Der Stand lag ueber eine Bestandsaufnahme, drei Konzeptpapiere, vier Umsetzungsplaene und zwei Deploymentcenter-Dokumente verteilt - jedes mit eigener Reihenfolge, teils widersprueglich. Alle offenen Punkte daraus sind in docs/Roadmap.md zusammengefuehrt. Aufbau der neuen Roadmap - Statusvokabular: erledigt / beschlossen-offen / Entscheidung noetig / zurueckgestellt / Idee. Damit steht das Geparkte sichtbar drin, statt in einem Konzeptpapier zu verschwinden. - Herkunft-Spalte traegt das alte Kuerzel (S4, K2, B9, T4, F-A1, C1, DC1), damit die archivierten Papiere auffindbar bleiben, ohne sie zu lesen. - Abschnitt 1 Reihenfolge, 2 offene Entscheidungen, 3 die Vorhaben nach Bereich, 4 Ideenspeicher, 5 Chronik des Erledigten, 6 Modell-Einstufung, 7 Herkunftskarte. Was dabei sichtbar wurde - Neun Entscheidungen blockieren Arbeit, ohne dass sie Aufwand kosten - allen voran Matrix oder Rocket.Chat. Sie stehen jetzt gesammelt in Abschnitt 2 statt verstreut in den Diskussionsteilen der Konzepte. - B8 (keine Tiefenbegrenzung bei AgentComm) ist unveraendert offen. Das ist keine Theorie: A haelt sein Gate, waehrend es auf B wartet - ruft B nun A, warten beide bis zum Timeout. Der Testfall A13 dafuer fehlt bis heute. - Die vier Umsetzungsplaene vom 2026-08-05 sind alle unumgesetzt und waren in keiner Roadmap verzeichnet. Archiv Sechs Dokumente ziehen nach docs/archiv/: Bestandsaufnahme, Konzepte Backup/Finanz/Analyse, Linux-Portierung-Analyse, Lizenz-HardwareId-v2 (gegenstandslos - LicenseLabrador ist ersetzt), Deploymentcenter-Review und der 2.4-Integrationsplan. Sie bleiben als Begruendung lesbar, werden aber nicht mehr fortgeschrieben; das README ordnet jedes einzeln ein und warnt, dass ihre Quelltext-Verweise ins Leere gehen koennen. Bauplan bleibt Bauplan Taskboard, Audit, Staging, Memory, Agentenkommunikation, RocketChat und Deploymentcenter-Integration bleiben in docs/ - sie sind die Detailvorgabe fuer die Umsetzung, nicht Vorhabenlisten. Jedes bekommt oben eine Zeile, die seine Rolle und den Umsetzungsstand nennt und auf die Roadmap zeigt. Dasselbe fuer die vier Umsetzungsplaene: die Reihenfolge gilt in der Roadmap, nicht im Plan. Nebenbei repariert: Taskboard-Konzept und Teststrategie verwiesen auf AgentScheduler und ToolJobScheduler, die seit der Scanner-Konsolidierung geloescht sind. Alle Dokument-Verweise in docs/ sind geprueft. Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
29 KiB
Linux-Portierung — Analyse
Stand: 2026-08-06. Reine Bestandsaufnahme und Aufwandsschätzung, kein Umbau.
Nachtrag 2026-08-23: Der teure Teil dieser Analyse hat sich erledigt. Die rund 8.900 Zeilen Windows-Forms-Oberfläche samt WebView2 und den vier
PropertyGrid- Instanzen gibt es nicht mehr — sie sind durchsrc/ClawdDotNet.Desktop(Avalonia,net10.0) ersetzt und beim Frühjahrsputz entfernt worden. Damit fällt der zweite der beiden unten vorgeschlagenen Schnitte weg: Es gibt keine Windows-gebundene Oberfläche mehr, die noch umzuziehen wäre. Offen bleiben die drei Kernstellen (DPAPI, Pfadvergleiche, Zeitzonen-IDs) und einlinux-x64-Release (Roadmap DC3).
Frage: Was ist nötig, damit ClawdDotNet unter Linux läuft, und was kostet das?
0. Kurzfassung
Die gute Nachricht zuerst: Der Kern ist bereits portabel. Alle 16 Bibliotheks-
und beide Testprojekte zielen auf net10.0 (nicht net10.0-windows), es gibt im
gesamten Repository kein einziges DllImport, keinen Registry-Zugriff und keine
System.Drawing-Nutzung in src/. Windows steckt an genau drei Stellen im Kern:
DPAPI-Verschlüsselung, Groß-/Kleinschreibung bei Pfadvergleichen und die
Zeitzonen-IDs.
