Eine Roadmap statt sieben Konzepte; Quelldokumente ins Archiv
Build & Test / build (ubuntu-latest) (push) Canceled after 0s
Build & Test / build (windows-latest) (push) Canceled after 0s

Der offene Stand lag ueber sieben Konzepte, zwei Referenzdokumente und die
Phasen-Checkliste der Architektur verteilt. Dieselbe Aufgabe stand teils
doppelt unter zwei Namen - die asynchrone Fill-Verfolgung etwa als "bekannte
Grenze" in IBKR-Integration.md und zugleich als W-2 im OptionsWheel-Konzept.
Wer wissen wollte, was als Naechstes ansteht, musste alles neun lesen.

docs/ROADMAP.md fuehrt das zusammen:
  - Fuenf Stufen in Abhaengigkeitsreihenfolge, von "Fundament schliessen" bis
    zum OptionsWheel, dazu vier laufende Bahnen (Auslieferung, Accounting,
    Supervisor, technische Schulden).
  - Jede Zeile traegt ihre Herkunft (W-2, P5, Kapitalmodell 5, ...), damit die
    Herleitung im Archiv auffindbar bleibt.
  - Eigene Abschnitte fuer Zurueckgestelltes und Verworfenes. Zurueckgestellte
    Ideen nennen ausdruecklich, WAS sie wieder aktuell macht; verworfene nennen
    den Grund, damit sie nicht in sechs Monaten erneut vorgeschlagen werden.
  - Erledigtes bleibt als Zeile mit Datum stehen statt zu verschwinden.

Archiv (git erkennt alle sieben als Umbenennung, Historie bleibt):
  docs/konzepte/*         -> docs/archiv/
  docs/Kapital-und-Buchmodell.md -> docs/archiv/
Jedes archivierte Dokument bekommt oben einen Vermerk, warum es erhalten bleibt
und wo der lebende Stand steht. Inhaltlich ist keines veraendert.

Weiter gepflegt werden ARCHITECTURE.md (Aufbau + Phasen-Historie),
IBKR-Integration.md (Adapter-Design und Grenzen) und die TWS-Setup-Checkliste -
das sind Referenzen, keine Planung. Ihre eigenen Offen-Listen verweisen jetzt
mit Roadmap-Kennung dorthin, statt einen zweiten Stand zu fuehren.

Alle 63 relativen Markdown-Links geprueft, keiner tot. Fuenf Pfadverweise in
Code, csproj und systemd-Unit mitgezogen; die Unit zeigte auf die
Portierungsanalyse, die ausdruecklich den Stand VOR dem Umbau beschreibt - jetzt
auf ARCHITECTURE.md. Build 0 Warnungen, 198/198 Tests gruen.

Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
This commit is contained in:
Richard
2026-08-23 18:14:51 +02:00
co-authored by Claude Opus 5
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16 changed files with 362 additions and 32 deletions
+485
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@@ -0,0 +1,485 @@
> ### 📦 Archiviert am 2026-08-23
> Dieses Dokument wird **nicht mehr gepflegt**. Was davon noch offen ist, steht in der
> [Roadmap](../ROADMAP.md) (Stufe 4) – dort und nur dort wird der Stand nachgeführt.
>
> Es bleibt erhalten, weil es die vollstaendige Spezifikation ist, gegen die die Umsetzung geprueft wird –
> die drei Wahrheiten, Eigentumsregeln, Reservierungs-Lebenszyklus, Invarianten und Testkatalog. Zum Nachschlagen also weiterhin richtig,
> als Aufgabenliste nicht mehr.
---
# Kapital- und Buchmodell
> **Status: Konzept (2026-08-03) – noch nicht implementiert.**
> Dieses Dokument beschreibt, wie mehrere Strategien gleichzeitig auf *einem* IBKR-Konto mit *einem*
> Guthaben arbeiten können, ohne sich gegenseitig zu stören, und wie das gegen die steuerliche
> Buchführung abgegrenzt ist. Es dient als Referenz, gegen die die spätere Umsetzung geprüft wird.
