# ClawdDotNet — Bestandsaufnahme (Juli 2026) Vollständiges Review von Core-Engine, Security-Layer, Tools, Scheduling und UI. Stand: Commit `92e50d3`. **Kurzfassung:** Die Architektur ist gut — die Trennung Core/Tools/UI, das `IAgentTool`-Interface, der Tool-Job-Mechanismus und das Instanz-Konzept tragen. Die Probleme liegen fast alle in drei Bereichen: (1) Sicherheitsprüfungen, die als String-Vergleiche implementiert sind und deshalb umgehbar sind, (2) fehlende Nebenläufigkeits-Absicherung im geteilten Chat-Kontext, (3) kein Prompt-Caching — der mit Abstand größte Kostenhebel. --- ## 1. Kritische Sicherheitslücken (P0) ### S1 — DatabaseTool: Tabellen-Whitelist ist vollständig umgehbar [`DatabaseTool.cs:218`](../src/ClawdDotNet.Tools.Database/DatabaseTool.cs#L218) ```csharp return allowed.Any(t => t != null && inputLower.Contains(t)); ``` Die Prüfung sucht den erlaubten Tabellennamen *irgendwo* im SQL-String — auch in einem Kommentar oder String-Literal. Bei `allowedTables: ["prices"]` und `accessLevel: ReadWrite`: ```sql DELETE FROM users -- prices ``` `IsWriteAttempt` → true (ReadWrite erlaubt), `IsTableAllowed` → true (enthält "prices"). Die `users`-Tabelle wird gelöscht. Gleiches gilt für jede beliebige andere Tabelle. Zusätzlich: - `IsWriteAttempt`/`IsAdminAttempt` ([Z.189/195](../src/ClawdDotNet.Tools.Database/DatabaseTool.cs#L189)) sind ebenfalls Substring-Prüfungen → False Positives (`SELECT * FROM prices WHERE note='update'` wird als Schreibzugriff blockiert). - Mehrere Statements pro Aufruf sind nicht unterbunden (`;`-Verkettung). - Query-Ergebnisse haben kein `LIMIT` → eine Tabelle mit 100k Zeilen landet komplett im Kontext. **Fix:** Echtes SQL-Parsing (z.B. via `Microsoft.SqlServer.TransactSql.ScriptDom` für MSSQL bzw. einem generischen Tokenizer), oder — deutlich robuster — den freien SQL-Zugriff durch vordefinierte, parametrisierte Named Queries ersetzen. Freies SQL vom LLM ist grundsätzlich schwer abzusichern. ### S2 — SocialMediaManager: Kommando-Injection über yt-dlp [`SocialMediaManagerTool.cs:442`](../src/ClawdDotNet.Tools.SocialMediaManager/SocialMediaManagerTool.cs#L442), auch Z.484 und Z.490 ```csharp var psi = new ProcessStartInfo(ytDlpPath, $"--print \"%(id)s\" --playlist-end 1 {channelUrl}") ``` `channelUrl` stammt aus dem Agenten-Input und wird ungequotet in die Argumentliste interpoliert. `UseShellExecute = false` verhindert Shell-Metazeichen, aber **nicht** Options-Injection: yt-dlp kennt `--exec`, das beliebige Befehle nach dem Download ausführt. Ein Wert wie `--exec "cmd /c ..." https://youtube.com/...` führt zu Codeausführung. Kritisch wird das, weil der Agent untrusted Content verarbeitet (YouTube-Titel, X-Posts, Mails) — eine Prompt-Injection in abgerufenen Inhalten kann den Agenten dazu bringen, genau so einen "URL"-Parameter zu setzen. **Fix:** `ProcessStartInfo.ArgumentList` verwenden (quotet korrekt), zusätzlich die URL gegen eine Regex validieren (`^https://(www\.)?