Die schlechte Nachricht: Die gesamte Bedienoberfläche — rund 8.900 Zeilen in
frm_*.cs, UI/, Models/ und Services/ — hängt an Windows Forms, an WebView2
und, am unangenehmsten, an vier PropertyGrid-Instanzen, die praktisch die
komplette Einstellungsverwaltung ausmachen. Dafür gibt es in Avalonia keine
Eins-zu-eins-Entsprechung.
Empfehlung: den Umzug in zwei Schnitte teilen. Ein kopfloser Host (ohne GUI) auf Linux ist in etwa 12–18 Personentagen erreichbar und liefert den eigentlichen Nutzen — Agenten laufen auf einem Server, nicht auf einem Windows-Desktop. Die Avalonia-Oberfläche ist ein davon unabhängiges Vorhaben von 32–52 Personentagen, das man danach in Ruhe angehen kann.
Gesamt für „alles auf Linux, mit GUI": 50–80 Personentage.
1. Bestandsaufnahme
1.1 Was bereits portabel ist
| Bereich | Zeilen | Zielframework | Windows-Abhängigkeit |
|---|---|---|---|
src/ClawdDotNet.Core |
8.959 | net10.0 |
nur DPAPI (1 Datei) |
| 15 Tool-Projekte | 6.415 | net10.0 |
nur .exe-Pfade im SocialMediaManager |
tests/ (348 Tests, 39 Dateien) |
6.888 | net10.0 |
3 Testfälle mit C:\-Pfaden |
Alle NuGet-Pakete laufen unter Linux: Microsoft.Data.Sqlite (bringt
e_sqlite3 nativ für linux-x64/arm64 mit), MySqlConnector, Npgsql,
Microsoft.Data.SqlClient, MongoDB.Driver, MailKit, FluentFTP,
Telegram.Bot, WTelegramClient, SharpCompress, Snappier,
Microsoft.Extensions.Logging. Kein Paket muss ersetzt werden — mit zwei
Ausnahmen (siehe 2.1 und 2.3).
Auch die Dinge, bei denen man Ärger erwarten würde, sind sauber gelöst:
- AtomicFile.cs:167 —
CommitprüftFile.Existsund weicht aufFile.Moveaus.File.Replaceverlangt unter Unix ebenfalls eine vorhandene Zieldatei; der Fall ist also schon abgedeckt. Die Wiederholschleife ist unter Linux überflüssig, aber harmlos. - TaskFrontmatter.cs:27 —
normalisiert
\r\nund\rvor dem Zerlegen. Task-Dateien von einem Windows-Rechner werden unter Linux korrekt gelesen. - Textdateien werden durchgängig als UTF-8 ohne BOM geschrieben
(
AtomicFile,FileLogWriter,AgentEditorTool). KeinEncoding.Default, keine Codepage-Fallen. - Zeitstempel gehen als
DateTime.UtcNowin die Datenbank und werden mitDateTimeStyles.RoundtripKindgelesen.
1.2 Was am Windows-Teil hängt
| Bereich | Zeilen | davon Designer |
|---|---|---|
frm_*.cs (6 Formulare + Dialoge) |
4.946 | 1.865 |
UI/ (BackupPanel, WebViewBridge, EmbeddedUiManager) |
1.087 | 428 |
Models/ (PropertyGrid-ViewModels) |
1.257 | — |
Services/ (4 Dienste, an WinForms-Timer gekoppelt) |
1.501 | — |
Properties/ |
123 | — |
| Summe | 8.914 | 2.293 |
Dazu drei .resx-Dateien à ~272 KB (eingebettete Symbole/Bilder) und eine
frm_main.en.resx für die englische Lokalisierung über den
WinForms-Resx-Mechanismus.
Steuerelement-Inventar aus den Designer-Dateien: 24 Label, 19
ToolStripButton, 12 TabPage, 12 Button, 9 TextBox, 6 DataGridView, 6
ToolStrip, 5 ComboBox, 4 PropertyGrid, 4 TableLayoutPanel, 4
FlowLayoutPanel, 3 TabControl, 3 SplitContainer, 1 RichTextBox, 1
ListView, 1 NotifyIcon, 1 DateTimePicker, 1 NumericUpDown.
Tabs in frm_main: Chat, Logs, Settings (mit Unter-Tabs App-Settings,
Instance-Settings), Agent Settings, Jobs/Services (mit Unter-Tabs Jobs,
Services, Job History), Info, Backup.
