L2: Kopfloser Linux-Dienst - der Trading-Kern laeuft ohne Oberflaeche

Meilenstein: Trading, Worker, Accounting, Supervisor, REST und MCP laufen
als systemd-Dienst auf Linux. Nur noch IBKRTrader.App ist Windows-gebunden.

Neu IBKRTrader.Hosting: die komplette Host-Zusammenstellung, aus der
WinForms-Program.cs herausgezogen. Bewusst ein eigenes Projekt - laege sie
weiter in der Shell, muesste sie fuer den Daemon dupliziert werden, und
beide wuerden auseinanderlaufen. Ein Modul, das nur in einer Variante
registriert ist, faellt sonst erst im Betrieb auf. RunStartupChecks buendelt
die Startschritte in fester Reihenfolge (Zeitzone vor dem ersten Logeintrag,
Master-Key vor jeder Entschluesselung).

Neu IBKRTrader.Daemon: kopfloser Einstiegspunkt mit SIGTERM-Behandlung,
--check (Trockenlauf: Host bauen, Startpruefungen, keine Boersenverbindung -
fuer Deployment und CI) und --db-version.

AppPaths: Logs, Backups, settings.json und master.key lagen neben der
Binaerdatei. Unter /opt hat der Dienstbenutzer dort keinen Schreibzugriff -
der Dienst waere beim ersten Logeintrag gescheitert. Aufloesung jetzt:
Umgebungsvariable, sonst Binaerverzeichnis WENN beschreibbar (haelt Windows
und die Entwicklung unveraendert), sonst FHS. Der Schreibtest ist ein echter
Schreibversuch - Attributpruefung traegt nicht, weil unter Linux
Besitzer/Gruppe/Modus und unter Windows die ACL entscheiden.

Rechtepruefung fuer master.key/openrouter.key auf Unix: Windows-ACLs
uebertragen sich beim Kopieren auf einen Linux-Host nicht, eine key-Datei mit
644 waere dort fuer jeden lokalen Nutzer lesbar. Nur eine Warnung.

InvariantGlobalization ausdruecklich auf false. Der naheliegende Griff zum
schlanken Image waere hier ein Eigentor gewesen und haette genau die zwei
Punkte aus L1b lautlos rueckgaengig gemacht: ohne ICU faellt die Aufloesung
von Windows-Zeitzonen-IDs aus (Rueckfall auf UTC im Container) und
CultureInfo.GetCultureInfo("de-DE") liefert die invariante Kultur, womit die
PDF-Betraege wieder das Format wechseln.

systemd: Unit mit Type=notify plus UseSystemd() im Host - ohne sd_notify
haette systemctl start bis zum Timeout gehangen. Unit mit Absicherung
(ProtectSystem=strict, ReadWritePaths), deploy/README.md mit Voraussetzungen,
Verzeichnissen, Zeitzonen-Festlegung und dem, was der Daemon NICHT loest
(IB Gateway headless bleibt eine eigene Baustelle).

Verifiziert: 193 Tests gruen (+5), Build 0 Fehler/0 Warnungen, --smoke-ui
konstruiert alle 7 Fenster, --check laeuft durch, und publish -r linux-x64
liefert 11 MB mit ELF-Launcher, ohne eine einzige Windows-Abhaengigkeit.

Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
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Richard
2026-08-06 23:09:33 +02:00
co-authored by Claude Opus 5
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commit 9c7e19149c
19 changed files with 819 additions and 222 deletions
+115
View File
@@ -0,0 +1,115 @@
# Kopfloser Betrieb auf Linux
Der Dienst `IBKRTrader.Daemon` fährt Trading-Kern, Worker, Accounting, Supervisor, REST-API und
MCP-Light **ohne Oberfläche**. Er nutzt denselben Host-Aufbau wie die Desktop-Shell
(`IBKRTrader.Hosting`), damit beide Varianten nicht auseinanderlaufen.
## Veröffentlichen
```bash
dotnet publish src/IBKRTrader.Daemon -c Release -r linux-x64 --self-contained false -o out/
```
Ergebnis: ~11 MB, ein ELF-Launcher `IBKRTrader.Daemon`, **keine Windows-Abhängigkeiten**.
Mit `--self-contained true` entfällt die Runtime-Installation auf dem Zielhost (dann ~80 MB).
## Voraussetzungen auf dem Host
| Paket | Wofür | Pflicht? |
|---|---|---|
| `dotnet-runtime-10.0` | Laufzeit | ja (außer bei `--self-contained`) |
| `libicu` | Kulturen und Zeitzonen-ID-Umrechnung | **ja siehe Warnung unten** |
| `fonts-dejavu-core` | PDF-Export des Accounting-Moduls | nur für den PDF-Export |
| `mariadb-client` | `mariadb-dump` für den BackupWorker | nur fürs DB-Backup |
> **ICU ist nicht optional.** Ohne ICU (bzw. mit `InvariantGlobalization=true`) passieren zwei
> Dinge beide **lautlos**, ohne Fehlermeldung:
> 1. `AppTimeZone` kann Windows-Zeitzonen-IDs nicht mehr auflösen und fällt auf die
> Systemzeitzone zurück, im Container also meist UTC. Genau die Verschiebung von
> Buchungszeitstempeln, die wir beseitigt haben.
> 2. Der PDF-Export formatiert Beträge fest gegen `de-DE`. Ohne ICU liefert
> `CultureInfo.GetCultureInfo("de-DE")` die invariante Kultur aus `1.234,56` wird
> `1,234.56`, in einem Dokument, das als prüfbare Aufstellung gilt.
>
> Der Daemon setzt deshalb ausdrücklich `InvariantGlobalization=false`.
## Verzeichnisse
Die Anwendung schreibt in drei Verzeichnisse. Aufgelöst wird in dieser Reihenfolge:
1. Umgebungsvariable — `IBKRTRADER_CONFIG_DIR`, `IBKRTRADER_DATA_DIR`, `IBKRTRADER_LOG_DIR`
2. Neben der Binärdatei, **wenn dort geschrieben werden darf** (Entwicklung, portable Installation)
3. Sonst FHS — `/etc/ibkrtrader`, `/var/lib/ibkrtrader`, `/var/log/ibkrtrader`
| Verzeichnis | Inhalt |
|---|---|
| Config | `settings.json`, `master.key`, `openrouter.key` |
| Data | `Backups/` |
| Logs | Textlog je Modul, JSONL je Tag |
Beim Start steht die tatsächliche Ablage im Log (`Ablage: config=…, data=…, logs=…`).
## Einrichtung
```bash
sudo useradd --system --no-create-home --shell /usr/sbin/nologin ibkrtrader
sudo mkdir -p /opt/ibkrtrader /etc/ibkrtrader /var/lib/ibkrtrader /var/log/ibkrtrader
sudo chown -R ibkrtrader:ibkrtrader /var/lib/ibkrtrader /var/log/ibkrtrader /etc/ibkrtrader
sudo chmod 750 /etc/ibkrtrader
```
Master-Key ablegen (**nicht** in die Unit-Datei die ist für alle lesbar):
```bash
sudo install -o ibkrtrader -g ibkrtrader -m 600 /dev/null /etc/ibkrtrader/master.key
```
Der Dienst warnt beim Start, wenn `master.key` oder `openrouter.key` für Gruppe oder andere
zugänglich sind — Windows-ACLs übertragen sich beim Kopieren auf einen Linux-Host nicht.
## Dienst einrichten
```bash
sudo cp deploy/ibkrtrader.service /etc/systemd/system/
sudo systemctl daemon-reload
sudo systemctl enable --now ibkrtrader
journalctl -u ibkrtrader -f
```
## Vor dem ersten Start prüfen
```bash
/opt/ibkrtrader/IBKRTrader.Daemon --check