(youtube\.com|youtu\.be)/…`) und `--`-Separator vor dem URL-Argument setzen. ### S3 — DirectAPI: API-Keys landen im Modell-Kontext [`DirectAPITool.cs:83`](../src/ClawdDotNet.Tools.DirectAPI/DirectAPITool.cs#L83), auch Z.99, 154, 177, 263 ```csharp var url = $"https://api.twelvedata.com/quote?symbol={symbol}&apikey={apiKey}"; … return CreateSuccessResult(fetchedAt, dataAsOf, url, json.Value); // url → "source" ``` Die vollständige URL inklusive `apikey=` wird als `source` an das Modell zurückgegeben. Damit landet der Key: - im Chat-Kontext → wird bei **jedem** Folge-Request erneut an OpenRouter gesendet, - in `ChatContext.json` auf der Platte, - in den Logs. **Fix:** Key als Header senden statt als Query-Parameter (wo möglich), und in `source` grundsätzlich eine bereinigte URL zurückgeben (Query-String entfernen oder `apikey` maskieren). ### S4 — PermissionGate ist faktisch wirkungslos [`PermissionGate.cs:7`](../src/ClawdDotNet.Core/Security/PermissionGate.cs#L7) ```csharp public bool IsAllowed(string agentId, string toolName, AgentConfig agentConfig) => agentConfig.Tools.ContainsKey(toolName); ``` Der einzige Check ist "Tool ist dem Agenten zugewiesen" — was `ToolRegistry.GetForAgent` ohnehin schon filtert. Der `agentId`-Parameter wird nicht verwendet. Es gibt keine Aktions-Granularität (lesen vs. schreiben vs. senden), kein Rate-Limiting, kein Audit. Die gesamte Sicherheit liegt ad-hoc in den einzelnen Tools — jedes mit eigener, inkonsistenter Logik. **Fix:** Das Gate zum zentralen Policy-Punkt ausbauen: Aktions-Ebene (`Tool.Action`), Rate-Limits pro Agent/Tool/Zeitfenster, Audit-Log jedes Aufrufs mit Argumenten, und ein Approval-Hook für irreversible Aktionen (siehe F-A1). ### S5 — WebFetch: kein SSRF-Schutz bei Redirects [`WebFetchTool.cs:58`](../src/ClawdDotNet.Tools.WebFetch/WebFetchTool.cs#L58) Die Domain-Whitelist wird nur auf die *ursprüngliche* URL angewendet. `HttpClient` folgt Redirects standardmäßig — eine erlaubte Domain kann auf `http://169.254.169.254/`, `http://localhost:8418/` (dein Gitea!) oder beliebige interne Hosts weiterleiten. Nebenbei: `uri.Host.Replace("www.", "")` ([Z.59](../src/ClawdDotNet.Tools.WebFetch/WebFetchTool.cs#L59)) ersetzt das Fragment überall im Hostnamen, nicht nur am Anfang. **Fix:** `HttpClientHandler { AllowAutoRedirect = false }` und Redirects manuell auflösen, dabei jede Zwischen-URL erneut gegen die Whitelist prüfen. Zusätzlich private IP-Bereiche (RFC1918, Loopback, Link-Local) hart blockieren. ### S6 — FileRW: Path-Traversal-Prüfung per Präfix [`FileRWTool.cs:211`](../src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs#L211) ```csharp if (!fullPath.StartsWith(rootPath, StringComparison.OrdinalIgnoreCase)) ``` Ohne abschließenden Verzeichnis-Separator: Root `C:\Instances\Dev\Workspace` erlaubt Zugriff auf `C:\Instances\Dev\Workspace-Backup\…`. In der aktuellen Verzeichnisstruktur nicht direkt ausnutzbar, aber eine Zeitbombe. **Fix:** `rootPath` mit `Path.DirectorySeparatorChar` terminieren, oder besser `Path.GetRelativePath` + Prüfung auf `..`-Präfix. ### S7 — Secrets im Klartext `openRouterApiKey`, DB-`connectionString` (mit Passwort), Mail-`password`, Telegram-`password2FA` liegen unverschlüsselt in `AgentSettings.json` / `InstanceConfig.json` ([`InstanceConfig.cs:46`](../src/ClawdDotNet.Core/Config/InstanceConfig.cs#L46)). **Fix:** DPAPI (`ProtectedData.Protect` mit `CurrentUser`-Scope) für alle Secret-Felder, oder Windows Credential Manager. Zumindest sollten die Felder beim Speichern verschlüsselt und erst zur Laufzeit entschlüsselt werden. --- ## 2. Bugs (P1) ### B1 — ContextCompactor zerstört die tool_call-Paarung ⚠️ [`ContextCompactor.cs:140`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/ContextCompactor.cs#L140) ```csharp