2. Die harten Brocken
2.1 WebView2 → kein Linux (Chat- und Übersichts-Ansicht)
Microsoft.Web.WebView2 ist die einzige Windows-only-Paketabhängigkeit des
Hauptprojekts und trägt die zwei sichtbarsten Ansichten:
frm_main.cs:235 und frm_chat.cs:44 laden
overview.html bzw. chat.html aus EmbeddedUI/ über
SetVirtualHostNameToFolderMapping unter https://ui.clwd.internal/. Die
Kommunikation läuft über WebViewBridge.cs —
WebMessageReceived in die eine, ExecuteScriptAsync in die andere Richtung.
Drei Wege, jeder mit einem eigenen Preis:
| Variante | Was passiert | Aufwand | Risiko |
|---|---|---|---|
| A — Avalonia.WebView | HTML/JS bleiben. Unter Linux rendert WebKitGTK, unter Windows weiterhin WebView2. Die Bridge wird auf die Abstraktion der Bibliothek umgeschrieben. | 4–6 PT | Bibliothek ist deutlich weniger reif als WebView2; WebKitGTK-Abhängigkeit muss auf dem Zielserver vorhanden sein; Verhalten unterscheidet sich je Plattform. |
| B — nativ neu in Avalonia | Chat als echte Avalonia-Ansicht mit ItemsControl und einem Markdown-Renderer. EmbeddedUI/ entfällt. |
8–12 PT | Kein Fremdrisiko, aber Neuentwicklung. Am Ende deutlich wartbarer als HTML-in-Container. |
| C — lokaler HTTP-Server + Systembrowser | Die App liefert EmbeddedUI/ über http://localhost:port aus, der Nutzer öffnet den Browser. |
3–4 PT | Bricht die Ein-Fenster-Anmutung. Passt aber ausgezeichnet zum kopflosen Betrieb — dort ist der Browser die Oberfläche. |
Empfehlung: C für den kopflosen Host (fällt dort ohnehin an), B für die Desktop-Oberfläche. Variante A koppelt uns an eine Bibliothek, die weniger stabil ist als alles andere im Projekt.
2.2 PropertyGrid → es gibt keinen Ersatz von der Stange
Vier PropertyGrid-Instanzen in frm_main.Designer.cs
bilden App-Settings, Instance-Settings, Agent-Settings und Tool-Settings ab. Sie
werden vollständig durch Attribute gesteuert — 246 [Category],
[DisplayName], [Description]-Angaben verteilt auf vier Dateien:
- Models/ToolSettingsViewModels.cs — 108
- Models/AgentSettingsViewModel.cs — 54
- Models/AppSettings.cs — 51
- Models/InstanceSettingsViewModel.cs — 33
Dazu kommen [TypeConverter(typeof(ExpandableObjectConverter))] für
verschachtelte Objekte, [PasswordPropertyText(true)] für Geheimnisse und ein
eigener ModelTypeConverter, der das
Modell-Auswahlfeld dynamisch aus der OpenRouter-Modellliste füllt.
Avalonia hat kein PropertyGrid. Zwei Möglichkeiten:
Avalonia.PropertyGrid(Community, MIT). VerstehtCategory,DisplayName,Description,Browsable,ReadOnlyundExpandableObjectConverter. Die ViewModels und ihre Attribute könnten weitgehend unverändert bleiben — das spart am meisten. Zu prüfen ist, ob der dynamischeModelTypeConvertermitGetStandardValuesunterstützt wird; das ist der Punkt, an dem so etwas erfahrungsgemäß hakt. Aufwand 6–8 PT, plus dauerhafte Abhängigkeit an ein Ein-Personen-Projekt.- Von Hand gebaute Einstellungsformulare. Mehr Arbeit, aber wir bekommen
eine Oberfläche, die man Nutzern zumuten kann — das
PropertyGridist ehrlicherweise eine Entwickleransicht. Passwörter, Verzeichnisauswahl, Validierung und die Modell-Auswahl werden dabei richtig statt behelfsmäßig. Aufwand 10–14 PT.
Das ist der größte Einzelposten der GUI-Portierung. Die Entscheidung kann und sollte man verschieben, bis das Grundgerüst steht.
2.3 DPAPI → Geheimnisse liegen unter Linux im Klartext
if (!OperatingSystem.IsWindows())
return plainText;
Unter Linux verschlüsselt Protect stillschweigend nicht. OpenRouter-Key,
Datenbank-Verbindungszeichenfolgen mit Passwort, Mail-Zugangsdaten und das
Telegram-2FA-Passwort lägen im Klartext in InstanceConfig.json und
AgentSettings.json — genau der Zustand, den S7 behoben hat. Auf einem Server,
der per SSH erreichbar ist und gesichert wird, ist das schlechter als auf einem
Einzelplatz-Windows.