## 0. Problemstellung und Abgrenzung
TWS lässt sich pro Rechner nur einmal betreiben – wir sind an **ein** Konto mit **einem** Guthaben
gebunden. Trotzdem sollen mehrere Strategie-Module parallel handeln. Daraus folgen vier Anforderungen:
1. Jedes Modul bekommt eine **klar begrenzte Kapitalmenge**, die es binden darf.
2. Jede Position hat einen **eindeutigen Eigentümer**. Kein Modul darf die Position eines anderen
Moduls oder eine manuell angelegte Position anfassen.
3. Das Konto darf durch Modul-Handel **niemals ins Minus oder in Margin** laufen.
4. Die **steuerliche Buchführung** ist davon vollständig unabhängig und muss zu 100 % stimmen.
Nicht Gegenstand dieses Dokuments: Strategielogik, Signalerzeugung, Marktdatenversorgung.
---
## 1. Die drei Wahrheiten
Es gibt drei Datenquellen mit unterschiedlicher Autorität. Sie dürfen sich nicht vermischen.
| Ebene | Quelle | Autoritativ für | Latenz |
|---|---|---|---|
| **Steuerbuch** (`acc_`) | Flex Query | Geld, Steuer, GuV – alles gegenüber der Steuerbehörde | T+1 |
| **Depot-Ist** | TWS-API-Snapshot | Was *jetzt* real im Konto liegt | Sekunden |
| **Managementbuch** (`core_`) | eigene Order-Events + Abgleich | Zuordnung von Positionen zu Büchern | live |
**Harte Regel:** Das Managementbuch beeinflusst das Steuerbuch **niemals** – weder korrigierend noch
ergänzend. Der Accounting-Ingest liest Flex Query, klassifiziert und bucht; ob dabei eine `BookId`
bekannt ist, ist ihm gleichgültig. Die Modulzuordnung ist eine *optionale, nicht-autoritative*
Beistelltabelle (Flex-Trade-ID ↔ BookId). Fehlt sie oder ist sie falsch, ändert sich am Steuerergebnis
exakt nichts.
Umgekehrt gilt: Das Managementbuch **bezieht** Korrekturen aus dem Steuerbuch (Gebühren, Dividenden,
Splits), nie andersherum.
---
## 2. Bücher (Books)
Ein **Buch** ist ein Kapitaltopf mit zugeordneten Positionen. Bücher sind:
| Buch | Bedeutung | Handelt | Limits gelten |
|---|---|---|---|
| je Strategie (`CT`, …) | ein Modul, ggf. ein Parametersatz | ja | ja |
| `MANUAL` | von Hand in TWS/IBKR angelegt | nein (nur extern) | **nein**, zählt aber mit |
| `UNASSIGNED` | am Broker gefunden, keinem Buch zugeordnet | nein | zählt mit |
| `HOUSE` | nicht allokierte Reserve, FX, Ausgleichsposten | nein | – |
**`BookId` ist ein eigenes Konzept, nicht der Modulname.** Default `BookId == Modulname`, aber die
Trennung erlaubt später mehrere Bücher desselben Moduls und macht `MANUAL`/`UNASSIGNED`/`HOUSE`
sauber modellierbar. Jetzt kostenlos, später teuer nachzurüsten.
### Eigentumsregeln (im Core erzwungen, nicht per Konvention)
1. Ein Verkaufssignal von Buch *b* kann **nur Positionen von *b*** reduzieren, gedeckelt auf
`Menge(b, Symbol)`. Darüber hinaus wird gekappt – **niemals** wird ein Short erzeugt.
2. `MANUAL` und `UNASSIGNED` senden keine Signale und empfangen keine.
3. Ein Modul kann seine `BookId` **nicht selbst wählen**. Sie stammt aus der Modul-Registrierung und
wird serverseitig gesetzt; `TradeSignal.SourceModule` aus dem Modul ist nicht vertrauenswürdig.
4. Module bekommen `IBrokerClient` **nicht** per DI – ausschließlich `IExecutionService`.
Sonst ist die gesamte Buchführung umgehbar.
5. Ein Kill-Switch/Supervisor darf alles liquidieren – als explizite Core-Autorität mit eigener
Konfiguration, standardmäßig unter Ausschluss von `MANUAL`.