var tail = messages.Skip(Math.Max(0, messages.Count - ProtectedTailMessages)).ToList(); messages.Clear(); … messages.AddRange(tail); ``` Die letzten 6 Nachrichten werden blind übernommen. Wenn die Grenze mitten in einer Tool-Sequenz liegt, beginnt der Tail mit einer `tool`-Nachricht, deren zugehörige `assistant`-Nachricht mit `tool_calls` gerade gelöscht wurde. Die OpenRouter/Anthropic-API lehnt das mit HTTP 400 ab ("tool_result without preceding tool_use"). Das passiert **genau dann**, wenn der Kontext lang wird — also im wichtigsten Moment. Bei einer typischen Sequenz `assistant(2 tool_calls) → tool → tool` ist die Wahrscheinlichkeit hoch. **Fix:** Die Tail-Grenze auf einen sicheren Schnittpunkt verschieben — rückwärts suchen bis zu einer Nachricht mit Rolle `user` oder `assistant` ohne `tool_calls`. Analog muss ein `assistant` mit `tool_calls` am Ende immer seine vollständigen `tool`-Antworten behalten. ### B2 — Race Condition auf dem geteilten Chat-Kontext ⚠️ [`AgentEngine.cs:250`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L250) und Z.268/316/322 `_chatContexts[agentId]` ist eine geteilte `List`. Nur der *Lookup* läuft unter `_lock` — alle `messages.Add(...)` im Loop passieren ungeschützt. Für denselben Agenten kann `ChatAsync` mehrfach parallel laufen: - Telegram-/Mail-ToolJob weckt den Agenten (`ToolJobScheduler.cs:187`), - der Benutzer schickt gleichzeitig eine WebView-Nachricht, - ein anderer Agent ruft `send_message` auf (`AgentEngine.cs:528`). Folgen: `List`-Korruption (nicht threadsicher), verschränkte Tool-Call-Sequenzen → API-400-Fehler, und `_runningChats[agentId] = linkedCts` überschreibt den vorherigen Eintrag, sodass `AbortChat` nur den zuletzt gestarteten Lauf abbricht. **Fix:** Pro Agent ein `SemaphoreSlim(1,1)`, das den gesamten `ChatAsync`-Durchlauf serialisiert. Wartende Nachrichten in eine Queue statt parallel starten. ### B3 — `maxTokens` vermischt Abrechnungs-Budget und Kontextgröße ⚠️ [`LoopGuard.cs:22`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/LoopGuard.cs#L22), Defaults in [`AgentConfig.cs:105`](../src/ClawdDotNet.Core/Config/AgentConfig.cs#L105) `RecordTokens` summiert `response.Usage.TotalTokens` über alle Schritte. Da jeder Schritt den **kompletten** Kontext erneut sendet, wächst diese Summe quadratisch: | Schritt | Kontext | kumuliert | |---|---|---| | 1 | 20.000 | 20.000 | | 2 | 21.000 | 41.000 | | 3 | 22.000 | 63.000 | | 4 | 23.000 | **86.000** → Abbruch | Mit `maxTokens: 80_000` bricht ein völlig normaler Chat nach 4 Schritten mit "Max tokens exceeded" ab, obwohl der Kontext nie über 23k lag. Das ist vermutlich die häufigste Frustquelle im laufenden Betrieb. **Fix:** Zwei getrennte Begriffe: - `maxCumulativeTokens` — Kostenbudget pro Run (bewusst hoch, z.B. 500k) - `maxContextTokens` — Kontextgröße, steuert die Compaction (existiert bereits) und beide getrennt im UI ausweisen. ### B4 — Kostenanzeige ist doppelt falsch [`frm_main.cs:292`](../frm_main.cs#L292) ```csharp _statusService?.RecordUsage(model, result.TokensUsed / 2, result.TokensUsed / 2); ``` 1. **50/50-Aufteilung**: Reales Verhältnis in Agenten-Loops ist eher 95:5 (Prompt:Completion). Da Output ~5x teurer ist, überschätzt die Anzeige die Kosten um Faktor ~2,5. 