Organisation: Abstimmung (#702) und Aufbewahren statt Loeschen (#700)

Die Abstimmung zaehlt keine Meinungen, sondern erzwingt unabhaengige
Pruefungen aus verschiedenen Datenquellen. Daraus folgt die Regel, an der
alles haengt: Es wird BLIND abgestimmt. Sieht ein Stimmberechtigter die
Stimme eines anderen, stimmt ein guenstiges Modell dem zu, was es gerade
gelesen hat - aus vier Pruefungen werden eine und drei Echos. Damit ist die
Abstimmung das Gegenstueck zur Besprechung, wo jeder die Beitraege sieht.

Und eine Kehrtwende bei #700: Vorgeschlagen war eine Frist mit Kehrbesen
fuer Audit und Receipts. Richtig ist das Gegenteil. In einem Buero voller
Menschen geht taeglich verloren, warum etwas so entschieden wurde - hier
nicht. Bei hundert Agenten sind es 3,3 GB im Jahr; dafuer wirft man kein
Wissen weg. Was bleibt, ist ein Archiv: heiss und kalt trennen, verdichtete
Werte immer behalten, Geheimnisse gar nicht erst hineinschreiben, gezielt
loeschen koennen.

Folge: Die 14-Tage-Voreinstellung der Prompt-History gehoert auf unbegrenzt.

Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
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Richard
2026-09-22 11:12:37 +02:00
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+98 -7
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@@ -653,6 +653,61 @@ Modell stilllegt oder umkonfiguriert, verändert die Organisation ohne menschlic
Beteiligung. Die Leitung *schlägt vor* und begründet; ausgeführt wird nach Freigabe —
Linie von #205, #641, #687.
### Die Abstimmung: mehrere Blickwinkel statt einer Freigabe
Die Freigabe durch die Leitung (#687) ist eine Entscheidung aus einer Sicht. Für manches
ist das zu wenig — nicht weil eine Meinung fehlt, sondern weil **mehrere unabhängige
Prüfungen fehlen**:
> Der Einkäufer will Ware für 150 € bestellen.
> **Buchhaltung** prüft, ob wir uns das leisten können.
> **Logistik** prüft, ob wir noch genug davon am Lager haben.
> **Marketing** prüft, ob es überhaupt ins Sortiment passt.
> Jeder hat eine Stimme. 3 von 4 dafür → bestellt. 1 von 4 → nicht. 2 von 4 → eskaliert,
> mit den Begründungen.
Das ist keine Demokratie im politischen Sinn, und der Unterschied ist wichtig für den
Bau: **Es werden nicht Meinungen gezählt, sondern unabhängige Prüfungen erzwungen.** Jede
Stimme kommt aus einer anderen Datenquelle — Kontostand, Lagerbestand, Sortiment. Das ist
der eigentliche Gewinn, nicht die Mehrheit.
Daraus folgt die wichtigste Regel:
> **Es wird blind abgestimmt.** Kein Stimmberechtigter sieht die Stimme eines anderen,
> bevor er die eigene abgibt. Sonst stimmt ein günstiges Modell dem zu, was es gerade
> gelesen hat, und aus vier Prüfungen wird eine Prüfung mit drei Echos.
Damit ist die Abstimmung das genaue Gegenteil der Besprechung (#686): Dort sieht jeder
Teilnehmer die bisherigen Beiträge, weil Abstimmung im Wortsinn der Zweck ist. Hier sieht
niemand sie, weil Unabhängigkeit der Zweck ist. Beide Mittel gehören nebeneinander, und
sie dürfen nicht verwechselt werden.
**Die weiteren Festlegungen:**
- **Jede Stimme trägt Begründung und Beleg.** Nicht „nein", sondern „nein — Lagerbestand
340 Stück, Abfrage vom 22.09. 08:14". Ohne Beleg ist eine Stimme eine Meinung
(#697).