---
## 3. Kapitalmodell: ein Pool, Obergrenzen
**Es gibt keinen Kapitaltransfer zwischen Büchern.** Kein Buch-Cash, keine Rebalancing-Läufe, keine
Ausgleichsforderungen. Stattdessen ein gemeinsamer Cash-Pool und pro Buch eine Obergrenze:
```
Verteilbar = FreiesCash(gehaircuttet) + Σ Modul-Positionswert − HouseReserve
Cap(b) = konfigurierter Anteil × Verteilbar (Default: Gleichverteilung)
Gebunden(b) = Marktwert der Positionen von b + offene Reservierungen von b
Headroom(b) = min( Cap(b) − Gebunden(b), freies Pool-Cash )
```
### Eigenschaften, die bewusst so sind
- **Gewinne verteilen sich von selbst.** Realisiert ein Buch einen Gewinn, wächst der gemeinsame Pool;
da alle Caps aus `Verteilbar` abgeleitet werden, steigt der Headroom **aller** Bücher. Diversifikation
ohne einen einzigen Zwangsverkauf.
- **Ein Buch darf über seinem Cap liegen.** Steigen die Positionen im Wert, passiert nichts – außer
dass nicht mehr nachgekauft werden darf. Der Zustand „über Cap" ist **legal**, wird angezeigt und
gemeldet, aber **nie geheilt**. Es wird niemals eine Position geschlossen, nur um eine Zielquote
herzustellen.
- **`Σ Caps ≤ 100 % − Reserve` wird beim Start validiert.** Sonst könnte ein schnelles Buch ein
langsames aushungern („wer zuerst kommt").
- **Die Modul-Welt sieht nie den NAV**, sondern nur ihr eigenes Kapital plus freies Cash. Manuelle
Positionen – auch kreditfinanzierte – sind eine Black Box, die nur über das freie Cash wirkt.
### Kapitalführung ≠ Performance-Messung
Die Kapitalführung ist ein Pool plus Caps. Die GuV **pro Buch** ist eine reine *Auswertung* über die
Trade-Historie (für Supervisor und Reporting) und steuert nichts. Diese Entkopplung ist beabsichtigt.
---
## 4. Keine Margin – die Sperre
**Modul-Handel ist strikt cash-only. Manueller Handel darf Margin nutzen.** Der Kontotyp ist
Cash-Konto; brokerseitig kann trotzdem Margin verfügbar sein, deshalb ist die Software-Sperre
zwingend und testpflichtig.
### Schicht A – richtige Bemessungsgrundlage
`BuyingPower` und `AvailableFunds` sind auf einem Margin-Konto bereits gehebelt gerechnet und als
Basis unbrauchbar. Maßgeblich ist:
```
FreiesCash = min(TotalCashValue, AvailableFunds) − HouseReserve − Σ offene Reservierungen
```
`TotalCashValue` ist das echte Bargeld. Eröffnest du manuell eine Margin-Position, sinkt es, und die
Modul-Kaufkraft schrumpft automatisch mit. Bei `TotalCashValue ≤ 0` ist die Modul-Kaufkraft null –
ohne Sonderlogik. Module können einen manuellen Kredit strukturell nicht ausweiten.
### Schicht B – kein Short
Verkäufe werden auf die Buchmenge gekappt. Shorts sind implizit Margin.
### Schicht C – Währung
Ein Kauf in Währung X darf **nur aus Cash in Währung X** finanziert werden. Andernfalls entsteht ein
Sollsaldo in X – ein Margin-Kredit, auch wenn das Konto in Summe positiv aussieht. Buch-Cash und
Reservierungen werden deshalb **pro Währung** geführt (siehe Abschnitt 7).
### Schicht D – Watchdog
Ein Hosted Service prüft Cash und Margin-Kennzahlen laufend. Bei Unterschreitung: **globaler
Kauf-Stopp + Alarm** – und **niemals automatisches Verkaufen** zur Heilung. Ein
Selbstheilungs-Amoklauf ist gefährlicher als der Zustand, den er beheben soll.