2. **Modell fehlt in der Preistabelle**: `AgentConfig.Model` hat den Default `anthropic/claude-sonnet-4-5` — dieser Eintrag existiert in `ModelPricing` ([`OpenRouterStatusService.cs:15`](../Services/OpenRouterStatusService.cs#L15)) nicht. `CalculateCost` gibt dann stillschweigend `0` zurück. Die Tabelle ist zudem veraltet (`claude-sonnet-4`, `claude-opus-4`, `claude-haiku-4.5`). **Fix:** `Usage` um `PromptTokens`/`CompletionTokens` erweitern und bis in `AgentRunResult` durchreichen. Preise live vom `/models`-Endpoint holen (liefert `pricing.prompt`/`pricing.completion`) statt hartzucodieren. Bei unbekanntem Modell sichtbar warnen statt 0 anzuzeigen. ### B5 — Tool-Ergebnisse landen ungekappt im Kontext Ein einziger `WebFetch` mit dem Default `maxResponseKb: 512` ([`WebFetchTool.cs:90`](../src/ClawdDotNet.Tools.WebFetch/WebFetchTool.cs#L90)) erzeugt bis zu 512 KB Text ≈ **130.000 Tokens** in einer einzigen Tool-Antwort. `FileRW.read` ([`FileRWTool.cs:245`](../src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs#L245)) hat gar kein Limit, `Database.query` und `Mail.read_inbox` ebenfalls nicht. Gekürzt wird erst nachträglich in der Compaction — und dort nur außerhalb der letzten 6 Nachrichten. Der teure Request ist zu dem Zeitpunkt längst bezahlt. **Fix:** Kappung beim Einfügen in `ExecuteToolCallAsync` ([`AgentEngine.cs:668`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L668)) — zentral, für alle Tools, mit konfigurierbarem `maxToolResultTokens` und einem Hinweis an das Modell, dass gekürzt wurde (inkl. Angebot, gezielt nachzulesen). ### B6 — `Task.Delay` wirft bei langen Cron-Intervallen [`AgentScheduler.cs:89`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/AgentScheduler.cs#L89) und [`ToolJobScheduler.cs:126`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/ToolJobScheduler.cs#L126) `Task.Delay` wirft `ArgumentOutOfRangeException` bei Werten über ~24,8 Tagen. Ein jährlicher Cron (`0 3 1 1 *`) erzeugt eine Wartezeit von bis zu 365 Tagen. Der `catch` fängt nur `OperationCanceledException` — die Exception beendet den Scheduler-Task still. Da die Tasks in `_schedulerTasks` nie beobachtet werden (`await` erst beim Dispose), fällt das nicht auf: der Job läuft ab dann einfach nie wieder. **Fix:** Delay auf max. 1 Tag deckeln und in einer Schleife erneut prüfen. Zusätzlich alle Scheduler-Tasks mit einem `ContinueWith`-Fehler-Logger versehen. ### B7 — Cron rechnet in Lokalzeit [`CronExpression.cs:51`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/CronExpression.cs#L51) mit `DateTime.Now`. Bei Zeitumstellung: im Oktober läuft ein `0 2 * * *`-Job doppelt, im März gar nicht. **Fix:** Intern in UTC rechnen und nur für die Anzeige konvertieren, oder `TimeZoneInfo` explizit berücksichtigen. ### B8 — Keine Rekursionsbremse bei AgentComm / AgentSpawn [`AgentEngine.cs:510`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L510) Agent A ruft `send_message(B)` → `ChatAsync(B)` → B ruft `send_message(A)` → … Es gibt keine Tiefenbegrenzung und keinen Zyklus-Check. Bei `SpawnAgentAsync` schützt immerhin der `IsRunning`-Check, bei `send_message` nicht. Begrenzt wird das nur durch die Timeouts — in der Zwischenzeit brennt jeder Hop einen vollständigen LLM-Run. **Fix:** Aufruf-Tiefe im `AgentToolContext` mitführen (`maxDelegationDepth`, Default 3) und den Aufrufpfad zur Zyklenerkennung mitgeben. ### B9 — `index_Count` liest