Dasselbe gilt für den Lizenz-Zustandsspeicher:
LicenseLabrador/client-dotnet/.../StateStore.cs:92 schützt seine Datei ebenfalls
nur unter Windows per DPAPI.
Zu klären ist also ein plattformübergreifendes Verfahren. Realistisch:
- AES-GCM mit Schlüssel aus einer Datei mit
0600neben der Konfiguration (Linux) bzw. weiterhin DPAPI (Windows). Einfach, wirkt gegen versehentliche Weitergabe und Backups, nicht gegen einen Angreifer mit demselben Benutzer — dieselbe Schutzstufe wie DPAPI heute. - Optional zusätzlich
libsecret/Schlüsselbund, wenn eine Desktop-Sitzung da ist. Auf einem Server gibt es die nicht, also braucht es den Dateiweg ohnehin.
Nebenwirkung, die man einplanen muss: Konfigurationen sind nicht mehr zwischen
Betriebssystemen austauschbar. Ein enc:v1:-Wert von Windows ist unter Linux
nicht lesbar und umgekehrt. Unprotect wirft dann korrekterweise eine
SecretProtectionException (SecretProtector.cs:81) —
für den Umzug einer Instanz braucht es einen Migrationsweg (Präfix enc:v2:,
Werte neu eintragen oder ein Export/Import-Kommando).
Aufwand 3–5 PT inklusive Tests und Migration.
2.4 Zeitzonen → das ist die stillste Fehlerquelle
try { return TimeZoneInfo.FindSystemTimeZoneById(id); }
catch { return TimeZoneInfo.Utc; }
Und SchedulerTaskMigration.cs:32
schreibt TimeZoneInfo.Local.Id in die Task-Frontmatter. Auf dem
Entwicklungsrechner ergibt das "W. Europe Standard Time", unter Linux
"Europe/Berlin".
Task-Dateien sind Markdown im SharedWorkspace und wandern zwischen Rechnern.
Trifft eine Windows-ID auf ein System ohne die Umsetzungsdaten, greift das
catch — und der Task läuft ab sofort nach UTC statt Ortszeit, also im
Sommer zwei Stunden zu früh. Ohne Fehlermeldung, ohne Logeintrag. Ein Task, der
um 08:00 die Marktübersicht holen soll, läuft um 06:00.
.NET 6+ kann Windows-IDs unter Linux über ICU auflösen, aber nur wenn ICU
vorhanden ist. In einem schlanken Container (Alpine ohne icu-libs, distroless)
oder bei InvariantGlobalization=true ist es das nicht — dann schlägt jede
Auflösung fehl und alles fällt auf UTC.
Was zu tun ist:
- Beim Schreiben auf IANA normalisieren
(
TimeZoneInfo.TryConvertWindowsIdToIanaId), beim Lesen beide Formen akzeptieren. - Das
catchnicht mehr still schlucken — eine unbekannte Zeitzone muss protokolliert werden, besser noch den Task als fehlerhaft markieren. - Das Zielsystem muss
tzdatahaben. Für Container explizit installieren.
Verwandt: 82 Vorkommen von DateTime.Now/UtcNow. Die meisten sind
unkritisch, zwei fallen auf:
TaskboardService.cs:80
schreibt DateTime.Now-Zeitstempel in Task-Dateien, und
LiveLogViewerService.cs:98 sucht die
Logdatei des Tages über DateTime.Now. Server laufen üblicherweise mit TZ=UTC
— dort wechselt die Logdatei dann um 02:00 Ortszeit statt um Mitternacht, und
Task-Zeitstempel bekommen eine andere Bedeutung als bisher. Kein Fehler, aber
eine Verhaltensänderung, die man kennen sollte.
Aufwand 2–3 PT.
2.5 Groß-/Kleinschreibung bei Pfaden → sicherheitsrelevant
Linux-Dateisysteme unterscheiden Groß- und Kleinschreibung, Windows nicht. An vier Stellen wird das Gegenteil angenommen — und drei davon bewachen eine Sandbox-Grenze:
- WorkspacePath.cs:72 —
normalizedCandidate.StartsWith(normalizedRoot, OrdinalIgnoreCase). Das ist die Prüfung, die Agenten daran hindert, aus ihrem Arbeitsverzeichnis auszubrechen. - FileRWTool.cs:174 — Abgleich gegen die Liste geschützter Pfade.