---
## 5. Reservierungen (Order-Lebenszyklus)
Verhindert, dass zwei Module gleichzeitig dasselbe Geld ausgeben. Persistent in der DB, nicht im RAM.
```
INTENT → RESERVED → SUBMITTED → FILLED | PARTIAL | CANCELLED | REJECTED | EXPIRED
```
- **Reservierungshöhe:** `Menge × Referenzpreis × (1 + Puffer)` + geschätzte Kommission.
Puffer klein bei Limit-Orders (das Limit *ist* die Obergrenze), größer bei Market (Slippage),
zusätzlich FX-Puffer bei währungsübergreifenden Vorgängen.
- **Atomar** gegen Buch-Headroom *und* Pool-Cash, in einer DB-Transaktion hinter einem **globalen
Order-Lock**. Bei einer TWS-Verbindung reicht ein einfacher `SemaphoreSlim`; feingranulare Locks
wären hier nur eine zusätzliche Fehlerquelle.
- **Freigabe** beim Terminalzustand; Differenz zwischen Reservierung und echtem Fill fließt zurück.
- **TTL zwingend.** Erreicht eine Reservierung ohne Terminalzustand ihr Ablaufdatum oder den
Handelsschluss → **Alarm, keine stille Freigabe**. Eine hängende Order, deren Reservierung
freigegeben wird, gibt das Geld zweimal aus.
- **Idempotenz** über `SignalId` bzw. eine Client-Order-ID, damit ein Reconnect keine Doppelorder
erzeugt.
- **Crash-Recovery:** beim Start alle nicht-terminalen Reservierungen gegen die offenen Broker-Orders
abgleichen; Waisen → Quarantäne + Alarm.
---
## 6. Limits und Feedback an die Module
### Konzentrationslimit pro Einzelwert
```
SymbolExposure(s) = Σ_b Marktwert(b, s) ← über ALLE Bücher, inkl. MANUAL
Prüfung: SymbolExposure(s) + geplanter Kauf ≤ MaxSymbolPercent × NAV
```
- **NAV als Nenner**, nicht der Positionswert – sonst wird das Limit bei viel Cash absurd eng und bei
wenig Cash absurd weit.
- **`MANUAL` ist von der Prüfung befreit, zählt aber voll in den Zähler.** Hältst du 50 % AAPL von
Hand, sind die Module bei AAPL vollständig gesperrt. So gewollt.
- **Verkäufe sind nie limitiert.** Ein Limit darf niemals das Schließen einer Position verhindern.
### Feedback-Kontrakt
Das Gate ist **hart**. Das Modul entscheidet nur, *wie es auf die Ablehnung reagiert* – nicht, ob das
Limit gilt. Ein erneut gesendetes zu großes Signal wird wieder abgelehnt. Der Core trimmt nicht
selbstständig; die Entscheidung liegt auf Strategieebene.
```csharp
record LimitBreach(
LimitKind Kind, // SymbolConcentration | BookCap | CashAvailable
// | FxBuffer | CurrencyNotAllowed | VenueNotAllowed
string Scope, // "AAPL" | "CT" | "USD"
decimal Current,
decimal Limit,
int MaxQuantity, // was jetzt noch ginge
decimal MaxNotional);
```
Ergänzend eine Vorab-Query `GetHeadroom(book, symbol)`, damit ein gut gebautes Modul gar nicht erst
gegen die Wand fährt und seine Order gleich richtig dimensioniert.
**Drossel:** Ein Modul, das dasselbe Signal wiederholt gegen dieselbe Wand schickt, wird nach N
Versuchen pro `SignalId` gedämpft und protokolliert. Sonst produziert eine schlecht geschriebene
Strategie Logfluten und TWS-Last.
---
## 7. Währungen und Handelsplätze
**Kontobasiswährung:** konfigurierbar, bei Ersteinrichtung festgelegt, danach gesperrt
(siehe Abschnitt 11 – eine Änderung nach dem ersten Trade macht alle historischen Bewertungen,
Caps und GuV-Zahlen ungültig).