die Datei außerhalb des Locks erneut [`FileRWTool.cs:569`](../src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs#L569) ruft [`index_Count`](../src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs#L572) auf, nachdem das Lock freigegeben wurde — Race mit parallelen `stock_add`-Aufrufen, plus ein überflüssiges vollständiges Parsen der Index-Datei. Der Zähler ist innerhalb des Locks ohnehin bekannt (`index.Count`). ### B10 — `PersistChatState` schreibt bei jedem Eintrag alles neu [`AgentEngine.cs:593`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L593) Vollständige History **und** vollständiger Kontext werden als `WriteIndented`-JSON bei jedem einzelnen Chat-Eintrag rausgeschrieben → O(n²) Schreiblast über eine Sitzung. Bei einem Agenten mit 500 Nachrichten sind das mehrere MB pro Nachricht. **Fix:** History als Append-only JSONL, Kontext nur periodisch/beim Beenden persistieren, `WriteIndented = false`. ### B11 — Kein `max_tokens` im Request [`AgentEngine.cs:105`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L105) und Z.279 setzen `ChatRequest.MaxTokens` nie. Ein Modell kann in einem Schritt sein volles Output-Limit ausschöpfen. ### B12 — Kein Retry/Backoff [`OpenRouterClient.cs:42`](../src/ClawdDotNet.Core/Api/OpenRouterClient.cs#L42) wirft bei jedem Nicht-2xx sofort. Ein einzelnes HTTP 429 killt einen kompletten geplanten Run. Bei OpenRouter sind 429/502/503 im Normalbetrieb zu erwarten. **Fix:** Polly o.ä. mit exponentiellem Backoff + Jitter für 429/5xx, `Retry-After` respektieren. ### B14 — Compaction dupliziert den System-Prompt bei kurzen Konversationen ⚠️ [`ContextCompactor.cs:140`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/ContextCompactor.cs#L140) *Gefunden durch den Property-Test, nicht beim Lesen des Codes.* ```csharp var tail = messages.Skip(Math.Max(0, messages.Count - ProtectedTailMessages)).ToList(); messages.Clear(); if (systemMsg is not null) messages.Add(systemMsg); // ← System-Prompt … messages.AddRange(tail); // ← enthält ihn nochmal ``` Bei `messages.Count <= 6` ist `Skip(0)` — der Tail enthält also **alle** Nachrichten einschließlich der System-Nachricht. Diese wird danach ein zweites Mal angehängt. Ergebnis: zwei `system`-Nachrichten, die zweite mitten in der Konversation. Zusätzlich wird die komplette Konversation dupliziert, obwohl sie gerade zusammengefasst wurde — die Compaction *vergrößert* den Kontext in diesem Fall, statt ihn zu verkleinern. Erreichbar, sobald wenige Nachrichten die Token-Schwelle reißen — z.B. ein einzelner `WebFetch` mit 500 KB Ergebnis (siehe B5). Minimales Gegenbeispiel aus FsCheck: System-Prompt + eine User-Nachricht. **Fix:** Den System-Prompt aus dem Tail herausfiltern, bevor er wieder angehängt wird — und den Tail generell erst ab der Position hinter der System-Nachricht bilden. ### B13 — Inkonsistente `instanceId` `RunAsync`/`ChatAsync` bekommen `instanceId` als Parameter, `SendMessageAsync`/`SpawnAgentAsync` verwenden dagegen das Feld `_instanceId`, das nur gesetzt wird, wenn `SetAgentConfigProvider` aufgerufen wurde — sonst `""`. --- ## 3. Konzeptfehler (P2) ### K1 — Geplante Agenten haben kein Gedächtnis `RunAsync` baut bei jedem Cron-Tick eine frische Nachrichtenliste ([`AgentEngine.cs:89`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L89)). Ein Agent, der alle 30 Minuten