- FtpTool.cs:155 — dieselbe Einschließungsprüfung.
- BackupService.cs:384.
Unter Linux sind /home/x/Workspace und /home/x/workspace zwei
verschiedene Verzeichnisse. Der Vergleich mit OrdinalIgnoreCase würde einen
Pfad im zweiten als „innerhalb" des ersten durchwinken. Genauso liefe die
Sperrliste in FileRWTool ins Leere, sobald jemand die Schreibweise ändert.
Nötig ist ein Vergleichsverfahren, das die Plattform berücksichtigt — ein
PathComparer, der unter Windows OrdinalIgnoreCase und unter Unix Ordinal
verwendet, konsequent an allen vier Stellen.
Ebenfalls betroffen, aber harmlos:
AtomicFile.cs:35 schlüsselt
seine Sperren mit fullPath.ToLowerInvariant(). Unter Linux teilen sich damit
zwei verschiedene Dateien eine Sperre — das serialisiert zu viel, gefährdet aber
nichts.
Aufwand 2–3 PT, davon der größere Teil Tests.
2.6 Prozessaufrufe und .exe-Annahmen
Process.Start("explorer.exe", …)— 4 Stellen (frm_main.cs:1552, frm_main.cs:1557, frm_main.cs:1562, BackupPanel.cs:338). Ersatz:Process.Start(new ProcessStartInfo(path) { UseShellExecute = true })bzw.xdg-open. Die Varianteexplorer.exe /select,"…"hat unter Linux kein Gegenstück — dort öffnet man nur den Ordner.Microsoft.VisualBasic.Interaction.InputBox— 3 Stellen (Program.cs:280, Program.cs:291, frm_main.cs:658), zwei davon für den interaktiven Telegram-Login (Code und 2FA-Passwort). Braucht einen eigenen Dialog. Für den kopflosen Betrieb ohnehin problematisch: ein Login, der ein Eingabefenster öffnet, blockiert einen Dienst. Dort muss der Telegram-Login anders gelöst werden (vorab per CLI, oder über die Weboberfläche).yt-dlp.exe/ffmpeg.exe— SocialMediaManagerTool.cs:782 und:825. Die PATH-Suche davor funktioniert unter Linux bereits; nur die Ausweichpfade sind fest auf.exeverdrahtet und laufen dort ins Leere. Kleine Änderung, aber sie fällt sonst erst zur Laufzeit auf.
Aufwand zusammen 1–2 PT.
2.7 WinForms-Timer in der Dienstschicht
Services/ ist logisch kein UI-Code, hängt aber an
System.Windows.Forms.Timer:
- BackupScheduler.cs:41
- LiveLogViewerService.cs:38 — schreibt
zusätzlich direkt in eine
RichTextBox - OpenRouterStatusService.cs:43
- frm_main.License.cs:41
Der Backup-Zeitplan und die Lizenzprüfung gehören in den kopflosen Host und
müssen dafür auf System.Threading.PeriodicTimer umgestellt werden. Der
Log-Betrachter ist echte Oberfläche und wird ohnehin neu gebaut.
Aufwand 2–3 PT.
2.8 Lizenzierung — erledigt (Stand 2026-08-06)
Nachtrag. LicenseLabrador und WatchDog sind im Deploymentcenter zusammengefasst, Hardware-ID v2 ist dort umgesetzt. Der Client (
Deploymentcenter.Client,netstandard2.0;net8.0) läuft auf beiden Plattformen, die HW-ID ist container- und umbenennungsfest, der Ablageort löst sich auch ohneHOMEauf, und der Zustandsspeicher ist mit AES-GCM plattformübergreifend verschlüsselt.Damit ist die einzige potenziell blockierende Frage dieser Analyse beantwortet. Details und offene Punkte der Anbindung: Deploymentcenter-Anbindung-Review.md.
Es bleibt reine Anschlussarbeit in ClawdDotNet: Projektverweis umhängen,
LicenseGate gegen die neue Ergebnisklasse schreiben
(LicenseState ist entfallen, Status ist jetzt eine Zeichenkette), MessageBox
durch das mitgelieferte ILicensePrompt ersetzen und die Lizenzprüfung aus
Program.cs:112 fensterfrei machen.
Aufwand 2–3 PT (vorher 3–5).
3. Kleinere Punkte, die trotzdem beißen
3.1 Kultur- und Zahlenformatierung
Nur 16 Stellen im gesamten Projekt nennen eine Kultur explizit. Das heißt
umgekehrt: fast alles formatiert mit CurrentCulture. Auf dem
Entwicklungsrechner ist das de-DE, auf einem Server mit unbesetztem LANG
ist es InvariantCulture. Aus 1,25 wird 1.25.