- Produktion (US LLC): `USD`
- Test/Paper (EU): `EUR`
### Contract-Auflösung ist Pflicht
Eine Order mit nacktem Symbol-String über `SMART` kann bei mehrdeutigen Tickern still an einer Börse
in einer anderen Währung landen. Deshalb:
- Vor jeder Order wird der Contract über `reqContractDetails` aufgelöst; `currency`, `exchange`,
`primaryExchange` und `conId` werden geprüft.
- **Whitelist auf zwei Achsen:** Währung ∈ `AllowedCurrencies` **und** Handelsplatz ∈ konfigurierter
Liste. Verstoß → harte Ablehnung, unabhängig vom Modul.
- Das Ergebnis wird gecacht; **die `conId` wird in der Position gespeichert.** Sie ist IBKRs
eindeutige Instrumenten-ID und deutlich sicherer als ein Ticker.
### FX-Marge als Sicherheitspuffer, nicht als Exposure-Deckel
Bei überwiegendem Handel in Kontobasiswährung wäre ein FX-Exposure-Limit meist verletzt und damit
nutzlos. Sinnvoll wirkt die Marge an drei anderen Stellen:
1. **Bewertungs-Haircut:** Fremdwährungs-Cash geht mit Abschlag in `Verteilbar` ein → das eigene
Kapital wird nie überschätzt.
2. **Reservierungspuffer** bei währungsübergreifenden Käufen, zusätzlich zum Slippage-Puffer.
3. **FX-Exposure als Kennzahl mit Alarmschwelle** – sichtbar und meldepflichtig, ohne Handelssperre.
### Kein Auto-FX im Order-Pfad
Fehlt Cash in der Zielwährung, scheitert der Modul-Kauf mit `LimitKind.CashAvailable`. Konvertiert
würde der Order-Pfad selbst, könnte ein Modul indirekt FX-Kosten und FX-Timing auslösen, und die
Reservierungslogik müsste zwei Währungen gleichzeitig sperren. FX bleibt ein expliziter Vorgang
auf `HOUSE`-Ebene.
---
## 8. Abgleich (Reconciliation)
Weil jederzeit manuell in TWS eingegriffen werden kann, ist der Abgleich kein Zusatz, sondern das
Fundament. Zwei Stufen:
**Stufe 1 – Ledger ↔ TWS (minütlich):** Handelssicherheit. Stimmen Stückzahlen und Cash?
| Befund | Bedeutung | Reaktion |
|---|---|---|
| Broker > Ledger | manuell gekauft, oder ein Fill kam nach | Überschuss → `UNASSIGNED` |
| Broker < Ledger | manuell verkauft / Corporate Action | **Break:** betroffene Bücher und Symbol für neue Orders sperren, Alarm |
| Cash weicht ab | Gebühren, Zinsen, FX | Differenz gegen `HOUSE`, ab Schwelle Break |
Bei „Broker < Ledger" wird bewusst **nicht** automatisch korrigiert. Anteiliges Wegkürzen zerstört
die Zurechenbarkeit – Halt-and-alert, der Mensch entscheidet.
**Stufe 2 – Ledger ↔ Flex Query (täglich, nach Ingest):** Qualitätssicherung. Hier kommen Gebühren,
Dividenden, Quellensteuer, FX-Differenzen und Splits an – Dinge, die die TWS-API gar nicht oder
schlecht liefert.
**Gebühren gehören dem verursachenden Buch.** Sonst subventioniert `HOUSE` die vieltradenden Module
und die Performance-Zahlen lügen. Beim Fill wird geschätzt, beim Flex-Abgleich exakt nachjustiert.
---
## 9. Unzugeordnete Positionen und Eskalation
Zustände: `New → Notified → Acknowledged → Assigned(Book)`, mit `DetectedAt`-Zeitstempel.
- Ein Watchdog meldet alles, was **länger als 30 Minuten** unbearbeitet liegt.
- **Backoff:** nach 30 min, dann 2 h, dann täglich – sonst wird der Kanal unbrauchbar.
- **Abgestufte Sperrwirkung:** Eine `UNASSIGNED`-Position **zählt voll** in Exposure und
Konzentrationslimit, bremst die Module also automatisch, **sperrt aber nicht hart**. Hart gesperrt
wird nur der gefährliche Fall aus Abschnitt 8 (Broker < Ledger).
