle, die heute schiefgehen würden:
| Fall | Erwartung |
|---|---|
| Rechner umbenennen | **ID unverändert** (Kern von 1.1) |
| Container zweimal starten, `/etc/machine-id` im Abbild | beide Male dieselbe ID |
| Container ohne `machine-id`, Datenverzeichnis gemountet | ID über Neustarts stabil, `hwid_source = keyfile` |
| Container ohne `machine-id`, **ohne** Mount | ID wechselt — muss so sein, und im Protokoll erkennbar |
| `LICENSELABRADOR_HWID` gesetzt | gewinnt gegen alles, `hwid_source = override` |
| `/etc/machine-id` leer bzw. `uninitialized` | wird verworfen, nächste Quelle greift |
| Docker-Bridge und veth vorhanden, keine machine-id | MAC-Wahl ignoriert sie, ID über Neustart stabil |
| Bestehende v1-Windows-Aktivierung, Client aktualisiert | Zeile wird auf v2 umgeschrieben, `max_activations` unverändert, Prüfprotokolleintrag |
| v1-Cache-Datei nach dem Update | einmal online geprüft, dann v2-Cache — **kein** `TamperSuspected` |
| `state.dat` von Hand mit `max_seen_time = 0` | Datei wird verworfen, Uhr-Rückdreh-Sperre bleibt wirksam |
| systemd-Dienst ohne `HOME` | Ablageort auflösbar, keine Datei im Arbeitsverzeichnis |
| Alter Client gegen neuen Server | funktioniert unverändert (Felder haben Vorgabewerte) |
| Neuer Client gegen alten Server | funktioniert, Zusatzfelder werden ignoriert |
Die letzten beiden Zeilen sind nicht optional: Client und Server werden nicht
gleichzeitig ausgerollt.
---
## 10. Aufwand
| Block | PT |
|---|---:|
| `HardwareId` v2 samt Quellenkette, MAC-Filter, `machine.key` | 23 |
| Client mehrfach zielen + `StateStore`-Härtung | 23 |
| Server: Migrationssuche, Schema, Prüfprotokoll, Verwaltungsansicht | 23 |
| ClawdDotNet: `ILicensePrompt`, Lizenz-Kommandozeile | 12 |
| Tests (Container-Fälle brauchen echtes Docker) und Abnahme | 12 |
| **Summe** | **813** |
Das ist mehr als die 35 PT, die in der Linux-Analyse für „Lizenz" standen —
weil dort nur die Plattformverträglichkeit gerechnet war. Die Punkte 1.1 und 1.3
sind bestehende Fehler, die unabhängig vom Umzug behoben werden sollten; sie
machen den Unterschied aus.
Der Block ist **unabhängig vom übrigen Linux-Umzug** und kann sofort beginnen —
er hängt an keiner der offenen GUI-Entscheidungen.
---
## 11. Was ich anders machen würde als heute — kurz begründet
Drei Entscheidungen im Vorschlag verdienen eine Begründung, weil sie vom
bisherigen Ansatz abweichen:
**Rechnername raus.** Er ist der Grund, warum die heutige Bindung fragiler ist
als nötig, und er trägt nichts bei, was `activations.hostname` nicht schon
festhält. Eine Bindung, die bei einer Umbenennung bricht, bindet nicht an
Hardware, sondern an eine Konfiguration.
**Vorgabe per Umgebungsvariable statt besserer Heuristik für Container.** Man
kann eine Container-Umgebung nicht sinnvoll erraten — es gibt dort keine
Hardware. Jede zusätzliche Heuristik verschiebt nur, wo es falsch wird. Eine
explizite Vorgabe ist ein bewusster Betreiberentscheid, in der Unit-Datei
sichtbar, im Prüfprotokoll nachvollziehbar.
**Kein Klartext-Rückfall, auch nicht „zur Sicherheit".** Der heutige Rückfall
sollte Robustheit bringen, kostet aber genau die Eigenschaft, für die der Cache
existiert. Ein verworfener Cache bedeutet: einmal online prüfen. Das ist der
mildere Schaden — und wer keine Verbindung hat, hat immer noch die
Offline-Gnadenfrist aus der signierten Hülle, die von dieser Datei nicht abhängt.