Wo das folgenlos bleibt:
- JSON —
System.Text.Jsonschreibt Zahlen immer invariant. Alle Konfigurationen, Zustandsdateien und API-Aufrufe sind sicher. - SQLite — Werte gehen typisiert über Parameter, nicht als Text.
Wo hinzuschauen ist:
- Zeichenkettenverkettung in Logeinträgen und Prompts (
$"{cost:F4}"). Wenn eine Zahl mit deutschem Dezimalkomma in einen Prompt gerät, muss das Modell raten. - Anzeigewerte in der Oberfläche — dort ist Ortsformat gewünscht, aber es sollte bewusst gesetzt sein, nicht zufällig.
Empfehlung: einmal alle Formatierungen durchgehen und trennen — invariant
für alles Maschinenlesbare, CurrentCulture nur für die Anzeige. Am besten mit
einem Analyzer (CA1305, CA1304, CA1310) als Warnung im Build, damit es so
bleibt.
Aufwand 2–3 PT.
3.2 Globalisierungsmodus festlegen
InvariantGlobalization=true macht das Publikat kleiner und ICU überflüssig —
kostet aber TimeZoneInfo.FindSystemTimeZoneById (siehe 2.4), kulturabhängige
Vergleiche und korrektes ToLower() für Umlaute. Für dieses Projekt mit
zeitzonenabhängiger Planung ist das keine Option; die Entscheidung sollte im
Projekt dokumentiert und ICU/tzdata als Voraussetzung festgehalten werden.
Nebenbemerkung: COLLATE NOCASE in
SqliteMemoryRepository.cs:143
und SqliteTaskRepository.cs:105
ist ASCII-beschränkt — Ä und ä gelten SQLite als verschieden. Das ist heute
schon so und ändert sich beim Umzug nicht, ist also kein Portierungsthema,
sondern eine bestehende Eigenheit.
3.3 Zeilenenden
1.230 Stellen verwenden Environment.NewLine oder \r\n. Für Logdateien ist
das egal. Bei Task-Dateien und Agenten-erzeugten Dateien im geteilten
Arbeitsverzeichnis führt es zu Rauschen: Eine Datei, die unter Windows
geschrieben und unter Linux angefasst wird, ändert komplett ihre Zeilenenden.
Wenn der Arbeitsbereich unter Git liegt oder synchronisiert wird, sieht jede
Änderung wie eine Vollumschreibung aus. Der Parser kommt damit klar (siehe 1.1)
— es ist eine Frage der Ordnung, kein Fehler. Empfehlung: für Task- und
Konfigurationsdateien fest \n schreiben.
3.4 Dateinamen
Path.GetInvalidFileNameChars() liefert unter Windows 41 Zeichen, unter Linux
genau zwei (\0 und /). FileLogWriter.cs:95
säubert Modulnamen damit — unter Linux entstehen also Dateinamen, die auf
Windows nicht mehr lesbar sind. Betrifft Sicherungen, die zwischen Systemen
wandern. Ebenso die Windows-Sonderfälle CON, PRN, AUX und Namen mit
abschließendem Punkt: unter Linux erlaubt, beim Rückspielen auf Windows nicht.
Für den Sicherungs-/Wiederherstellungsweg über Systemgrenzen hinweg relevant.
3.5 Ablageorte
SettingsManager.cs:24 legt AppSettings.json
neben die Programmdatei (AppDomain.CurrentDomain.BaseDirectory). Unter Windows
in einem Benutzerverzeichnis geht das; unter Linux liegt die Anwendung typisch
in /opt/… oder /usr/lib/… und ist für den Dienstbenutzer nicht
schreibbar. Dasselbe gilt für die Zielordner tools/, Logs/ und
Instances/, die die Build-Ziele in ClawdDotNet.csproj neben der
Programmdatei anlegen.
Nötig ist eine Trennung von Programm und Daten nach XDG-Konvention:
$XDG_CONFIG_HOME bzw. /etc/clawddotnet für die Konfiguration,
$XDG_DATA_HOME bzw. /var/lib/clawddotnet für Instanzen und Datenbanken,
/var/log/clawddotnet für Logs. Dazu Dateirechte: Instanzverzeichnisse mit
Geheimnissen gehören auf 0700, Konfigurationsdateien auf 0600 — unter
Windows regelt das die ACL des Benutzerprofils, unter Linux muss man es setzen.
Aufwand 2–3 PT.