---
## 10. Benachrichtigungen
Im Code existiert derzeit **kein** Benachrichtigungssystem (die Treffer zu „Notification" im
Supervisor-MCP sind JSON-RPC-Notifications, etwas anderes). Sauberer Start.
```
INotificationSink Name, SendAsync(Notification, ct)
Notification Severity, Category, Title, Body, DedupKey, Data
NotificationService Fan-out über alle registrierten Sinks
```
Drei Eigenschaften müssen von Anfang an drin sein, weil sie später schwer nachzurüsten sind:
- **Outbox in der DB** (`core_notification`): erst persistieren, dann zustellen, Retry bei Fehler.
Solange kein Zielkanal existiert, sammeln sich Meldungen sichtbar an und werden zugestellt, sobald
ein Sink da ist. Nichts geht verloren.
- **Dedup/Throttling** über `DedupKey` (z. B. `unassigned:AAPL`).
- **Severity-Routing:** Info → Log/UI, Warning → Chat, Critical → alle Kanäle.
Ausbaureihenfolge: `LogSink` + `UiSink` sofort → `MatrixSink`, sobald der Server steht →
`TelegramSink` optional als Backup.
**Matrix** ist reines HTTP, keine Library nötig:
`PUT /_matrix/client/v3/rooms/{roomId}/send/m.room.message/{txnId}` mit dem Access-Token eines
Bot-Users. Die `txnId` ist Matrix' eingebauter Idempotenz-Schlüssel und passt exakt auf die
Outbox-ID. Das Token gehört in `SecretProtection`.
---
## 11. Steuerbuch: Jurisdiktionsprofil
**Pro Deployment gibt es genau eine Jurisdiktion, und sie wechselt nie.** Ein Kontowechsel zwischen
Ländern findet nicht statt – die Option „später auch in Deutschland" bedeutet ausdrücklich: anderer
Server, andere Datenbank, anderes IBKR-Konto. Daraus folgt: keine Migration, keine
Mehrmandantenfähigkeit, kein Umschalten zur Laufzeit.
Das Profil ist **kein Währungs-Flag**, sondern ein Austausch der gesamten Lot- und
Klassifikationslogik:
| Aspekt | US LLC (Hauptziel) | DE privat (Option) | DE GmbH (Option) |
|---|---|---|---|
| Berichtswährung | USD, keine Umrechnung | EUR, Umrechnung pro Vorgang | EUR, Umrechnung pro Vorgang |
| Lot-Matching | FIFO Standard, Specific ID wählbar | FIFO zwingend | Bilanzierung |
| Wash Sale (30 Tage) | **ja**, Basis-Anpassung | kein Äquivalent | kein Äquivalent |
| Haltefrist | short/long term ab 1 Jahr | irrelevant | irrelevant |
| Verlustverrechnung | Carryforward mit Deckel | getrennte Töpfe | wieder anders |
| Quellensteuer | – | Anrechnung nach DBA | Anrechnung |
| Ausgabe | 1099-B-Abgleich / K-1 | Anlage KAP | Bilanz/GuV |
Die **Wash-Sale-Regel** ist die einschneidendste: sie verändert Anschaffungskosten rückwirkend. Eine
Engine, die nur FIFO kann, lässt sich dafür nicht nachrüsten. Deshalb muss die Lot-Verwaltung von
Anfang an lot-basiert sein und **Basis-Anpassungen als eigene Buchungsart** kennen – auch wenn das
erste Profil sie noch nicht nutzt.
> Die konkreten steuerlichen Ausprägungen (u. a. ob die LLC als Disregarded Entity oder Partnership
> behandelt wird, was das Reporting ändert) sind mit dem Steuerberater abzustimmen. Hier steht nur,
> was die Software mechanisch abbilden können muss.
### Profile und Umgebungen
```
Test/Paper (EU) BaseCurrency EUR TaxProfile None
Produktion (US) BaseCurrency USD TaxProfile UsLlc
Option DE BaseCurrency EUR TaxProfile DePrivat | DeGmbh
```
Das Profil **`None`/`Paper`** führt vollständig Buch, rechnet aber keine Steuer und ist in UI und
allen Exporten sichtbar als solches markiert. Deutsche Steuerregeln auf Paper-Trades zu rechnen wäre
sinnlos und produziert Zahlen, die jemand später für echt halten könnte.