- **Wer beantragt, stimmt nicht mit.** Dieselbe Linie wie bei der Leitung, die ihre
eigenen Aufrufe nicht freigibt (#687).
- **Eine fehlende Stimme ist kein Ja.** Scheitert ein Lauf oder antwortet ein
Stimmberechtigter nicht in der Frist, fehlt die Stimme. Kommt das Quorum nicht
zustande, wird eskaliert — nichts wird stillschweigend durchgewinkt.
- **Die Schwellen gehören zur Regel, nicht ins Modell.** Wie viele Stimmen, wer, ab
welchem Betrag, was bei Gleichstand — das steht in der Freigaberegel der Einheit und
ist einstellbar.
- **Abstimmen kostet.** Vier Stimmberechtigte sind vier Läufe zusätzlich zum
eigentlichen Vorgang. Abstimmungen gehören deshalb an Schwellen gebunden — die 150 €
aus dem Beispiel sind vermutlich zu wenig dafür, und genau das soll die Auswertung
zeigen.
- **Alles wird erfasst:** Antrag, jede Stimme mit Begründung und Beleg, Ergebnis, Kosten.
Erst damit lässt sich hinterher fragen, ob die Abstimmung etwas verhindert hat oder nur
Geld gekostet hat.
Und eine Eigenschaft, die man leicht für eine Lücke hält: Eine Abstimmung gibt keinem
Agenten einen neuen Gesprächspartner. Die Stimmberechtigten reden nicht miteinander — sie
sehen den Antrag und antworten. Deshalb steht sie **nicht** in der Ausnahmeliste aus
Abschnitt 3.
### Die Doctrine: wie eine Leitung steuert, ohne jeden Auftrag anzufassen
Ein Agent wird heute von zwei Texten geprägt: `Identity.md` sagt, **wer** er ist,
@@ -769,11 +824,45 @@ Abfrage. Ob die Abweichung ein Problem ist, deutet die Aufsicht (#680).
„was kostet mich das Marketing?" muss eine Frage sein, keine Rechenaufgabe.
- **Verdichtete Werte.** Tagessummen je Agent und Einheit, damit eine Sechsmonatsansicht
nicht Millionen Laufzeilen liest (#700).
- **Aufbewahrung auch für Audit und Receipts (#700).** Für Transkripte gibt es eine Frist
und einen Kehrbesen (#660), für `RunUsage` eine Löschung — für `AuditLog` und
`RunReceipts` nichts. Gemessen auf der Testinstanz: 636 Läufe erzeugen 4.155
Audit-Zeilen. Hundert Agenten kämen auf etwa 7.400 Zeilen am Tag, also einige Millionen
im Jahr — in genau der Tabelle, die jede Auswertung liest.
- **Ein Archiv statt eines Kehrbesens (#700).** Siehe unten — die Datenmenge ist ein
Problem der Abfragen, nicht der Festplatte.
### Aufbewahren statt löschen
**Gelöscht wird so wenig wie möglich.** Der Grund ist nicht Sammelwut, sondern der
einzige echte Vorteil, den eine Organisation aus Agenten gegenüber einer aus Menschen
hat: In einem Büro voller Menschen geht jeden Tag verloren, warum etwas so entschieden
wurde. Hier nicht. Fünf Jahre nach einem gescheiterten Vorhaben lässt sich nachlesen,
wie es dazu kam — welche Aufgabe wie formuliert war, was der Agent wirklich gelesen hat,
wer was freigab, welche Stimme welchen Beleg hatte.
Das ist bezahlbar, und zwar deutlich: Bei hundert Agenten fallen etwa 9 MB am Tag an,
also rund 3,3 GB im Jahr. Das ist keine Größe, für die man Wissen wegwirft.
**Was trotzdem zu tun ist, ist etwas anderes als Löschen:**
1. **Heiß und kalt trennen.** Die Arbeitsdatenbank hält, was der Betrieb braucht; ältere
Läufe wandern in ein Archiv — eigene Dateien je Zeitraum, abfragbar, aber nicht im
Weg. Was die Abfragen langsam macht, sind Millionen Zeilen in der heißen Tabelle,
nicht Gigabyte auf der Platte.