3.6 Tests
Von 348 Tests sind fast alle portabel. Auffällig ist WorkspacePathTests.cs:49:
[InlineData(@"C:\Windows\System32\config\SAM")]
[InlineData(@"\\server\share\evil.txt")]
[InlineData(@"C:\temp\datei.txt")]
Unter Linux liefert Path.IsPathRooted(@"C:\temp\datei.txt") false — das
ist ein gewöhnlicher relativer Dateiname mit Doppelpunkt und Backslashes darin.
Der Test prüft dort also etwas anderes als beabsichtigt. Und da er die
Sandbox-Grenze absichert, ist das keine Kleinigkeit: Er muss
betriebssystemabhängig aufgeteilt werden, mit einer eigenen Linux-Fassung
(/etc/passwd, ../../etc/passwd, Symlinks). Symlinks sind überhaupt ein
Prüfpunkt, den es unter Windows so nicht gab — Path.GetFullPath löst sie
nicht auf, File.ResolveLinkTarget schon. Ein Agent könnte im
Arbeitsverzeichnis einen Symlink nach /etc anlegen und die Prüfung ginge
durch.
Ebenso in YouTubeUrlTests.cs:118 (harmlos, nur Beispieldaten).
Aufwand 2–4 PT, inklusive Symlink-Absicherung in WorkspacePath selbst.
3.7 Bau und Auslieferung
Deploy-Build.ps1 setzt PowerShell 5.1 voraus, verwendet
Backslash-Pfade und den festen Ausgabepfad bin\Release\net10.0-windows. Für
Linux braucht es entweder eine pwsh-taugliche Fassung oder — besser — einen
schlichten dotnet publish -r linux-x64 --self-contained mit einer
systemd-Unit-Datei. Dazu:
- systemd-Unit mit eigenem Dienstbenutzer,
Restart=on-failure - Prüfen, ob der bestehende Watchdog-Heartbeat
(Program.cs:367) mit
systemd-notifyzusammenspielen soll - optional
.deboder AppImage für den Desktop-Fall
Aufwand 3–5 PT.
4. Der empfohlene Schnitt
Der entscheidende Befund dieser Analyse: Die Oberfläche ist nicht der Grund,
warum wir Linux wollen. Der Grund ist, dass Agenten auf einem Server laufen
sollen. Program.cs baut bereits alles — Speicher, Engine,
Taskboard-Scanner, Watchdog, Lizenzprüfung — vollständig auf, bevor
frm_main überhaupt entsteht (Zeilen 36–385 gegen 388–401). Diese Trennung
existiert faktisch schon; sie muss nur formalisiert werden.
Stufe 1 — Kern Linux-fest und kopfloser Host (12–18 PT)
| Schritt | PT |
|---|---|
| Geheimnisse plattformübergreifend (2.3) | 3–5 |
| Zeitzonen normalisieren, Fehler nicht mehr schlucken (2.4) | 2–3 |
| Pfadvergleiche plattformabhängig + Symlink-Prüfung (2.5, 3.6) | 3–5 |
Prozessaufrufe, .exe-Pfade (2.6) |
1–2 |
| Ablageorte und Dateirechte nach XDG (3.5) | 2–3 |
ClawdDotNet.Host — Startlogik aus Program.cs herauslösen, PeriodicTimer statt WinForms-Timer, Telegram-Login ohne Dialog |
4–6 |
| Tests auf Linux grün, CI-Lauf für linux-x64 | 2–3 |
Ergebnis: Die Anwendung läuft als systemd-Dienst auf einem Linux-Server. Die Windows-GUI bleibt unverändert bestehen und wird weiter benutzt. Das ist der Punkt, an dem der Nutzen anfällt.
Stufe 2 — Avalonia-Oberfläche (32–52 PT)
| Schritt | PT |
|---|---|
| Grundgerüst: Avalonia-Projekt, DI, Dispatcher, Shell mit Tabs, MVVM-Schicht | 5–7 |
Logs-Tab (RichTextBox → SelectingItemsControl mit Filterung) |
2–3 |
| Agent-Settings: Liste, Werkzeugauswahl, Aktionsschaltflächen | 5–8 |
| Einstellungs-Tabs — PropertyGrid-Ersatz (2.2) | 6–10 |
Jobs / Services / Job History (4 DataGridView) |
4–6 |
| Backup-Panel | 3–4 |
| Instance-Manager und die fünf Dialoge | 4–6 |
| Chat-Ansicht (Variante B, siehe 2.1) | 8–12 |
| Info, Statusleiste, Werkzeugleisten, Menü, Lokalisierung de/en | 3–4 |
Die Spanne ist breit, weil zwei Entscheidungen noch offen sind (PropertyGrid-Ersatz und Chat-Variante). Sind die getroffen, lässt sich das auf etwa ±15 % genau angeben.