läuft, weiß nichts von seinem letzten Lauf: er ruft dieselben Quellen erneut ab, zieht dieselben Schlüsse und kann keine Entwicklung über Zeit verfolgen. Das ist gleichzeitig die größte Fähigkeitslücke **und** eine dauerhafte Token-Verschwendung. Der `IStateStore` (SQLite) existiert bereits — es fehlt das Konzept darüber. ### K2 — Prompt-Injection ist unbehandelt Agenten lesen untrusted Content (Web, Mail, Telegram, X, YouTube-Transkripte) und besitzen gleichzeitig ausgehende Fähigkeiten (Mail senden, X posten, Dateien schreiben, DB schreiben). Tool-Ergebnisse werden ununterscheidbar von echten Anweisungen in den Kontext gelegt. Das ist die klassische gefährliche Kombination aus Datenzugriff, untrusted Input und Exfiltrations-Kanal. Ein präparierter Tweet oder eine Mail kann den Agenten steuern. **Ansatz:** Tool-Ergebnisse konsequent als Daten rahmen (``), im System-Prompt verankern, dass daraus keine Anweisungen befolgt werden, und irreversible Aktionen an eine Freigabe koppeln (siehe F-A1). ### K3 — Keine Tests Kein Testprojekt in `ClawdDotNet.slnx`. Bei einer Engine mit Zustandsmaschine, Compaction, Scheduling und Nebenläufigkeit ist das riskant — die Bugs B1 und B2 wären mit Unit-Tests sofort aufgefallen. **Ansatz:** `ClawdDotNet.Core.Tests` mit einem Fake-`OpenRouterClient` (Interface extrahieren). Erste Kandidaten: `CronExpression`, `ContextCompactor` (Paarungs-Invarianten!), `LoopGuard`, `FileRWTool`-Pfadprüfungen. ### K4 — Kein Streaming `request.Stream = false` fest verdrahtet ([`OpenRouterClient.cs:34`](../src/ClawdDotNet.Core/Api/OpenRouterClient.cs#L34)). Bei langen Antworten wirkt die UI eingefroren; es gibt nur den Typing-Indicator. ### K5 — Kein Kostenlimit Es gibt kein hartes Budget pro Agent/Instanz/Tag. Ein Agent in einer Schleife (siehe B8) kann unbeaufsichtigt Guthaben verbrennen. Die Credits-Anzeige ist rein informativ. ### K6 — Chat-Historie wächst unbegrenzt `_chatHistories` und die zugehörigen JSON-Dateien werden nie rotiert oder archiviert. --- ## 4. Token-Optimierung Das ist der Bereich mit dem größten unmittelbaren Hebel. Nach Wirkung sortiert: ### T1 — Prompt-Caching einführen (Einsparung: 60–90 % der Input-Tokens) ★★★ Der wichtigste Punkt. Aktuell wird bei **jedem** Schritt der gesamte Prompt neu gesendet und voll berechnet — inklusive System-Prompt (Identity + Soul + SystemPrompt) und aller Tool-Definitionen. Das ist ein stabiler Präfix, der sich innerhalb eines Runs nie ändert. Anthropic-Modelle über OpenRouter unterstützen `cache_control`-Breakpoints: gecachte Input-Tokens kosten nur ~10 % des Normalpreises (Schreiben in den Cache kostet einmalig ~125 %). **Rechenbeispiel** — 10-Schritt-Run, Präfix 15k Tokens (System + 10 Tool-Definitionen): | | Input-Tokens (Präfix) | relative Kosten | |---|---|---| | heute | 10 × 15.000 = 150.000 | 100 % | | mit Caching | 15.000 (×1,25) + 9 × 15.000 (×0,1) ≈ 32.250 effektiv | **~21 %** | Umsetzung: 1. `ChatMessage.Content` muss das Array-Format unterstützen (`[{ "type": "text", "text": "...", "cache_control": { "type": "ephemeral" } }]`). Aktuell ist es ein reiner `string` ([`ChatMessage.cs:12`](../src/ClawdDotNet.Core/Api/Models/ChatMessage.cs#L12)). 2. Cache-Breakpoint ans Ende des System-Prompts und ans Ende der Tool-Definitionen setzen. 3. Optional einen dritten Breakpoint nach der letzten stabilen Konversationsgrenze (rollierend). 