2. **Verdichtete Werte bleiben immer.** Tagessummen je Agent und Einheit sind winzig und
beantworten die meisten Fragen, ohne das Archiv anzufassen.
3. **Geheimnisse gar nicht erst hineinschreiben.** Aufbewahren heißt nicht, Zugangsdaten
aufzubewahren. Die Maskierung beim Schreiben (#660, allgemein #192) ist die Antwort —
nicht späteres Löschen, das ohnehin zu spät käme.
4. **Die Ausnahmen bleiben.** Ein Agent, der besondere Geheimnisse verwaltet, wird gar
nicht aufgezeichnet (`never` aus #660). Das ist eine Entscheidung je Agent und bleibt
es.
**Zwei Dinge, die der Betreiber entscheiden muss, nicht das Produkt:** In den Aufzeichnungen
stehen bei einem Handelsbetrieb auch Kundendaten, und für personenbezogene Daten gibt es
Aufbewahrungs- *und* Löschpflichten. Das Produkt muss beides können — unbegrenzt
aufbewahren und gezielt löschen, was gelöscht werden muss. Die Vorgabe „so wenig löschen
wie möglich" ist die Voreinstellung, nicht die einzige Möglichkeit.
**Folge für die Prompt-History:** Die Voreinstellung von 14 Tagen (#660, festgelegt am
2026-09-19) widerspricht dieser Linie. Sie gehört auf „unbegrenzt" umgestellt; die
Möglichkeit, je Agent kürzer oder gar nicht aufzuzeichnen, bleibt unverändert.
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@@ -834,7 +923,8 @@ für sich schon nützt und keine die nächste blockiert.
| **7** | Entscheidungsinstanz an der Spitze (#690) | Der Betrieb läuft weiter, wenn der Mensch schläft |
| **8** | Freigabe durch die Leitung innerhalb von Grenzen | Der Mensch hört auf, Flaschenhals zu sein |
| **9** | Kontrollpflicht der Leitung, abgestufte personelle Mittel (#693); Doctrine (#698) | Fehler findet die Leitung, nicht erst der Mensch — und sie kann steuern |
| **9a** | Kosten je Einheit, Abweichungsmeldung (#699), Aufbewahrung (#700) | Ineffizienz wird sichtbar, bevor sie einen Monat lang läuft |
| **9a** | Kosten je Einheit, Abweichungsmeldung (#699), Archiv (#700) | Ineffizienz wird sichtbar, bevor sie einen Monat lang läuft |
| **9b** | Abstimmung als dritte Freigabeform (#702) | Vier Blickwinkel statt einer Unterschrift, wo es sich lohnt |
| **10** | Oberfläche: Organigramm statt Agentenliste, Lage je Abteilung | Bei fünfzig Agenten ist eine flache Liste keine Übersicht |
| **11** | Organisationsvorlagen (#691) | Ein Haus lässt sich weitergeben statt nachbauen |
@@ -929,7 +1019,8 @@ nur nicht selbst an.
| #697 | Stille Post vermeiden: Weitergaben hängen an und tragen den Verweis |
| #698 | Doctrine.md — die Leitung steuert ihre Einheit, eine Ebene tief |
| #699 | Kosten je Einheit aufrechnen und Abweichungen melden |
| #700 | Aufbewahrung für Audit und Receipts, verdichtete Tageswerte |
| #700 | Archiv statt Kehrbesen: heiß und kalt trennen, verdichtete Tageswerte |
| #702 | Abstimmung: unabhängige Prüfungen, blind, mit Beleg je Stimme |
| #654, #196, #657 | Sandbox, Shell, Skriptprüfung — der eigentliche Werkzeugkasten |
| #687 | Freigabe durch die Leitung innerhalb von Grenzen |
| #688 | Organigramm in Oberfläche und WebUI |