Stufe 3 — Auslieferung und Härtung (6–10 PT)
Publish-Pipeline, systemd-Unit, Paketierung, Abnahme auf echter Hardware, Dokumentation, Umzugsweg für bestehende Instanzen.
Gesamt
| PT | bei Vollzeit | |
|---|---|---|
| Stufe 1 | 12–18 | 2,5–3,5 Wochen |
| Stufe 2 | 32–52 | 6,5–10,5 Wochen |
| Stufe 3 | 6–10 | 1,5–2 Wochen |
| Summe | 50–80 | 10–16 Wochen |
5. LiveCharts2
Zur Einordnung: Das Projekt enthält heute keine einzige Diagrammdarstellung.
Die Suche nach Chart, Series oder Plot findet nur JSON-Feldnamen der
Yahoo-Finance-Abfrage in
DirectAPITool.cs:126.
LiveCharts2 ist damit keine Portierung, sondern neue Funktionalität — sie gehört zum Trading-Teil, nicht zum Linux-Umzug, und ist in den 50–80 PT oben nicht enthalten. Wenn die Kursansichten kommen, sind dafür grob 5–10 PT zusätzlich zu rechnen. Das passt zu dem, was in docs/Roadmap.md und der Notiz „Basis vor Trading härten" festgehalten ist: Erst die Basis, dann die Handelsansichten.
Ein Punkt, der jetzt schon zählt: LiveCharts2 setzt auf SkiaSharp, genau wie Avalonia. Das spricht zusätzlich dafür, die Diagramme erst nach der Avalonia-Portierung zu bauen — sonst entstehen sie zweimal.
6. Was vor dem ersten Handgriff zu entscheiden ist
- Ist das Ziel Server oder Desktop? Bei „Server" reicht Stufe 1, und Stufe 2 kann entfallen oder durch eine Weboberfläche ersetzt werden. Das ändert die Schätzung um den Faktor drei.
- Chat-Ansicht: HTML behalten oder nativ neu bauen? (2.1)
- PropertyGrid: Fremdbibliothek oder eigene Formulare? (2.2)
Erlaubt LicenseLabrador den Wechsel der Hardware-ID?— geklärt, siehe 2.8 und Deploymentcenter-Anbindung-Review.md.- Bleibt Windows als Zielplattform bestehen? Wenn ja, muss alles doppelt getestet werden, und die Geheimnis-Verschlüsselung braucht beide Wege plus Umzugspfad. Wenn nein, wird 2.3 deutlich einfacher.
Frage 1 und 5 beantworten sich vermutlich schnell; 2 und 3 kann man bis zum Beginn von Stufe 2 offenlassen, ohne Stufe 1 zu blockieren. Damit liegt nichts mehr außerhalb unserer Hand — Stufe 1 kann beginnen.
Anhang — Vollständige Fundstellenliste
| Thema | Datei:Zeile |
|---|---|
| DPAPI | SecretProtector.cs:42, :66, :90, :94 |
| DPAPI (Lizenz) | LicenseLabrador/client-dotnet/.../StateStore.cs:43, :92 |
| Zeitzone | TaskSchedule.cs:161, SchedulerTaskMigration.cs:32 |
| Pfad-Groß-/Kleinschreibung | WorkspacePath.cs:72, FileRWTool.cs:174, FtpTool.cs:155, BackupService.cs:384, AtomicFile.cs:35 |
explorer.exe |
frm_main.cs:1552, :1557, :1562, BackupPanel.cs:338 |
VisualBasic.InputBox |
Program.cs:280, :291, frm_main.cs:658 |
.exe-Werkzeugpfade |
SocialMediaManagerTool.cs:782, :825 |
| WinForms-Timer | BackupScheduler.cs:41, LiveLogViewerService.cs:38, OpenRouterStatusService.cs:43, frm_main.License.cs:41 |
| WebView2 | frm_main.cs:235, frm_chat.cs:44, WebViewBridge.cs, ClawdDotNet.csproj |
| PropertyGrid | frm_main.Designer.cs (4×), Models/ (246 Attribute) |
| Datenablage | SettingsManager.cs:24, ClawdDotNet.csproj (Build-Ziele) |
| Testdaten mit Windows-Pfaden | WorkspacePathTests.cs:49 |
| Build-Skript | Deploy-Build.ps1 |