### Wo der Lock hingehört
**Nicht in `appsettings.json`.** Eine Datei lässt sich editieren, und dann rechnet die Engine ab
morgen nach anderen Regeln über denselben Bestand – der schlimmstmögliche Fehler, weil er sich still
auswirkt.
Der Lock gehört **in die Datenbank, neben die Daten, die er regiert**: eine Stempelzeile im
Accounting-Schema mit Jurisdiktion, Berichtswährung, Kontobasiswährung und Einrichtungszeitpunkt.
Beim Start wird die Konfiguration dagegen geprüft; bei Abweichung startet das Accounting-Modul nicht,
sondern meldet einen Konflikt. Gesetzt wird der Stempel bei der Ersteinrichtung, geändert nur durch
eine leere Datenbank.
### Was deshalb *nicht* gebaut wird
Die EZB-Kursanbindung (Kursquelle, Stichtagsregeln, Kursarchivierung) ist für das Hauptziel nicht
nötig: USD-Konto, USD-Reporting, keine Umrechnung. Also nur die **Naht** bauen (`IFxRateSource`, im
US-Profil eine No-Op), nicht die Implementierung. Wird die DE-Option je gezogen, geschieht das
ohnehin auf einem anderen Server – dann wird sie dort ergänzt.
Falls doch: EZB-Referenzkurse autoritativ, IBKR-Bewertungskurse nur als Kontrollgröße; **verwendeter
Kurs, Quelle, Stichtag und Abrufzeitpunkt werden mitgespeichert**, nicht nur der umgerechnete Betrag.
---
## 12. Datenmodell-Deltas
| Heute | Delta |
|---|---|
| `core_position` (PK `Module`+`Symbol`) | `Module` → `BookId`; **`ConId`, `Currency`, `Exchange` ergänzen** |
| `core_budget` (Total/Used/MaxPerTrade) | ersetzen durch `core_book`: Cap-Regel, Flags (ReadOnly, Active), Mindestordergröße |
| – | `core_reservation` (Zustandsmaschine, TTL, Währung) |
| – | `core_broker_snapshot` + `core_reconciliation_break` |
| – | `core_notification` (Outbox) |
| – | `core_instrument` (aufgelöste Contracts, `conId`-Cache, Whitelist-Status) |
| – | `acc_jurisdiction` (Stempel, Abschnitt 11) |
| ~~Buch-Cash, Transfers, Rebalance-Lauf~~ | **entfällt** – ein Pool plus Caps (Abschnitt 3) |
| `RiskContext.NetLiquidation` | → `Verteilbar` und `Headroom(b)`, **nicht** NAV |
| `IbkrConnection`: `NetLiquidation,AvailableFunds` | + `TotalCashValue`, `SettledCash`, Margin-Kennzahlen, **pro Währung** |
| `IBrokerClient` | + `GetPositionsAsync`, + `ResolveContractAsync` |
| `ExecutionService` (Check-then-Act ohne Lock) | Order-Gateway davor: Serialisierung + Reservierung |
| `ExecutionResult.Reason` (string) | + strukturiertes `LimitBreach` (Abschnitt 6) |
---
## 13. Invarianten und Testkatalog
Die No-Margin-Bedingung wird als **eine ausführbare Invariante** formuliert, die an drei Stellen
dieselbe Codebahn nimmt:
```
∀ Währung c: FreiesCash(c) ≥ 0
∧ Σ offene Reservierungen(c) ≤ FreiesCash(c)
∀ Buch b, Symbol s: Menge(b, s) ≥ 0
∀ Symbol s: Σ_b Menge(b, s) = BrokerMenge(s)
```
1. als Assert am Ende **jedes** Trading-Tests (gemeinsamer Testhelfer, nicht pro Test neu geschrieben)
2. als Property-Test über zufällige Sequenzen aus Reservierung / Fill / Teilfill / Cancel / Slippage /
manuellem Eingriff
3. als Laufzeitprüfung im Watchdog – **identische Implementierung**, damit Test und Produktion nicht
auseinanderlaufen
### Pflichtfälle
| Fall | Erwartung |