```
Baut den Host, fährt alle Startprüfungen (Zeitzone, Ablageorte, Master-Key, DB-TLS) und beendet
sich — **ohne** Worker zu starten oder eine Verbindung zur Börse aufzubauen. Geeignet für
Deployment-Skripte und CI.
```bash
/opt/ibkrtrader/IBKRTrader.Daemon --db-version
```
Gibt die MariaDB-Serverversion aus (für das EF-`ServerVersion`-Pinning).
## Betriebszeitzone
`Trading.ApplicationTimeZoneId` in `settings.json`, IANA-Schreibweise:
| Instanz | Wert |
|---|---|
| EU | `Europe/Berlin` |
| US | `America/New_York` |
**Vor den ersten Trades festlegen und danach nicht mehr ändern.** Ein Wechsel verschiebt
rückwirkend die Tagesgrenzen von Logs, Berichten und Buchungsperioden. Gespeichert wird immer
UTC — nur so bleiben die Daten beider Instanzen vergleichbar.
## Was der Daemon *nicht* löst
Das **IB Gateway** ist eine Java-Anwendung mit Oberfläche. Für den Dauerbetrieb ohne Bildschirm
braucht es IBC plus Xvfb, dazu die Behandlung des täglichen Neustarts und des 2FA-Handlings —
eine eigene Baustelle, unabhängig von diesem Dienst. Alternative: das Gateway bleibt auf dem
Windows-Rechner, der Linux-Dienst verbindet sich über Port 4002. Dann muss in der
TWS-Konfiguration die erlaubte Client-IP eingetragen sein; der TWS-API-Verkehr ist
**unverschlüsselt** und gehört nicht über ein unvertrautes Netz.
+64
View File
@@ -0,0 +1,64 @@
#
# systemd-Unit für den kopflosen IBKRTrader-Dienst.
#
# sudo cp deploy/ibkrtrader.service /etc/systemd/system/
# sudo systemctl daemon-reload
# sudo systemctl enable --now ibkrtrader
# journalctl -u ibkrtrader -f
#
# Voraussetzungen auf dem Host:
# - .NET-10-Runtime (dotnet-runtime-10.0)
# - libicu → PFLICHT. Ohne ICU fällt die Auflösung von Windows-Zeitzonen-IDs aus und die
# feste de-DE-Formatierung im PDF-Export kippt auf invariant. Beides würde
# lautlos falsche Ausgaben erzeugen, nicht etwa einen Fehler.
# - fonts-dejavu-core → nur für den PDF-Export des Accounting-Moduls.
# - mariadb-client → nur für den BackupWorker (mariadb-dump).
#
[Unit]
Description=IBKRTrader (kopfloser Handelsdienst)
Documentation=file:///opt/ibkrtrader/docs/konzepte/KONZEPT-Linux-Portierung.md
After=network-online.target
Wants=network-online.target
[Service]
Type=notify
NotifyAccess=all
User=ibkrtrader
Group=ibkrtrader
WorkingDirectory=/opt/ibkrtrader
ExecStart=/opt/ibkrtrader/IBKRTrader.Daemon
# Ablageorte. Ohne diese Variablen weicht die Anwendung selbst auf die FHS-Pfade aus, sobald
# /opt/ibkrtrader nicht beschreibbar ist ausdrücklich gesetzt ist es aber nachvollziehbarer.
Environment=IBKRTRADER_CONFIG_DIR=/etc/ibkrtrader
Environment=IBKRTRADER_DATA_DIR=/var/lib/ibkrtrader
Environment=IBKRTRADER_LOG_DIR=/var/log/ibkrtrader
# Der Master-Key gehört NICHT in diese Datei (sie ist für alle lesbar). Entweder als Datei
# /etc/ibkrtrader/master.key mit chmod 600, oder über eine EnvironmentFile mit 600:
# EnvironmentFile=/etc/ibkrtrader/secrets.env
Environment=DOTNET_EnableDiagnostics=0
# Geordnetes Herunterfahren: SIGTERM, dann Zeit für offene Broker-Anfragen und den Modul-Stopp.
KillSignal=SIGTERM
TimeoutStopSec=60
Restart=on-failure
RestartSec=15
# Absicherung. Der Dienst braucht nur seine drei Verzeichnisse beschreibbar.
NoNewPrivileges=true
PrivateTmp=true
ProtectSystem=strict
ProtectHome=true
ReadWritePaths=/var/lib/ibkrtrader /var/log/ibkrtrader
ProtectKernelTunables=true
ProtectKernelModules=true
ProtectControlGroups=true
RestrictSUIDSGID=true
RestrictNamespaces=true
LockPersonality=true
[Install]
WantedBy=multi-user.target