4. `Usage` um `prompt_tokens_details.cached_tokens` erweitern, damit der Effekt messbar wird. Wichtig: Die Reihenfolge der Nachrichten vor dem Breakpoint muss **byte-identisch** bleiben — d.h. keine Zeitstempel oder wechselnden Hinweise im System-Prompt. ### T2 — Tool-Ergebnisse beim Einfügen kappen (Einsparung: stark schwankend, bis 90 %) ★★★ Siehe B5. Ein einziger ungekappter `WebFetch` kann mehr Tokens erzeugen als der gesamte restliche Run. Zentral in `ExecuteToolCallAsync` lösen, nicht pro Tool. Sinnvolle Defaults: 4.000 Tokens pro Tool-Ergebnis, mit Kürzungshinweis und der Möglichkeit, gezielt weiterzulesen (Offset-Parameter bei `FileRW.read`, `LIMIT`/`OFFSET` bei `Database.query`). ### T3 — Günstiges Modell für die Compaction (Einsparung: ~95 % der Compaction-Kosten) ★★ [`ContextCompactor.cs:114`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/ContextCompactor.cs#L114) nutzt `model` — also das teure Modell des Agenten — um bis zu 30k Zeichen zusammenzufassen. Bei Opus kostet eine einzige Compaction so mehr als der halbe Run. **Fix:** `summaryModel` konfigurierbar machen, Default z.B. `google/gemini-2.5-flash` oder `anthropic/claude-haiku-4.5`. Zusammenfassen ist eine anspruchslose Aufgabe. ### T4 — Proaktiv statt reaktiv kompaktieren ★★ `CompactIfNeededAsync` läuft **nach** dem API-Call ([`AgentEngine.cs:123`](../src/ClawdDotNet.Core/Engine/AgentEngine.cs#L123)) und nutzt die `promptTokens` der gerade bezahlten Anfrage. Der überfüllte Prompt wurde also bereits berechnet. **Fix:** Vor dem Senden prüfen (mit `EstimateTokens`, das es schon gibt) und erst dann den Request bauen. Die gemessenen `promptTokens` dienen zur Kalibrierung der Schätzung. ### T5 — `maxTokens`-Semantik korrigieren ★★ Siehe B3. Aktuell führt der Fehler dazu, dass Läufe abbrechen und **neu gestartet** werden — was die Tokenkosten verdoppelt statt sie zu begrenzen. ### T6 — Tool-Definitionen verschlanken ★ Die Beschreibungen sind großzügig: `FileRW` allein hat ~500 Zeichen Description plus ein Schema mit 11 Properties ≈ 900 Tokens ([`FileRWTool.cs:26`](../src/ClawdDotNet.Tools.FileRW/FileRWTool.cs#L26)). Bei 8 zugewiesenen Tools sind das schnell 4–6k Tokens — bei **jedem** Schritt (ohne Caching). Maßnahmen: - Beschreibungen auf das Nötige kürzen, Beispiele in den System-Prompt statt ins Schema. - `stock_add` aus `FileRW` herauslösen — es ist ein fachfremdes Feature, das das Schema aufbläht, auch für Agenten, die es nie nutzen. - Für Agenten mit vielen Tools: zweistufiges Laden (`list_toolsets` → `load_toolset`). ### T7 — `RunAsync` statt `ChatAsync` für Job-Wakeups prüfen ★ [`ToolJobScheduler.cs:186`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/ToolJobScheduler.cs#L186) entscheidet über `UseChatContext`. Mit `true` wird die komplette (potenziell riesige) Chat-Historie in einen "Prüfe neue Mails"-Tick gezogen. Für zustandslose Ticks ist `RunAsync` um Größenordnungen günstiger — der Default sollte bewusst gesetzt und im UI erklärt sein. ### T8 — `max_tokens` setzen ★ Siehe B11. Verhindert Ausreißer bei der Ausgabe (die teuerste Token-Art). ### T9 — Caching-Wirkung messbar machen ★ Ohne `cached_tokens` im `Usage`-Modell lässt sich der Erfolg von T1 nicht belegen. Sollte zusammen mit T1 kommen und im Token-Dashboard auftauchen. ### Erwartete Gesamtwirkung T1 + T2 + T3 + T4 zusammen sollten die Kosten eines typischen Multi-Step-Runs auf **etwa ein Viertel bis ein Fünftel** senken — ohne Qualitätsverlust, da nur Redundanz und Ballast entfernt werden. --- ## 5. Vorschläge für Erweiterungen ### Neue Tools | Tool | Nutzen | |---|---| | **Memory** | Strukturiertes Langzeitgedächtnis (Fakten, Entscheidungen, Beobachtungen mit Zeitstempel) auf dem vorhandenen SQLite-Store. Löst K1 und spart massiv Tokens, weil Wissen nicht neu hergeleitet wird. **Höchste Priorität.** | | **WebSearch** | Aktuell können Agenten nur bekannte Domains abrufen (`WebFetch`), aber nichts finden. Brave/Tavily/SearXNG-Anbindung. | | **Http** | Generisches REST-Tool mit Allowlist pro Agent. `DirectAPI` ist fest auf Finanz-Provider verdrahtet — jede neue API erfordert heute Code. | | **Shell** | Sandboxed, mit Kommando-Allowlist. Ersetzt die hartcodierten yt-dlp/ffmpeg-Aufrufe (und behebt S2 gleich mit). | | **Git** | Für den "Senior Developer"-Agenten — jetzt, wo das Projekt in Git liegt. | | **Vision** | Charts/Screenshots analysieren — für das Trading-Team naheliegend. | | **Notify** | Einheitliche Benachrichtigung (Telegram existiert; ntfy/Discord/Push ergänzen). | ### Neue Konzepte **F-A1 — Freigabe-Workflow (Human-in-the-Loop)** Irreversible Aktionen (Mail senden, X posten, DB-Schreibzugriff, Datei löschen) landen in einer Freigabe-Queue im Hauptfenster, statt sofort ausgeführt zu werden. Pro Tool/Aktion konfigurierbar: `auto` | `approve` | `deny`. Das entschärft K2 und S1/S2 erheblich. **F-A2 — Audit-Log** Jeder Tool-Aufruf mit Agent, Zeitstempel, Argumenten, Ergebnis-Status in eine eigene SQLite-Tabelle. Aktuell existiert nur `LogDebug` — nach einem Zwischenfall ist nicht rekonstruierbar, was ein Agent getan hat. **F-A3 — Budget-Guard** Hartes USD-Limit pro Agent und pro Instanz und Tag. Bei Überschreitung wird der Agent pausiert und im UI markiert. Setzt B4 (korrekte Kostenerfassung) voraus. **F-A4 — Run-Historie** `AgentRunResult` wird aktuell nur im Speicher als "letztes Ergebnis" gehalten ([`AgentScheduler.cs:14`](../src/ClawdDotNet.Core/Scheduling/AgentScheduler.cs#L14)). Persistierte Runs (mit Schritten, Tokens, Kosten, Fehlern) wären die Grundlage für Diagnose und Kostenanalyse. **F-A5 — Task-Queue statt rekursivem `send_message`** Agent-zu-Agent-Kommunikation läuft heute als synchrone Rekursion (B8). Eine echte Aufgaben-Queue mit Zustand (`pending`/`running`/`done`) wäre robuster, nachvollziehbar und würde Zyklen strukturell verhindern. **F-A6 — Secret-Store** DPAPI-verschlüsselte Secrets (S7), mit UI zum Setzen/Rotieren. **F-A7 — Testprojekt** Siehe K3. --- ## 6. Vorgeschlagene Reihenfolge **Sofort — es blockiert oder gefährdet den Betrieb** 1. B1 Compaction-Paarung (bricht produktiv ab) 2. B3 `maxTokens`-Semantik (bricht produktiv ab) 3. B2 Race Condition im Chat-Kontext 4. S2 yt-dlp-Injection 5. S3 API-Key-Leak **Kurzfristig — größter Nutzen pro Aufwand** 6. T1 Prompt-Caching 7. T2 Tool-Ergebnisse kappen (= B5) 8. T3 Günstiges Compaction-Modell 9. B4 Kostenerfassung korrigieren 10. B12 Retry/Backoff **Mittelfristig — Fundament** 11. S1 DatabaseTool absichern 12. Memory-Tool (K1) 13. F-A1 Freigabe-Workflow + F-A2 Audit-Log 14. K3 Testprojekt 15. S4 PermissionGate ausbauen **Danach** 16. Restliche Bugs (B6–B10, B13), S5–S7, weitere Tools, Streaming