|---|---|
| Zwei parallele Reservierungen, zusammen > freies Cash | zweite abgelehnt |
| N nebenläufige Tasks (Stresstest) | Σ Reservierungen nie > freies Cash |
| Fill teurer als reserviert, innerhalb Puffer | ok, Restfreigabe korrekt |
| Fill jenseits des Puffers | Alarm, Cash bleibt ≥ 0 |
| Manuelle Margin-Position taucht auf, Cash < Reserve | alle Modul-Käufe gesperrt |
| Cash in Zielwährung = 0, andere Währung vorhanden | abgelehnt – **kein** stiller Fremdwährungskredit |
| Verkaufssignal über Buchmenge hinaus | gekappt, kein Short |
| Reservierung erreicht TTL | Alarm, **keine** stille Freigabe |
| Neustart mit offenen Reservierungen | aus DB rekonstruiert, keine Doppelausgabe |
| Modul setzt fremde `BookId` im Signal | serverseitig überschrieben |
| Verkaufssignal gegen `MANUAL` | abgelehnt |
| Contract löst auf fremde Währung/Börse auf | abgelehnt vor Ordersendung |
---
## 14. Bewusst verschoben
- **Self-Cross-Netting** (Modul A kauft, Modul B verkauft dasselbe Symbol gleichzeitig). Bei der
erwarteten Handelsfrequenz unrealistisch und allenfalls eine Ausnahmeerscheinung.
**Billige Vorstufe jetzt:** Ist im Order-Gateway eine gegenläufige Order für dasselbe Symbol
pending, wird das protokolliert und gewarnt. Der Lock ist ohnehin da – das kostet fast nichts und
liefert Daten darüber, ob das Problem je real wird.
- **Corporate Actions** (Splits, Spin-offs) in der Buchzuordnung – vorerst über den Flex-Abgleich als
Break sichtbar, manuelle Zuordnung.
- **Echte Sub-Accounts** bei IBKR (Advisor/Family-Struktur) als brokerseitige Trennung. Erwogen und
verworfen: erfordert Kontotypwechsel und feste Vorabaufteilung des Kapitals, deutlich unflexibler
als virtuelle Bücher.
---
## 15. Offene Punkte
- **Mindestordergröße** pro Buch: ein Wert in Kontobasiswährung, Fremdwährungsorders per Tageskurs
dagegen geprüft. Konkreter Wert beim Bauen festzulegen.
- **Konkrete Limitwerte** (`MaxSymbolPercent`, `HouseReserve`, FX-Haircut, Slippage-Puffer, TTL)
– Startwerte beim Bauen festzulegen und in `settings.example.json` dokumentieren.
- **Handelsplatz-Whitelist**: konkrete Börsenliste je Währung.
- **Umsetzungsreihenfolge** – noch nicht besprochen.
---
## Zusammenfassung der getroffenen Entscheidungen
| # | Entscheidung |
|---|---|
| 1 | Cash-Konto; Modul-Handel strikt cash-only, manueller Handel darf Margin nutzen |
| 2 | Kein Kapitaltransfer zwischen Büchern – ein Pool plus Obergrenzen; **niemals** aktives Schließen zum Balancieren |
| 3 | Limit-Verletzung: hartes Gate, strukturiertes Feedback; die Reaktion entscheidet die Strategie |
| 4 | Kontobasiswährung USD (Produktion) / EUR (Test), bei Ersteinrichtung gesetzt und danach gesperrt |
| 5 | Nur USD und EUR handelbar; Contract-Auflösung mit Währungs- und Handelsplatz-Whitelist ist Pflicht |
| 6 | Steuerbuch strikt getrennt, Flex Query als einzige Quelle, Jurisdiktionsprofil einmalig und in der DB verankert |
| 7 | Unzugeordnete Positionen: Quarantäne + Eskalation nach 30 Minuten mit Backoff |
| 8 | Benachrichtigungen über Outbox + Sink-Abstraktion; Matrix als Zielkanal, Telegram optional |